Viel Spaß beim Lesen und Sich-Zu-Tode-Raten…die Kommentare sind teilweise schon sehr amüsant, vor allem, wenn man weiß, wie sehr ihr euch auf dem Holzweg befindet…
Hier nun (endlich) mein Blogwichtel 2011 – ein Märchen (wie wundervoll):
“Ich habe genug”, sagte der Böse Wolf, “Nein wirklich, jetzt muss Schluss sein….” knurrend zog er seine Lefzen hoch. Schneewittchen die sich gerade angeregt mit Rotkäppchen bei einer Flasche Prosecco unterhielt, schaute indigniert hoch. “Was ist denn jetzt schon wieder, Wolf?”
“Warum muss ich immer böse sein?” – “Du mußt nicht, Du bist es!” mischte sich das Rumpelstilzchen ein, griff wie immer ungefragt in die Schachtel mit den Schokocookies vom 7. Zwerg und zog wieder von dannen. Immerhin hatte er heute sein erstes Date mit dem Gestiefelten Kater und daher galt es sich entsprechend zu schönen…..
Der Wolf, der nicht einmal einen Namen hatte und seit Jahr und Tag “Der Böse Wolf” hieß, brummte unwillig und fletschte die Zähne. Da er auf Grund seines Alters, fehlender Zahnhygiene und verabsäumter Zahnregulierung einen veritablen Fehlstand seines Gebisses hatte und ein paar unbehandelte Löcher, war der Anblick zwar zum Fürchten, aber eher aus Mitleid.
Rotkäppchen verdrehte nur angenervt die Augen.
“Ich kann doch auch mal der Gute sein, was spricht dagegen?” fragte er Dornröschen. Er legte seinen zotteligen Kopf auf ihre Knie und flüsterte: “Streichelst Du mich hinter meinen Ohren?” Dornröschen konnte nicht einmal dem Bösen Wolf wirklich etwas abschlagen und kraulte den alten Herrn, der genüßlich schnurrte – so ähnlich kann man die Geräusche nennen, die er von sich gab.
Schneewittchen wollte Getränke-Nachschub holen, leider konnte sie es nicht lassen, den Wolf in den Schwanz zu kneifen, worauf dieser aufjaulte und reflexartig nach dem scheinheilig grinsenden Schneewittchen schnappte….worauf dieses hysterisch aufschrie und mit kippender Stimme den Wolf anblaffte: “Du böser, wiederlicher Kerl Du, Du bist und bleibst böse, denk an die 7 Geisslein, denk an Oma Rotkäppchen!” Sprachs und zog mit der neuen Flasche Prosecco ab. Rotkäppchen, die die Szene von weiter hinten beobachtet hatte, grinste hinterhältig.
Immer das Gleiche, wenn die beiden Mädels zusammensteckten, konnte nichts Ordentliches herauskommen.
“Ich glaube”, flüsterte Dornröschen mit dem großen und weiten Herz dem Wolf zu, “ich glaube, es ist besser, Du machst eine kleine Runde durch den Wald, wir sehen uns später.”
Der Wolf trottete mit hängendem Schwanz und gesenktem Kopf durch Wald, passierte die kleine Lichtung, wo gerade Rumpelstilz um den Gestieftelten Kater herumbalzte und nach einer halben Stunde kam er bei Hänsel und Gretel an, die vor ihrem Haus auf der Bank saßen und die Nachmittagssonne genossen.
Das Tapfere Schneiderlein war gerade am Dach zugange, um die lockeren Schindeln zu reparieren und die Bremer Stadtmusikanten machten auf der Weide gerade Pause, wobei der Kater, eigenwillig wie Katzen sind, es sich auf dem Schoß von Gretel bequem gemacht hatte. Als er allerdings den Wolf herantrotten sah, zischte und fauchte er aggressiv und stellte sofort alle Haare auf.
“Ach lass das doch, Kater”, meinte Gretel versöhnlich.
“Was führt Dich zu uns, alter Knabe?”, sprach Hänsel, während er die Pfeife stopfte und einen kräftigen Schluck von seinem Feierabendbier nahm.
“Ich will nicht mehr böse sein, ich bin ein alter Wolf und ein liebenswertes Tier,” sagte er und legte den Kopf auf Hänsels Knie, und fragte wieder leise: “Streichelst Du mich hinter den Ohren ?”
Hänsel seufzte: “Ich weiss, es ist ein blöder Job den Du hast… ich fühle mit Dir mit. Aber wie Du weißt, hat das Rotkäppchen noch ein Wort mitzureden.”
Hänsel strich dem Wolf über seine Schnauze.
Die Augen vom Wolf verdunkelten sich und er fühlte sich auf einmal ganz, ganz müde und kraftlos… Er legte sich zu Füßen von Hänsel und beschloss ein bisschen zu schlafen, um ein wenig zu vergessen.
Das Abendröte färbte bereits den Himmel, als der Wolf nach einem kurzen aber erholsamen Schlaf erwachte, er streckte seine Glieder, daß es knackte.
Aus Hänsel und Gretels Haus drangen laute Stimmen und auf einmal stürmte ein wutentbranntes Rotkäppchen aus dem Haus, schrie den Wolf an: “Ok, Du hast gewonnen” und verschwand in der Dunkelheit….
Verwundert trottete der Wolf ins Haus und da saßen sie, Hänsel, Gretel, die Bremer Stadtmusikanten, auch Schneewittchen mit einem verlegenen Grinser, die Zwerge, Dornröschen, die Hexe, die Königin, alle 7 Geisslein, Oma Rotkäppchen, Rumpelstilzchen händchenhaltend mit dem Gestiefelten Kater, das tapfere Schneiderlein und noch viele andere….der Wolf schaute von einem zum Anderen: “Was ist denn hier los?” – “Komm nur weiter, Wolf, komm nur rein!” Hänsel räusperte sich “Wir sind dahinter gekommen, daß Rotkäppchen Dich nur verleumdet hat, aus welchem Grund auch immer. Wie gesagt, sie hat alles vesucht, damit Du die Märchenwelt verlassen mußt. Gottseidank hat uns Dornröschen aufgeklärt, auch dahingehend, daß Du ein Poet bist. ” Der Wolf errötete. “Daher”, erhob Hänsel wieder seine Stimme, “bist Du ab sofort unser Wolf, der Poet.” Alle standen auf und applaudierten und die dunklen Augen vom Wolf, dem Poeten füllten sich mit Tränen…. Seit Jahren erfreut nun Wolf, der Poet, die Märchenwelt mit seiner Prosa, und wird nie wieder der BÖSE Wolf genannt.
Achja, und die Zahnregulierung und 3 Implantate bekam er auch noch geschenkt – zu Weihnachten.
Und die Moral von der Geschichte: Auch Wölfe haben Seelen…
Und apropos Märchen: Viel Spaß mit dem folgenden Slam Poetry Beitrag!
Alles Liebe von Deinem Blogwichtel!
Hallo lieber Blogwichtel, ich hoffe, du verzeihst mir nochmal das verspätete Erscheinen deines Beitrags…an der Stelle, als Rotkäppchen wutentbrannt das Haus verließ, habe ich minutenlang schallend gelacht…und ich dachte schon, ich werde dieses Jahr überhaupt nicht bewichtelt! Dein kleines, unschuldiges email, das sich durch die bösen Server gequält hatte, hauchte schließlich sein Leben aus…und ich stand ohne Blogwichtelbeitrag da…und war, nun ja, etwas enttäuscht schon…hmmm…aber dem aufmerksamen Blogwichtel fiel schließlich auf, dass sein Beitrag nicht veröffentlicht wurde…und so klärte sich alles auf…vielen herzlichen Dank! Du hast mir den Blogwichteltag gerettet! Und vielen herzlichen Dank allen Teilnehmern, es war für mich in der Rolle des Organisators eines der schönsten Blogwichteljahre überhaupt!
Alles in allem tröpfeln die Anmeldungen äußerst gemächlich ins Blog, und einige Hardcoreimmerdabeiblogwichtler vermisse ich noch auf meiner Liste…ich hoffe doch schwer, dass sich der ein oder andere noch der Blogwichtelgemeinschaft anschließt.
Update 13.11.2011: Es tut sich was! Kaum dreht man sich mal um, sind der Audioblogger Toby, einige Homies von twoday.net (meiner alten Heimat) und Ms. Jekylla mit von der Partie…
Update 16.11.2011: Bereits 20 Anmeldungen and still counting…ganz toll!
Update 15.12.2011: Ich habe gerade allen Blogwichtelteilnehmern die Blogwichtelbeiträge zugeschickt. Insgesamt sind leider 3 Wichtel ausgefallen, einer davon aus gesundheitlichen Gründen (was ich voll und ganz verstehe) - aber dank eines Notwichteleinsatzes und eigener Bemühungen hat sich der Schaden in Grenzen gehalten. Für mich selbst ist dieses Jahr leider kein Wichtel übrig geblieben, so dass ich am 16.12.2011, dem großen Blogwichteltag, keinen Blogwichtelbeitrag veröffentlichen kann. Außerdem werde ich morgen kaum zum Bloggen kommen und würde daher eure fantastischen Blogwichtelbeiträge erst am Samstag, 17.12 2011, in einem eigenen Beitrag mit einer kleinen Liste aller Blogwichtelbeiträge würdigen. Bis dahin eine gute Zeit und viel Spaß beim Lesen.
Update 16.12.2011: Hurra, es gab ein Wunder! Ich habe einen Blogwichtelbeitrag bekommen…und also waren es nur noch 2 Wichtel, die dieses Jahr ausgefallen sind…und ich kann mit euch den Blogwichteltag feiern…
Hier also die aktuellen Teilnehmer (in der Reihenfolge der Anmeldungen):
Liebe Wichtelgemeinde, nach Herrn Hollemann 2006 – 2008, Frau Bhuti2009 und Frau Creezy2010 ist mir die Ehre zuteil geworden, das diesjährige Blogwichteln auszurichten. Nachdem meine Vorgängerinnen und Vorgänger diese Aufgabe mit Bravour gemeistert haben, habe ich ein bißchen Angst, in allzu große Fußstapfen zu treten.
Die Spielregeln seien vorab kurz erklärt: Jede potentielle Teilnehmerin und jeder potentielle Teilnehmer mit einem eigenen Blog hinterlässt bis zum 30.11.2011 unter diesem Beitrag einen geistvollen Kommentar und bekundet damit seinen Willen, in die Gemeinschaft der Blogwichtel aufgenommen zu werden. Möglichst gleichzeitig bitte ich um eine Mail mit dem Betreff “Blogwichteln 2011″ mit Blogname, URL und email an folgende email-Adresse: tab2005[ätt]gmail.com, damit ich die URLs der teilnehmenden Blogs und Teilnehmer/-innen besser zuordnen kann.
Damit ist der erste Schritt ins Blogwichtelwinterwonderland getan. Ich führe gleichzeitig eine aktuelle Liste der angemeldeten Blogs mit. Nach dem Anmeldeschluss treten wir in die Phase 2 des Blogwichtelns ein. Die teilnehmenden Blogs werden einander mit noch zu organisierender, eventuell tierischer Unterstützung zugelost (ich erwäge aktuell die temporäre Entführung von unschuldigen Nachbarskatzen), so dass ich euch kurz darauf das zu bewichtelnde Blog per email mitteilen kann. Phase 2 sollte bis zum 02.12.2011 abgeschlossen sein.
Ihr habt nun den Namen des zu bewichtelnden Blogs erfahren und seid schließlich bereit für Phase 3 des Blogwichtelns. Vorweihnachtsstress, Einkaufsverpflichtungen für die bevorstehenden Feiertage, familiäre Katastrophen und Kurzurlaube in südlichere oder schneereiche Gefilde sind in dieser Phase eher nicht so förderlich, denn nun solltet ihr das zu bewichtelnde Blog näher in Augenschein nehmen. Schließlich liegt es an euch, bis zum Abgabeschluss der Blogwichtelbeiträge am 14.12.2011 einen zum zugelosten Blog passenden Beitrag zu erstellen, der neben rein literarischen auch andere kreative Leistungen (gesungene, getanzte, gezeichnete, gemalte, getöpferte, gehäkelte, gestrickte…) enthalten kann. Sollte euer Blogwichtelbeitrag nicht pünktlichststst zu diesem Termin per email bei mir eintreffen, muss ich leider ein Meuchelmordkommando losschicken, um die Ehre der Blogwichtelgemeinschaft wieder herzustellen.
Nachdem ich die Beiträge per email und anonymisiert weiterverteilt habe, kommt ihr in den Genuss der finalen Phase des Blogwichtelns, die mit dem Blogwichteltag am 16.12.2011 beginnt. An diesem Tag veröffentlicht ihr auf eurem Blog den Blogwichtelbeitrag, den ihr per email erhalten habt. Zu guter Letzt wird fleißig kommentiert, gemutmaßt, werden Theorien über die Urheber der einzelnen Beiträge aufgestellt und wieder verworfen, bis sich der Blogwichtelorganisator (also meine Person, hähä) je nach Gusto und Temperament entschließt, der allgemeinen Verwirrung ein Ende zu setzen.
Hier noch einmal der bonfortionöse vorweihnachtliche Terminplan:
Anmeldung bis zum 30.11.2011 hier im Blog und per email an tab2005[ätt]gmail.com mit Blogname, URL, email-Adresse
02.12.2011 Auslosung und Zusendung des zu bewichtelnden Blogs
14.12.2011 Abgabeschluss der Wichtelbeiträge
16.12.2011 Großer Blogwichteltag!!! mit Veröffentlichung der Blogwichtelbeiträge in euren Blogs
Ich freue mich wie Bolle darauf, dass eure spannenden Beiträge das diesjährige Blogwichteln zu einem besonderen Highlight werden lassen und sie mit den nächtlichen Sternen um die Wette funkeln. Darüber hinaus stehe ich euch natürlich mit Rat und Tat zur Seite, und ich hoffe, ich kann der verehrten Blogwichtelgemeinschaft in meinem Blog in diesem Jahr ein würdiges Obdach bieten.
Mein Bruder zeigt mir in einem Regal eine Reihe von Tongefäßen, die jemand nach der Vorlage von Industrieware gefertig hat. Nun ist etwas ganz Besonderes daraus geworden – mit einer rotgolden schimmernden Glasur überzogene Pokale und Teller, die mich in Staunen versetzen. Es fühlt sich so an, als hätte ich jetzt endlich etwas gefunden, nach dem ich schon sehr lange Zeit gesucht habe. Meine Bruder erklärt mir, dass jemand anderer damit sehr viel Geld verdient hat. Aber ich habe keine Zeit mehr, um mich länger bei ihm aufzuhalten. Irgendwie dringt die Nachricht zu mir, mein Großvater sei nicht tot, sondern immer noch am Leben – sein Tod, das Begräbnis, all das sei ein Mißverständnis gewesen, und ich sehe vor meinem inneren Auge einen offenstehenden, aus grobem, hellen Fichtenholz zusammengezimmerten Sarg, der leer ist. Aufgrund seiner damaligen Todesursache hoffe ich, ihn auf der kardiologischen Intensivstation anzutreffen. Die Station, auf der ich schließlich lande, besteht nur aus Edelstahl und einer orangen Linie als einzigem Dekorationselement. Sie ist so riesig, dass ich minutenlang durch den Gang laufen muss, um am Stützpunkt anzukommen. Dort sind mehrere Ärzte in blauen Kitteln versammelt und über eine Patientenkurve gebeugt, die, als sie mich sehen, ebenfalls wegen eines Herzalarms zu laufen beginnen. Hoffentlich nicht wegen meines Großvaters? Nein, es betrifft einen anderen Patienten. Endlich habe ich die Station einmal umrundet und finde mich in einer großen lichterfüllten Halle wieder, die direkt hinter den Patientenzimmern liegt. Alles macht einen sehr modernen Eindruck. Mein Blick fällt schließlich auf einen runden Empfangstresen, ebenfalls aus Edelstahl und mit einem orangen Dekostreifen versehen. Vielleicht kann man mir dort sagen, wo sich mein Großvater befindet. “Herr L.? Herr L. ist entlassen worden. Er arbeitet jetzt im Vergnügungspark gleich um die Ecke.” Ich merke, dass ich nicht mehr allein bin, sondern mich ein sehr guter Freund begleitet. Dieser will plötzlich gehen, während ich nach meinem Großvater frage, aber ich ziehe ihn sehr bestimmt wieder an mich und lege ihm meinem Arm um die Schulter. Ich freue mich, dass er bei mir bei der Suche nach meinem Großvater behilflich ist, und spüre eine immer größere, stille Zufriedenheit. Als wir beide am Vergnügungspark ankommen, sehen wir meinen Großvater etwas verloren auf der Bühne stehen. Er trägt ein Headset und preist die Attraktionen des Parks an. Ich wundere mich ein wenig, weil ich meinen Großvater nur als sehr verschlossenen Menschen kennengelernt habe. Aber vielleicht hat er sich ja mittlerweile verändert. Er wirkt wie ein trauriger Clown, mit seinem zu großen, blauen Anzug, den er tragen muss. Das Jackett schlabbert um seinen mageren Körper, die Mütze ist ein wenig verrutscht, überhaupt empfinde ich nur noch Mitleid mit ihm und fühle, wie sich ein Kloß in meinem Hals zusammenzieht. Plötzlich stockt auch seine Stimme, die aus dem Lautsprecher kommt, und er kommt die Stufen hoch, um mich zu begrüßen. Er kann vor zurückgehaltenen Tränen kaum mehr sprechen. Als der Tränenstrom endlich aus mir herausbrechen will und ich zu einer Umarmung ansetze, stehen wir uns plötzlich durch einen Gitterkäfig getrennt voneinander gegenüber, und er streckt durch die Gitterstäbe seine dürren Ärmchen nach mir aus. Doch nicht ich umarme ihn schließlich, sondern ein kleines Mädchen mit langen braunen Haaren in einem weißen Kleid, das sich vorgedrängelt hat. An dieser Stelle wache ich mit tränengefüllten Augen auf.