Sturm

Donnerstag, 11. Februar 2010 22:20

Ich erwache wie von einem Donnerschlag und stehe sofort auf, da ich ein schlimmes Ereignis befürchte, das unmittelbar bevorsteht. Ich blicke aus dem Fenster und bin für einen Augenblick ziemlich verwirrt: ich blicke wie von einem sehr hohen Punkt aus auf das südliche Tal hinter dem Universitätsklinikum hinab und stehe doch nur an der mir bekannten Fensterfront vor den Kursräumen im rückwärtigen Teil des Klinikums; zudem bin bin überrascht darüber, dass ich vor einem der Kursräume mein Lager aufgeschlagen habe. Über dem Tal türmt sich ein kompakter, gewaltiger Hexenkessel aus pechschwarzen Wolken auf, in dem einzelne Blitze zucken. Er dreht sich in einer rasenden Geschwindigkeit und bildet schließlich einen Tornado, der ganze Häuser wie Streichhölzer in der Mitte auseinanderbricht und wegfegt. Ich bin erleichtert, als ich bemerke, wie sich das Auge des Sturms langsam von den Gebäuden des Klinikums wegzubewegen scheint. In der sich lösenden Anspannung kommt mir plötzlich auch meine grelle Panik zu Bewusstsein.

Nach einem kurzen Schwenk nach links durch die Glastüren, die zur Kinderklinik führen, sehe ich meinen Kollegen M. an einem Patientenmonitor herumhantieren. Er steht etwas weiter weg in einem der rundum verglasten Aufenthaltsbereiche am Ende der C4-Spange und überprüft dort die Netzwerkeinstellungen der Monitore. Ich bin froh, dass er bei uns im Haus arbeitet, da er der einzige ist, der das eben zusammengebrochene Netzwerk wieder instandsetzen kann. Ich bin ihm geistig so nahe, dass es mir irgendwie gelingt, mittels Gedankenübertragung Kontakt zu ihm aufzunehmen. Aber er scheint nur am Rande von mir Notiz zu nehmen, und als ich ihn nach seiner Funknummer frage, antwortet er gedehnt: “Ich habe den 0050-er.” Er ist auf das Problem mit dem Netzwerk fokussiert, während ich voller Unruhe auf seine Person fokussiert bin und an seinen Lippen hänge. Er allein kann momentan noch die Krise abwenden.

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QM im Unternehmen – Anspruch und Wirklichkeit

Sonntag, 31. Januar 2010 18:50

Betrachtet man das Qualitätsmanagement nicht in herkömmlichen Schemata, sondern als unerlässliches Hilfsmittel zur Weiterentwicklung eines Unternehmens, so muss doch vieles stutzig machen, was unter dieser Flagge sich anschickt, den betrieblichen Alltag in die Mangel zu nehmen. Schon allein die Fülle der Normen stellt das Ziel sozusagen vollkommen auf den Kopf, und was zurückbleibt, ist eine Dokumentationswüste, die weder das Produkt noch das Unternehmen noch zuallerletzt die Arbeit selbst verbessert. Womit haben wir es also zu tun? Mit einer Spielwiese für ansonsten bankrotte Consulting-Firmen? Einem tayloristischen Wolf im Schafspelz der soften Qualität?

Es sollte doch um Qualität gehen, denkt sich Lieschen Müller und beginnt eifrig, den Begriff der Qualität zu definieren. Und während der Begriff immer weiter und immer größer wird, bis er zuletzt alles, was sich im Unternehmen abspielt, zu verschlingen droht, zieht der Manager irgendwann aus Kostengründen die Reißleine: “So nicht! Bringen Sie mir etwas, das praktikabel ist.” Und im Spagat zwischen Kundenanforderungen, Produktrealisation und Kundenzufriedenheit bleibt das auf der Strecke, was der Prozess eigentlich hervorbringen sollte – nämlich Qualität. Eigentlich ist es ja ganz einfach: Wertschöpfung nimmt seinen Anfang dort, wo der Mitarbeiter seine Arbeit als wertvoll erlebt. Den Rest sollen dafür ausgebildete Spezialisten erledigen.

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Ceres

Sonntag, 17. Januar 2010 0:41

Wie sahst du, Königin,
den Pluto, stillen Herrscher,
im Saume deines
bitterherben Kleids?
Seidentödliches Gespinst,
umflatterten dich die
Nachtfalter des Wahns?
Lös du den Bann und gib
dem Schicksalsflüchtling
Lethe zu trinken aus
dem Ratschluss der Götter.
Denn nur aus Mitleid
blickte er zurück auf
die zerschmetterte Ebene.

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Traumsplitter

Sonntag, 3. Januar 2010 15:25

Ein Arbeitskollege hat mich zu sich nach Hause eingeladen. Stolz führt er mich durch ein Labyrinth aus hohen, freskenbemalten Kreuzgängen, in denen ein reges Treiben herrscht. Ich gehe neben ihm her, höre seinen Bemerkungen zu und wundere mich über die vielen Menschen, die sich in dieser weitläufigen Klosteranlage aufhalten. Schließlich gelangen wir zu einer abgetrennten Zimmerflucht, die mein Arbeitskollege und seine alte, kranke Mutter gemeinsam bewohnen. Offensichtlich soll ich länger hier bleiben, denn er will mir eines der Zimmer überlassen. Er öffnet das Fenster und zeigt nach draußen: “Ist das nicht einer herrliche Aussicht?” Wir befinden uns direkt über dem Hinterhof, in dem ein altes Motorrad steht, und im Hintergrund sind mehrere Hügel und eine größere Stadt zu erahnen. Die Wohnung selbst steht jedoch kurz vor dem kompletten Verfall – der Lack blättert an den Türen und den Fenstern ab, und die dicken Mauern sind mit klammer Feuchtigkeit vollgesogen. Auch der Dielenboden ist staubig und verschmutzt, und von außen dringt wenig Licht in die Räume. Ich kann mir kaum vorstellen, wie man sich hier wohlfühlen soll.

Ich stehe auf einem Flur vor einer Batterie von nebeneinander angeordneten, völlig gleichförmigen Räumen, die jeweils über drei abwärts führende Stufen zu erreichen sind. Die Luft ist extrem stickig. Befinde ich mich hier etwa in einer Kaserne oder einem Gefängnis? Mehrere Mitbewohner teilen sich diese etwa zehn Räume, die rückwärtig durch ein geheimes Tunnelsystem miteinander verbunden sind. Diese Tunnel haben wir selbst gegraben und dienen dem Austausch von Informationen und der Vorbereitung unserer Flucht. Selbstverständlich müssen sie vor dem Wachpersonal geheim gehalten werden. Der Zugang zum Tunnelsystem erfolgt durch ein kleines Stück der Zimmerwand, das eingedrückt werden muss. Als ich gerade den Tunnel betreten will, um etwas frische Luft zu schnappen, klopft es an der Tür. Nach einem kurzen Blickwechsel mit meinem Zimmerkollegen schließe ich den Zugang zum Tunnel wieder. Die Zimmerwand ist nun wieder vollkommen glatt und weiß. Die Tür öffnet sich, und ein etwas beleibter, blonder Wächter betritt das Zimmer. Er ist erstaunt, uns hier anzutreffen und will lediglich das Zimmer inspizieren. Ich klopfe ihm jovial auf die Schulter und drücke ihm spontan eine Tasse in die Hand, die mit Wachs oder einer anderen festen Flüssigkeit gefüllt ist. Dabei schwärme ich ihm von Muster auf der Tasse vor. Er scheint ganz gerührt von meinem Geschenk zu sein: seine Wangen glühen, und seine Augen glänzen. Immer wieder dreht er die Tasse in seinen Händen und betrachtet sie aus allen möglichen Richtungen. Mein Versuch, ihn von unserem Treiben abzulenken, ist fürs Erste geglückt.

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Rutschig…

Donnerstag, 31. Dezember 2009 16:33

Feuerwerk

Rutschig soll es ja heute abend insgesamt werden. Aber ich hoffe, ihr kommt alle gut in 2010 an und feiert den Jahreswechsel gebührlich. Drüben wünsche ich euch dann eine ganz tolle Zeit, 12 Monate lang!

Bildrechte: © gnubier / PIXELIO

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Wichtelio 2009 – die Auflösung

Freitag, 25. Dezember 2009 19:51

Lange habe ich ja herumgeraten und hatte mal die eine Blogwichteline, mal den anderen Blogwichtel in Verdacht. Wie mir nun Frau Bhuti, die geschätzte Organisatorin des Blogwichtelns 2009, diese Woche verraten hat, gab es ausnahmsweise zwei Teilnehmer, die sich gegenseitig bewichteln durften: und zwar mich und – Frau Lorelei. Hier der Link zum Beitrag von Frau Lorelei auf meinem Blog: Wichtelio 2009, und hier zu meinem Beitrag auf dem Blog von Frau Lorelei: You´ve got to hide your love away. Ganz großes Kino. Ich werde nächstes Jahr auf alle Fälle wieder mit von der Partie sein (und es vielleicht meinem Blogwichtel ein wenig einfacher machen).

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Weihnachtsgruß 2009

Donnerstag, 24. Dezember 2009 21:01

Ich wünsche euch allen da draußen frohe, besinnliche, erholsame und liebevolle Feiertage.

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Wichtelio 2009

Dienstag, 15. Dezember 2009 0:01

Den Wilden Kaiser soll ich mit einem Blogbeitrag bewichteln – uff, gar nicht so einfach! Schließlich ist seines kein leicht verdauliches Blog mit Katzenbildern hier, dem einen oder anderen Anekdötchen aus dem Alltag da, und vielleicht noch ein paar Kochrezepten. Das wäre auch viel zu simpel! Nein, hier beim Wilden Kaiser gibt es gewichtige Geschichten, wilde Träume und auch mal Worte großer Dichter. Und das wär‘s doch: ein großer Dichter muss her!
Einer meiner Lieblingsautoren ist seit jeher – oder zumindest seit ich als Kind seine Klassiker und später auch seine „Erwachsenen“-Werke verschlungen habe – Erich Kästner. Von Emil und den Detektiven über die drei Männer im Schnee bis hin zu seinen Gedichten hat mich bisher alles, was er schrieb, fasziniert, zum Lachen und auch zum Nachdenken gebracht. Auch zum Thema Weihnachten hatte Kästner etwas zu sagen; zufällig haben wir gerade Dezember und bald Weihnachten (Huch, schon? Das das aber auch jedes Jahr wieder, und immer so plötzlich …), und da möchte ich gern folgendes, sozialkritisches Gedicht aus dem Jahr 1928 mit dem Wilden Kaiser und seinen Lesern teilen. Ich hoffe, es gefällt; ihr dürft auch gern alle laut mitsingen, zur Melodie von „Morgen, Kinder, wird‘s was geben“:

Weihnachtslied, chemisch gereinigt (Erich Kästner, 1928)

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte Euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht so weit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bißchen durch die Straßen!
Dort gibt’s Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch!

Tannengrün mit Osrambirnen -
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stille Nacht und heil’ge Nacht -
weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte recht so weit …
Ach, du liebe Weihnachtszeit!

Dieser Beitrag wurde mir im Rahmen der von Frau Bhuti organisierten Blogwichtelaktion 2009 zugelost. Stimmt, ich habe es meinem Wichtel nicht gerade leicht gemacht. Aber dass dann gleich Erich Kästner herhalten muss, hätte ich nicht gedacht, noch dazu, weil ich Erich Kästner als Autor sehr schätze. In diesem Sinne: ein doppeltes, nein dreifaches Dankeschön an den unbekannten Blogwichtel!

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Bilder des Tages

Sonntag, 22. November 2009 21:41

Blätter im ParkBlauer Nachmittag

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Der treue Prinz

Dienstag, 10. November 2009 23:15

Vor langer Zeit lebte in einem fernen Land ein Prinz, dem hatte sein Vater auf dem Sterbebett auferlegt, eine Frau zu ehelichen, bevor er ihm auf dem Thron nachfolgen könne. Nach vielen Reisen landauf, landab verzweifelte der Prinz beinahe an seinem Vorhaben, eine Frau zu finden, die an seiner Seite als Königin leben sollte, und wollte schon auf den Thron verzichten, als er eines Abends aus einem Hinterhof den melodischen Gesang einer weiblichen Stimme vernahm, der ihm das Herz brach. Er beobachtete die Frau, eine einfache Wäscherin, bei ihrer täglichen Arbeit und nahm schließlich allen Mut zusammen, um sie anzusprechen. “Gut”, sagte sie, “du hast also Interesse an mir, und das Schicksal hat uns in diesem Moment zusammengeführt. Wenn du bei mir bleiben willst, muss ich dir vertrauen können. Also hilf mir und lerne, mir zur Hand zu gehen.” Und er half ihr bei ihren Tätigkeiten, so gut es eben ging, und verbrachte immer mehr Zeit in ihrem Haus, bis er schließlich jede Nacht auf dem Boden vor ihrem Bett schlief, ihren Gesängen lauschte und das Prinzensein und den Auftrag seines Vaters völlig vergessen zu haben schien. Sie aber sagte zu ihm: “Nun, jetzt bist du glücklich; aber was wird sein, wenn du eines Abends voller Vorfreude von der Versammlung der Ratsherrn weg zu mir schleichst und vor verschlossener Türe stehst oder ich nicht mehr für dich da sein kann? Wirst du mich nicht einfach vergessen und dir eine andere zur Frau nehmen? Glaubst du wirklich, dass du mir ewig treu sein kannst?” Was sie sagte, betrübte ihn zutiefst; aber er dachte bei sich: “Wenn du so wettest, wette ich dagegen.”

Eines Abends betrat er die Stiege zu ihrer Kammer und fand die Türe plötzlich verschlossen vor; auf sein ungeduldiges Pochen antwortete niemand. Er setzte sich auf die oberste Treppenstufe, um auf sie zu warten. Am nächsten Tag sah er sie von der Ferne und folgte ihr bis zu ihrem Haus; sie jedoch ließ sich von ihrem Hausmütterchen verleugnen und öffnete ihm nicht die Tür. Das machte den Prinzen krank und traurig, und er schlich wie ein Wolf durch die dunklen Gassen seiner Stadt, um für seine aufgewühlte Seele Ruhe zu finden. Und als er am dritten Tag bei ihr erschien, war sie verschwunden. Die Kammer stand offen, aber ihre Schränke waren leer und kündeten von Momenten des Zusammenseins, die nur in seiner Erinnerung existierten. Er schickte heimlich Boten in alle Ecken seines Reichs, um sie zu finden. Die Boten kehrten jedoch immer ohne irgendein Lebenszeichen von ihr zurück. Der Prinz fing an zu glauben, dass sie tot sei, und er prüfte leise den vorbeistreichenden Wind, ob er ihm nicht einen Ton von ihrer wundersamen Stimme brächte. Währenddessen versammelten sich die Räte des Reiches, um über das merkwürdige Verhalten des Prinzen zu beratschlagen. Sie beschlossen, ihn mit den edelsten Damen zusammenzubringen, in der Hoffnung, eine von ihnen möge sein lahmendes Herz entzünden. Er redete höflich mit ihnen, aber sobald sie ihn am Arm berührten, stand er auf und ging davon, um sich in seine Gemächer einzuschließen.

Das ging nicht lange gut, denn fremde Mächte hatten ein Auge auf das Reich geworfen, das ohne König schutzlos seinen Feinden ausgeliefert war. Die Ritter hatten zwar der Krone die Treue geschworen, aber da sie niemand trug, verfolgten sie ihre eigenen Interessen und riskierten die Spaltung des Reichs. Es kam, wie es kommen musste – eine feindliche Armee überrannte die Grenzen des Reichs, plünderte, mordete und führte viele seiner Untertanen in die Gefangenschaft. Der Prinz wurde in ein dunkles Verlies geworfen und erhielt nur einen Krumen Brot und einen Krug voll Wasser am Tag, gerade genug, um am Leben zu bleiben. Aber er war alt und gebrechlich geworden, und die feuchten Mauern setzten seiner Gesundheit zu. Als er seine letzte Stunde nahen fühlte, legte er sich auf sein Lager aus Stroh, und wie ein Traumgesicht sah er ihr Antlitz vor sich schweben. “Siehst du,” krächzte er mit heiserer Stimme und weit aufgerissenen Augen, “ich habe die Wette schließlich doch gewonnen.” “Nein”, sagte sie, “du hast sie natürlich verloren.” Und mit einem zarten Kuss versiegelte sie auf immer seine Lippen.

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