Grenzerfahrungen

Ich bin mit meinen ehemaligen Schulkameraden in einem Schulbus unterwegs. Als der Bus einen Berg hinauffährt und zu stottern beginnt, steige ich aus und versuche, mit einem Seil den Bus weiterzuziehen. Ich fordere die anderen barsch auf, ebenfalls auszusteigen und mir zu helfen, aber sie lassen sich davon nicht beeindrucken und feuern mich von ihren Sitzen aus an. Der stotternde Motor fängt sich wieder und der Bus fährt davon, ohne anzuhalten. Ich sehe nur noch die Rücklichter, während sich der Bus in einen LKW verwandelt, den meine Mutter steuert. Ich gehe davon aus, dass sie an der nächsten Kurve anhält, um mich wieder einsteigen zu lassen. Aber sie hat mich anscheinend vergessen, und ich bin völlig alleine im Wald. Da ich noch vor der Dunkelheit über die deutsche Grenze gelangen will, beeile ich mich und passiere dabei ein riesiges blaues Verkehrsschild, das mir den nahen Grenzübergang anzeigt. Ich gelange zur Grenzstation, die völlig verlassen in einer Senke liegt, und fühle dabei das Brennen meines trockenen Rachens. Ich habe Durst. Kurz nach der Grenze entdecke ich eine Gaststätte und einen LKW-Parkplatz. In der Hoffnung, hier meine Mutter wiederzufinden, betrete ich die Gaststätte. Aber ich sehe sie nicht. Glücklicherweise habe ich meine Geldbörse einstecken, in der sich ein paar Scheine befinden. Das reicht zwar nicht für eine Rückreise mit dem Zug, aber vielleicht könnte ich jemanden finden, der mich gegen einen geringen Geldbetrag nach Hause bringt. Ich entscheide mich schließlich dafür, mein Glück beim Trampen zu versuchen. Dazu male ich auf eine Zeitung die Buchstaben der Kreisstadt, in deren Nähe ich lebe, aber ich bin nicht zufrieden damit und kritzele mehrere Seiten mit überflüssigen Erklärungen voll, bis ich die richtige Formulierung gefunden habe. Danach gehe ich eine Straße entlang und strecke die Zeitung allen vorbeifahrenden Autofahrern entgegen. Ich bemerke an einer Straßenecke, dass ich die Bundesstraße verpasst habe und nun etwas weiter laufen muss, um wieder zur Ausfallstraße zu kommen. Irgendwann befinde ich mich in einem kleineren Ort, in dem gerade der Frühling angekommen zu sein scheint – die Sonne scheint, und alles blüht. Ich weiß, dass ich in einem Wallfahrtsort sein muss, und suche eine kleine Kapelle auf, die auf einem großen Bauernhof steht. Im Garten hinter der Kapelle wird gerade ein Gottesdienst abgehalten. Ich setze mich auf eine Bank und sehe Maria, die Mesnerin unseres Dorfes, die mir geheimnisvoll zuzwinkert. Es wird das Fest eines obskuren Heiligen gefeiert, und am Ende des Gottesdienstes muss jeder einen „Bosinusstein“, einen schwarzen Lavastein, nehmen, um ihn im Taufbecken neben der Kapelle zu versenken. Ich nehme mir vor, Maria am Ende des Gottesdienstes zu fragen, ob ich mit ihr nach Hause fahren könnte.

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