Theaterbesuch

Da mir von irgendjemandem Karten geschenkt wurden, besuche ich zusammen mit der mir gut bekannten J., die ich schon seit mehreren Jahre nicht mehr gesehen habe, eine Vorstellung. Ich bin im Traum nur etwas verwundert darüber, dass ich gerade mit dieser Frau in das Theater gehe; denn vor mehreren Jahren hatten wir zwar eine kurze Affäre, die aufgrund ihrer Ehe und meinem wachsenden Desinteresse abrupt endete, aber ansonsten verbindet uns sehr wenig miteinander. Die Kasse ist in einem größeren Raum untergebracht, in dem zwei Tische stehen und in dem auch die Garderobe abgegeben werden kann. Dort sitzt ein ehemaliger Arbeitskollege, der auch schon vor Jahren gekündigt hat. Mit ihm beginne ich ein Gespräch über meine Arbeit. Ich spüre, dass es mir geradezu ein Bedürfnis ist, mit ihm zu sprechen. Deshalb sage ich meiner Begleitung, sie solle mittlerweile vorangehen, und lasse mich in meiner Unterhaltung auch dadurch nicht stören, dass die Vorstellung sehr bald beginnen wird. Nachdem ich meinem ehemaligen Arbeitskollegen ausführlichst geschildert habe, welche externen Dienststellen meine Abteilung zusätzlich betreut, sehe ich auf die Uhr und bemerke etwas trocken: „So, und jetzt darf ich mir meinen Anpfiff abholen!“ Ich stürze zum Zuschauerraum, dessen gepolsterte Türe gerade von einer Frau in einer seltsamen rot-weiß-gestreiften Uniform geschlossen wird, und frage atemlos: „Kann ich noch rein?“ Sie wirft mir einen mißbilligenden Blick zu und sagt dann: „Jetzt aber schnell!“ Ich hole meine Karte aus der Tasche, kontrolliere sie kurz und suche meinen Platz mit der Nummer K5. Es dauert zwar etwas, bis ich mich im dunklen Zuschauerraum orientieren kann, doch dann stelle ich fest, dass J. nicht anwesend ist. Der Vorhang wird gerade aufgezogen, und ich husche schnell hinüber zur gegenüberliegenden Gasse neben den roten Zuschauersitzen. Dort treffe ich merkwürdigerweise meine Mutter und meinen jüngeren Bruder. Ich berichte ihnen davon, dass ich offensichtlich meine Begleitung verloren habe. Meine Mutter deutet auf eine blonde, jüngere Frau mit einer Hochsteckfrisur, die mehrere Reihen hinter uns sitzt. „Nein“, sage ich, „das ist sie nicht. Sie ist einfach nicht da.“ Ich habe ein schlechtes Gewissen und kann mir gut vorstellen, dass J. das Theater verärgert wieder verlassen hat.