Hunger

Ich finde mich in einer Art Gaststätte wieder, in der Brötchen und Getränke zum Verkauf angeboten werden. Ich weiß zwar nicht, wie ich hierher gelangt bin, aber ich erinnere mich von fern, dass ich mit einer Gruppe von Freunden unterwegs bin, die den Besitzer der Gaststätte kennen. Auf einem Tisch in der Mitte eines größeren Raums stehen zwei größere Brotkörbe. Mehrere Leute stehen an, um sich ein Brötchen zu nehmen und es anschließend zu bezahlen. Außerdem kommen ständig mit einem Dirndl bekleidete Bedienungen an den Tisch und holen vorbereitete Getränke und Essen ab. Ich will mir ebenfalls ein Brötchen nehmen, aber allmählich bemerke ich, dass Leute, die hinter mir stehen, zuerst abgefertigt werden. Ich schreie daraufhin einen jungen Mann, der Essen austeilt, an: „Ich will auch ein Brötchen!“, aber er bemerkt mich überhaupt nicht. Er redet angeregt mit seinen Kollegen weiter und schaukelt dabei mit seinem Stuhl auf und ab. Schließlich brülle ich: „Ach, leck mich doch am Arsch!“ und werfe ihm eine zusammengeknüllte 5-Euro-Note, die ich in der Hand halte, mitten ins Gesicht. Das führt offenbar zu einem größeren Aufruhr, und meine Freunde haben alle Hände voll zu tun, um mich in Schutz zu nehmen. Eine Freundin führt ein Gespräch mit ihrem Handy und sieht mich dabei an; aber ich werde entlastet, und der Besitzer der Gaststätte hätte schon früher einschreiten müssen. Da aber seine Schwester den Betrieb führt, hat er nichts gegen meine ungerechte Behandlung unternommen. Wutentbrannt gehe ich die Straße ein paar Häuser weiter hinauf und entdecke eine Metzgerei, deren Theken vor Würsten geradezu zu platzen scheinen. Nur das Neonlicht der Kühlvitrinen erhellt das Innere der Metzgerei, an die sich ein vollkommen leerer Gaststättenraum anschließt. Ich werde begrüßt und zu einem freien Tisch geführt, und eine Bedienung bringt mir ein großes Glas sprudelnder Fanta. Ich sehe, wie die Verkäuferinnen, die eine rote Schürze tragen, emsig die Vitrinen putzen. Der Wirt bemüht sich persönlich um mich, und um mein leibliches Wohl brauche ich mir keine Gedanken zu machen. Dann sehe ich mich im wirklich sehr dunklen Raum um. An den vielen Kronleuchtern, die unerleuchtet im Raum über den Tischen hängen, perlt ein stetiges Rinnsal aus dünnen Wasserfäden herab. Als ich den Wirt darauf anspreche, zeigt er an die barocke Stuckdecke, die aussieht, als würde sie unter dem Gewicht des auf ihr lastenden Wassers bald durchbrechen. Jedenfalls bemerke ich einige Risse und einen großen, nassen und dunklen Fleck.

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