Familiäres

Ich fahre mitten in der Nacht auf endlos langen und merkwürdig leeren Straßen mit meinem Vater von einem Fest nach Hause, als mein Vater die Bemerkung fallen läßt, er würde doch gerne meine Freundin näher kennen lernen und sie jetzt besuchen; auf dem Fest habe ich meine Freundin wohl meinen Eltern vorgestellt. Auf meine zögerlichen Einwände, es sei mitten in der Nacht und sie schlafe bestimmt, reagiert mein Vater äußerst beleidigt und meint, ich würde sie ihm vorenthalten. Ich stimme schließlich zu, um ihn nicht weiter zu verärgern. Das Haus meiner Freundin ist groß, geräumig und elegant. Da ich die Schlüssel besitze, öffne ich meinem Vater die Tür. Meine Freundin, die ich als meine Arbeitskollegin R. wiedererkenne, liegt auf ihrem Bett an der den Fenstern gegenüberliegenden Wand nackt unter einem Laken und wirft uns beiden einen verwirrten Blick zu, bevor sie wieder einschläft. Die weißen Seidenschals an den Fenstern bauschen sich leicht im Wind, während mein Vater und ich uns durch die dunklen Gänge zur Küche entlang tasten. Diese ist mit einer dünnen, verschiebbaren Trennwand vom Wohnzimmer abgetrennt. Offensichtlich ist meine Freundin aufgestanden, denn sie erscheint kurz in der hellen Küche und trägt jetzt die Gesichtszüge von D., meiner ersten Freundin; sie freut sich, mich zu sehen, spricht aber kein Wort mit mir. Meine Mutter taucht plötzlich in der Küche auf und beginnt, das schmutzige Geschirr abzuwaschen. Ich will ihr helfen, finde aber kein Geschirrtuch, um das Geschirr abzutrocknen, und finde deswegen die übertriebene Aktivität meiner Mutter reichlich sinnlos. Als könnte sie meine Gedanken lesen, sieht sie mich bedauernd an und zuckt die Achseln. Im Wohnzimmer findet kurz danach eine lautstarke Auseinandersetzung zwischen meiner Freundin und meinem älteren Bruder statt, den ich ebenfalls nicht hier vermutet hätte. Ich hege den Verdacht, dass meine Freundin mich mit meinem älteren Bruder betrogen haben könnte, denn warum sollte er sonst hier sein? Aber im Traum scheint mich das gar nicht weiter zu stören, ja, ich schmunzle sogar bei dieser Vorstellung. Mein Bruder verkraftet diese Tatsache aber anscheinend – im Gegensatz zu mir – überhaupt nicht. Da er sein schlechtes Gewissen mit Lautstärke zu übertönen versucht, wird er beim unvermittelt eskalierenden Streit so laut, dass in der Küche jedes Wort deutlich zu verstehen ist. Die Trennwand ist plötzlich verschwunden, und ich kann die Szene, die sich im Wohnzimmer abspielt, ganz deutlich sehen. Dennoch kann ich nicht zu meinem Bruder gehen und ihn beruhigen. Ich bin wie festgefroren und spüre, dass die Trennwand nur durch eine unsichtbare Glaswand ersetzt wurde. Mein Bruder schreit: „Ich kann nicht mehr! Seit Tagen spüre ich eine zweite Person hinter mir wie einen Schatten!“ und reißt mit einer blitzschnellen Bewegung eine bläulich glänzende Pistole aus seinem Hosenbund, die er auf meine vor ihm knieende Freundin richtet. Ich kann nicht mehr hinsehen und schreie nun selbst, so laut ich kann: „Nein! Nein! Nein!“, bis ich in einer seltsam friedlichen Stimmung aufwache.

Verschlungene Wege

Auf der Freitreppe vor dem Eingang zum wirtschaftswissenschaftlichen Trakt treffe ich unseren weißhaarigen Abteilungsleiter mit seinem typischen gelblich verfärbten weißen Schnauzbart, der außer sich vor Freude ist, mich zu sehen. Er begrüßt mich so überschwänglich, dass ihm sein Zigarillo aus dem Mund fällt: „Hallo Herr T.! Schön, dass ich sie sehe!“ Ich hebe es spontan auf und gebe sie ihm zurück, da ich ihn mir ohne Zigarillo kaum vorstellen kann. Er schüttelt mir voller Begeisterung die Hand. Seine Freude verblüfft mich zwar, ist mir aber auch sehr suspekt, so dass ich immer mißtrauischer werde. Nachdem ich mich von ihm verabschiedet habe, folge ich der abwärtsführenden Treppe in ein extrem niedriges Kellergeschoß, das ich in gebückter Haltung durchquere. Kurz darauf sitze ich zusammen mit einigen Kollegen in der letzten, dunklen Reihe eines Hörsaals. Der Dozent nennt immer wieder meinen Namen, und ich spüre die Mischung aus Bewunderung, Stolz und Neid, die mir meine neben mir sitzenden Kollegen entgegenbringen. Ich bin äußerst vergnügt und folge der Vorlesung nur bruchstückhaft. Nach der Vorlesung gehe ich eine Straße entlang und werde von einem ehemaligen Kollegen angesprochen, der eine geheime Radiostation in einem Kleintransporter betreibt. Er setzt mir einen Kopfhörer mit Mikrofon auf, der mich einengt und mir Kopfschmerzen verursacht, und spielt an den Reglern eines uralten Funkgeräts herum. Es dauert einige Zeit, bis ich begreife, was er mit dem Funkgerät und seinem Piratensender beabsichtigt. Rauschverzerrt höre ich die Stimme einer Schwester aus dem Klinikum, die uns beide um einen rechtlichen Ratschlag bittet. Ich finde es sehr anstrengend, meinem ehemaligen Kollegen zu folgen, der mir ununterbrochen etwas erklärt, und gleichzeitig kaum verständliche Brocken der Stimmen aufzufangen, die durch den Äther rauschen, und sie zu sinnvollen Sätzen zusammenzufügen. Schließlich reiße ich mir den Kopfhörer vom Kopf und verlasse meinen ehemaligen Kollegen wieder. Kurze Zeit später stehe ich vor dem weißen Bedienpanel eines Dialysegerätes und drücke aus Spaß auf einen Knopf. Im grün leuchtenden Display leuchtet daraufhin eine merkwürdige Zeichenfolge aus Schrägstrichen auf, die auf einen Fehler hindeutet. Mein Kollege, der gleichzeitig der Techniker ist, der das Gerät betreut, meint daraufhin zu mir: „Wenn du es jetzt verstellt hast, darfst du dich heute nachmittag hinsetzen und die Bedienungsanleitung lesen!“ Im Traum erscheint mir das gar nicht so schlimm.