Herr K. und der reiche Herr

Herr K. wohnte in Untermiete bei einem reichen Herrn, der sich, wie er selber behauptete, ihm gegenüber immer äußerst großzügig verhalten habe, und zwar nur aus reiner Sympathie heraus und nicht etwa deswegen, weil er auf seine kümmerliche Mietzahlung angewiesen sei. Er hatte nur eine seltsame Angewohnheit, die K. zunächst gleichmütig aufzunehmen verstand, ihn aber allmählich immer mehr in rasende Wut versetzte: der Herr lief mehrere Male am Tag an seinem Fenster vorüber, hielt dann kurz an, betrachtete durch das Fenster hindurch K. wie ein interessantes Tier, das er in einem Käfig hielt, bestaunte die Einrichtung und schnitt dazu Grimassen, als missfalle ihm alles, was er zu Gesicht bekäme, und ging dann mit der Andeutung eines Kopfschüttelns weiter. Oder er fuchtelte wild mit den Armen, rief laut den Namen seiner Haushälterin und warf dem wie immer am Schreibtisch sitzenden und untätigen K. im Vorübergehen einen erzürnten Blick zu. Eines Tages ging K. zu ihm hin und bat ihn, dieses Verhalten doch zu
unterlassen; es störe ihn ungemein und er könne sich so in seiner Wohnung nicht unbeobachtet fühlen. Der reiche Herr beachtete ihn anfangs kaum, er seufzte nur ab und zu und blickte in eine imginäre Ferne, als stünde er einem unverständigen Kind gegenüber, packte ihn aber dann mit einer blitzschnellen Bewegung so fest am Arm, dass K. beinahe vor Schmerz aufgeschrien hätte, und sah ihm beschwörend in die Augen: „Aber Herr K.! Sie haben doch nichts zu verbergen, oder?“

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