Vertrauen

Eine der Fragen, die ich im Rahmen dieser Nachbefragung zur bereits 2005 durchgeführten Umfrage „Wie ich blogge?“ beantwortete, lautete sinngemäß: „Würde dir einer deiner Blogfreunde spontan 250 Euro leihen, wenn du sie/ihn darum bittest?“ Abgesehen davon, dass es sich um eine relativ persönliche Frage handelt, kam ich doch ein wenig ins Grübeln. Ich habe sie damals mit „Nein“ beantwortet. Dass diese Skepsis manchmal völlig unbegründet ist, erfuhr ich im dritten Semester meines Studiums. Damals bewohnte ich ein winziges Dachzimmer mit Nachtspeicherofen, und da ich diesen Ofen auch während des Tages laufen ließ, präsentierten mir meine Vermieter eines Tages eine Stromrechnung über mehrere hundert Mark, die ich innerhalb von zwei Wochen bezahlen sollte. Meine Vermieter waren ein älteres Ehepaar, das angesichts der in ihren Augen horrenden Summe völlig niedergeschmettert war. Ich war selbst völlig verzweifelt und fragte eine Kommilitonin, die ich kaum kannte, ob sie mir das Geld leihen würde. Zu meiner Überraschung war sie bereit, mir aus der Patsche zu helfen. Am nächsten Tag besuchten wir die Bank, und sie drückte mir das Geld in die Hand, das sie für ihren Urlaub angespart hatte. „Ich weiß ganz genau, dass ich es von dir wiederbekomme.“ Und so war es auch. Es folgten viele Abende, die wir gemeinsam in meinem Zimmer verbrachten. Wir saßen auf dem warmen Ofen, hörten Musik und rauchten Zigaretten.

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