Erinnerungen

Vieles ereignete sich während dieser Januartage, tief eingeschneit vor dem atemberaubenden Panorama der Alpen, zwischen Musikinstrumenten, fiebriger Freude, der hoch aufgetürmten Bettwäsche. Wir lachten, wir tanzten, wir musizierten und lebten gleichzeitig einen Traum, den wir tief inhalierten, um ihn nie zu vergessen (wie wenig war er schon wert, als wir uns zum Abschied küßten und in die Arme nahmen). Ich sah dich an und war verliebt, ohne dass ich wußte, was Verliebtsein eigentlich bedeutete. Ich trug dich ins Bett, als du zu betrunken warst, um noch vom Boden aufzustehen. Mit beinahe brüderlicher Besorgnis deckte ich dich zu und küßte dich auf die Stirn, bevor du endgültig einschliefst. Ich schrieb ein Gedicht für dich. Wir tranken am Abend Baileys und Wein und bestaunten die helle, klare Nacht. Du hattest mich dazu überredet, zusammen mit dir die verrufenste Disco in unserem kleinen Städtchen zu besuchen. An diesen Besuch erinnere ich mich überhaupt nicht mehr. Nur noch an die niemals endenden Tage, im Herbst, mit dir. Die Panik, die mich überfiel, wenn wir uns nicht sehen konnten; ich glaubte, dann würde auch die Schönheit unserer Träume zunichte sein, und das fürchtete ich mehr als alles andere. Irgendwann kamst du zu mir nach Hause und schenktest mir eine Kassette mit der Musik, nach der ich schon so lange vergeblich gesucht hatte. Ich öffnete die beigefügte Karte, in der nur ein paar Zeilen standen, und darunter: „Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt“. Ich sah dich an, deine blonden Locken, dein süßes Lächeln, deine glänzenden Augen, und ich glaubte, mein Herz müßte jeden Augenblick zerspringen. Ich erinnere mich an deinen Duft, als ich dich berührte, küßte und in dich eindrang, als wir nebeneinanderlagen und die Kerze herunterbrannte, an die Schatten an der Wand und die Sterne, die wir durch das Dachfenster sehen konnten. Ich glaubte, nur noch eine Handbreit vom Glück entfernt zu sein.

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