Kartenspiel

Ich sitze in einem Seminarraum im Keller, in den nur ein paar Sonnenstrahlen scheinen, als würde die Sonne von einem Baum oder einem großen Gebäude verdeckt. Er erinnert mich an einen Kellerraum in der Grundschule, die ich besucht habe. Es beginnt gerade ein Meeting mit einer ungewöhnlich großen Anzahl an Teilnehmern, die an den in einem Viereck aufgestellten Tischen Platz nehmen und dort ihre Unterlagen vorbereiten. Neben oder hinter mir sitzt eine mir sehr nahestehende Person – ich weiß allerdings nicht, wer es ist, ich spüre nur, dass ihre Anwesenheit großen Einfluss auf mein Verhalten ausübt. Ich will sie durch mein taktisches Verhandlungsgeschick beeindrucken und darf mir deswegen keine Fehler erlauben. Als die Leiterin der Runde das Meeting eröffnet, werden Skatkarten ausgeteilt, die ich mir dicht vor das Gesicht halte und eingehend studiere. Ich besitze sehr viele kleinere Nummernkarten und bin mir sehr unsicher, ob ich ein gutes Blatt in Händen halte und mit den anderen mithalten kann. Als mich die Leiterin fragt, ob ich mitspielen könne, antworte ich mit einem genuschelten „Noja“, kann aber zwei Karten abwerfen. Das scheint zu genügen. Als sich das Spiel dem Ende zuneigt, sehe ich, wie meine Mitspieler Münzen in kleinen Häufchen vor sich aufgetürmt haben, sie selbst aber teilweise nur noch zwei Karten ausspielen können. Ich habe zwar kein Geld, aber durch meine gesammelten Karten sehr gute Chancen, das Spiel zu gewinnen. Meine Laune bessert sich zusehends. Als ich die Karten auf den Tisch lege, handelt es sich plötzlich um kleine braune, violette und gelbe Reclam-Hefte, die mit einstelligen Ziffern nummeriert sind. Mein Tisch ist zum Schluss vollständig damit bedeckt. Schließlich öffne ich meine braune Aktentasche, um sie wieder einzusammeln, und lache im Gespräch mit meinem Nachbarn, der mir eine interessante Geschichte erzählt.

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