Gespräche

In einem sehr weitläufigen Gebäude findet eine große Feier statt. Ich entdecke einige Arbeitskollegen, aber auch Ärzte, Studenten und Offiziere unter den erschienenen Gästen. Das Gebäude ist eine alte, rustikale Scheune, die zu einem Wirtshaus umgebaut wurde. Die Einrichtung ist in warmes, stimmungsvolles Licht getaucht und kommt deswegen um so mehr zur Geltung. Da ich großen Hunger verspüre, laufe ich die Treppe zum ersten Stock hoch, in dem das Buffet aufgebaut ist. Zunächst habe ich Verlangen nach den frischen Weintrauben, die dort appetitlich angerichtet sind. Ich pflücke sie und will sie in eine große Schale legen, die aus einer ausgehöhlten, weintraubenähnlichen Frucht besteht, werde aber ständig angerempelt und gestört. Als die Schale auf den Boden fällt, platzt mir der Kragen, und ich fluche endlos vor mich hin. Einer meiner Arbeitskollegen ruft mir aufgebracht zu: “Was hast du denn?” Da ich die Weintrauben nicht in Ruhe genießen kann, rühre ich mir aus verschiedenen Zutaten eine riesige Schüssel Schokoladenpudding zusammen. Neben mir taucht ein weiterer Arbeitskollege auf, der mir verschiedene Fragen stellt. Ich zögere mit der Antwort, da ich weiß, dass er mich nur aushorchen will. Als er gerufen wird und mich unfreiwillig allein zurückläßt, nutze ich die Gelegenheit und mache mich mit meiner Schüssel auf die Suche nach einem ruhigen Platz, an dem ich keine Gefahr laufe, von meinem neugierigen Arbeitskollegen belästigt zu werden. Ich streife durch die verschiedenen Räume, finde aber keine freie Sitzgelegenheit. Nun stehe ich bereits im gepflasterten Vorraum, in dem einige Bierbänke und -tische aufgestellt wurden. Hier setze ich mich an einen freien Tisch. Einige drehen sich zu mir um und mustern scheinbar meine große Schüssel, aber ich sage nur: “Ich habe Hunger!” Als keine Reaktion erfolgt, wird mir plötzlich bewußt, dass sie mich gar nicht registriert haben. Während des Essens nehmen unbemerkt weitere Personen an meinem Tisch Platz. Plötzlich steht ein kleiner, grauhaariger Mann in Uniform am Kopfende, der sich noch im Gespräch mit einem anderen befindet und ihm zuruft: “Ich bin auch Offizier!” Wie eine Feder schnelle ich hoch, um ihn – fast in Habachtstellung- zu begrüßen, und strecke ihm meine Hand hin. Er lächelt mich an und meint: “Bleiben Sie doch sitzen!” An meinem Tisch stecken wir nun dir Köpfe zusammen. Das Aussehen des Mannes ändert sich schleichend, und plötzlich ist er hochgewachsen und hat seine grauen Haar am Hinterkopf zu Rastalocken geflochten. Im Gespräch vertritt er sehr liberale Ansichten, und als er die Uniformjacke auszieht, trägt er einen grauen, ausgewaschenen Strickpulli mit einem “Atomkraft – Nein danke!”-Button. Er hat blaue, klare und gütige Augen, die von einer großen Brille eingerahmt werden. Wie auf ein Stichwort hin erzählt er uns von seinem Augenleiden, dass er nur von Spezialisten in USA behandeln lassen könne. Bis dahin sei aber keine Gefahr im Verzug, so dass er sich, solange sein Zustand stabil sei, auch bei einem hiesigen Professor in medizinische Obhut begeben könne. Schließlich breche ich zusammen mit einer jungen Frau, die mir bis dahin kaum aufgefallen war und mir gegenüber saß, auf. Ich frage sie auf unserem gemeinsamen Nachhauseweg durch die nächtlichen Gassen nach dem älteren Mann, aber sie antwortet mir nur ausweichend und unbestimmt, dass er ein Geschichtsprofessor für liberale Publizistik sei. Viel wichtiger scheint es ihr zu sein, mir von ihren Problemen mit aufdringlichen Firmenvertretern zu berichten. Beflissen antworte ich ihr: “Also ich mache das so: Wenn mich ein Firmenvertreter nervt, vertraue ich ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit ein Geheimnis an, das in der Firma aber bereits hinlänglich bekannt und nichts Neues mehr ist.” Der ältere Mann hat mich so sehr beeindruckt, dass ich plötzlich den verqueren Einfall habe, in einer nahegelegenen Kapelle für ihn beten zu wollen. Ich habe auch bereits beide Hände gefaltet. Aber statt in eine nahegelegene Kapelle gehen wir beide zusammen auf eine öffentliche Toilette. Dort setzt sich meine Begleiterin in eine Nische unter einem hohen Milchglasfenster. “Ich verstehe nicht, dass die Firmenvertreter zu dir kommen”, sage ich zu ihr. “Du bist doch gar nicht zeichnungsberechtigt.” “Achja, das kommt bestimmt noch.” Langsam begreife ich, dass sie eine Doktorandin ist, die nach ihrer Promotion als Assistentin bei dem Geschichtsprofessor arbeiten wird.

Datum: Sonntag, 25. Februar 2007 12:29
Themengebiet: Träume Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren
Meine Tags:

Kommentar abgeben



*

Anti-spam image