Das Spiel

Ich betrete zusammen mit einem Bekannten, der einem ehemaligen Klassenkameraden ähnelt, das Außengelände der Pinakothek. Ich sehe eine große rechteckige Anlage vor mir, die zunächst größer erscheint und nach und nach auf die Größe eines Fußballfelds zusammenschrumpft. Über das Gelände sind Steinmäler, Stelen und Säulen verteilt, die in ihrer akkuraten Anordnung eher wie Grabsteine auf einem Friedhof wirken. Die Umfassung des Geländes ist eine Mauer aus hellen, würfelförmigen Granitbruchsteinen. Ich sage zu meinem Bekannten: „Das Gelände ist doch hervorragend geeignet für das Spiel, völlig quadratisch, nicht so, wie X. behauptet hat.“ Es ist mir in diesem Moment nicht klar, was X. überhaupt geäußert hat, aber bei dem Spiel handelt es sich um ein Ballspiel, vielleicht Fußball. Im nächsten Augenblick sehen wir das Gelände aus einer anderen Perspektive: direkt vor mir erhebt sich das klassizistische Gebäude der Pinakothek. Neben dem Gebäude ist der Abstand zur Mauer sehr eng und schafft so eine langgezogene, dunkle Flucht. Die Lichtverhältnisse sind ebenso künstlich wie auf einem alten Gemälde, so dass das hell von der Sonne angestrahlte Gebäude der Pinakothek fast in der Luft zu schweben scheint. Für mich ist eine leise Spur der Bedrohung spürbar, die kurz vor dem Umkippen ins Alptraumhafte steht. Später nehmen wir zu zweit an einem Quiz teil, das von einer Buchhandlung veranstaltet und im Fernsehen übertragen wird. Vor der Buchhandlung ist auf der gepflasterten Gasse ein kleiner Stand mit Büchern und einem Projektor aufgebaut. Zwei Buchhändlerinnen bedienen den Projektor und zeigen einen alten Schwarzweißfilm, der sich vor dem Dunkel der Gasse gut sichtbar abhebt. Auf den flackernden Bildern des Stummfilms ist Charlie Chaplin zu erkennen. Während der Projektor weiterläuft, wird uns die Frage gestellt, wo und von wem der Film gedreht wurde. Es stehen vier Antwortmöglichkeiten zur Auswahl, eine davon lautet: „In Südafrika von Deutschland“, und mein Bekannter und ich blicken uns ratlos an. Als im Film Holzkisten gezeigt werden, auf denen in dicken, schwarzen Lettern „Germany“ steht, wissen wir die Antwort. Sie ist richtig, und wir jubeln uns gegenseitig zu. Jetzt gilt es, auch die beiden übrigen Fragen richtig zu beantworten. Mein Begleiter ist plötzlich verschwunden, und ich blättere ein Buch über Charlie Chaplin durch, das auf dem Stapel liegt. Auf der letzten Seite sehe ich eine mit einem blauen Stift angefertigte Zeichnung, die mich völlig verwirrt. Sie soll ein Gesicht im Profil von oben darstellen, aber ich kann es nicht richtig erkennen, so sehr ich mich auch anstrenge. Fast habe ich das Gefühl, zu schielen. Das Bild bewegt sich langsam und aus den Strichen und Linien fügt sich das Gesicht von Chaplin zusammen, der mich aus dem Buch heraus spöttisch anblickt. Erschrocken klappe ich das Buch zu und lege es weg. Ohne Vorwarnung lande ich in der Szenerie eines Horrorfilms, der von zwei entstellten Händen handelt, die in der Dunkelheit leuchten. Ich weiß, dass jeden Augenblick diese Hände erscheinen können, und versuche zu fliehen. Meine Füße sind jedoch so schwer, dass ich kaum von der Stelle komme.

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