Beiträge vom 10. März 2007

Global playing

Samstag, 10. März 2007 22:03

Der Chaostheorie zufolge löst der Flügelschlag eines Schmetterlings in Argentinien in China einen Taifun aus. Was ist, wenn, wie es im Sprichwort heißt, in Peking ein rostiges Rad umfällt? Verändert sich dadurch die globale Lage? Ich glaube schon.

Früher war es wirklich schön. Wir segelten in eine unbekannte Welt hinaus und gründeten Kolonien. Wieder zuhause ließen wir uns gemütlich vor dem Kaminfeuer nieder, wenn nicht gerade Krieg war, und träumten beim Genuss exotischer Mitbringsel vom edlen Wilden.

Der erste, dem auffiel, dass das eine trügerische Ruhe war, war Goethe. „Amerika, du hast es besser“, seufzte der alte Geheimrat, der Uneinigkeit Europas überdrüssig. Damit hatte er die wirtschaftliche Dynamik Chinas unterschätzt, wie Analysten heute sagen würden. Aber er besaß auch noch keine Aktien von China Online, wie mein Arbeitskollege (danke für den Tipp, übrigens). Er kannte auch die soziale Errungenschaft der 38,5-Stunden-Woche noch nicht. Denn sonst hätte er geschrieben: „China, du hast es besser.“ weiterlesen

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Holzkaffee

Samstag, 10. März 2007 11:55

Dieses Stöckchen habe ich mir bei Frau Schaaf geklaut.

1. Deine erste Tasse Kaffee trinkst du wann?
Direkt nach dem Aufstehen.

2. Wieviele Tassen trinkst du täglich?
Das ist je nach Müdigkeitsgrad unterschiedlich. Zwei Tassen sind das absolute Minimum. An “guten” (d.h. “Zombie-”) Tagen können es aber auch schnell sechs oder sieben werden.

3. Koffeinfrei oder Bohnenkaffee?
Hahahaha. Der war gut. Nein, ich habe noch alle Zähne, und am Herzen fehlt mir auch nichts.

4. Zucker, Milch oder Sahne?
Zucker und Milch, beides reichlich.

5. Deine bevorzugte Zubereitungsart?
Kräftiger Espresso, zarter Milchschaum.

6. Mit wem genießt du deinen Kaffee am liebsten?
Der gehört mir! Finger WEG!

7. Deine Lieblingsmarke?
Lavazza in allen Farben, Formen und Kompositionen. Ausnahmsweise auch Douwe Egberts.

8. Wo trinkst du deinen Kaffee vorzugsweise?
Ob zuhause, auf Reisen oder im Büro – Hauptsache, der Koffeinpegel ist richtig eingestellt.

9. Wie sieht deine Lieblingstasse aus?
Ein großer Henkelbecher aus transparentem Milchglas.

10. Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato?
Ähm, bringen Sie mir mal zwei Stunden Cappuccino.

11. Bevorzugte Tätigkeit beim Kaffeetrinken?
Genuss- und geräuschvoll schlürfen.

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Heimweh, Fernweh

Samstag, 10. März 2007 1:54

SäuleGestern war der Tag der Nostalgiker: Frau Testsiegerin berichtet über ihre Lesung im Weinviertel, während Frau Svashtara von Belgrad träumt. Und ich machte mich heute auf, um ein Stück donauabwärts in Richtung Gäuboden zu fahren, obwohl ich gestern noch Zweifel hatte, ob das gut gehen könne. Nein, die Erinnerung schwieg nicht, nicht am scheußlichen Adlerrondell aus der Zeit des Nationalsozialismus und nicht beim Schrei der Raben, die ihre Nester anflogen. Zu oft hat mich ihr Krächzen in einen unruhigen Schlaf begleitet, als dass ich sie hätte vergessen können. Zu oft stand ich neben dem Sockel der Adlerskulptur und rauchte eine Zigarette, als dass ich diesen mit leiser Wehmut gewürzten Geschmack nun nicht mehr würde schmecken können. So stiegen in mir unwillkürlich die Tränen hoch, als ich am Herzogsschloss stand und die silbrig schimmernden Wirbel des Flusses betrachtete. Einmal ging ich noch den alten Weg zur Schule und roch die nassen Moose an den Mauern, einmal noch stand ich in der Turnhalle mit ihren überheizten Katakomben, einmal noch schlenderte ich die weißen, lichtdurchfluteten Gänge des Krankenhauses entlang, in dem ich meinen Zivildienst abgeleistet hatte. Jeden Sonntagabend brach während meiner Zeit im Internat ich mit schwerem Herzen auf, um im Exil der Stadt unterzutauchen. So nährte ich jahrelang die Hoffnung auf jenen dritten, neutralen Punkt, von dem aus sich meine Geschicke und diese Verflechtung der gegenseitigen Abhängigkeiten ordnen ließen. Auch Jahre danach konnte ich mich nur schwer von diesem Heimweh, das ein Fernweh war, lösen. Es blieb immer lebendig – wie jener Ton, der wie eine kleine, glänzende Kugel aus den Saiten des verstimmten Flügels stieg, an die Stuckdecke des alten Refektoriums schwebte und nur die johlenden Kameraden als Publikum hatte, die vor den Fenstern Fußball spielten.

Thema: Zeitlinien | Kommentare (0)
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