Beiträge vom 18. März 2007

Weltuntergang

Sonntag, 18. März 2007 22:49

Ein Geist oder ein engelähnliches Wesen erscheint mir und teilt mir mit, dass in einer Stunde die Welt untergehen werde: “In einer Stunde ist alles vorbei! Achte auf die Zeichen!” Ich laufe verzweifelt durch die Gassen meiner Heimatstadt und blicke sorgenvoll zum Himmel, aber ich sehe nur einen etwas bewölkten Sommerhimmel, den ich aber wie durch einen Filter etwas rötlich wahrnehme. Aber es sind keine Strudel oder sonstige beunruhigende Phänomene zu sehen. Ich bin höchst aufgewühlt, aber mein Verstand sieht derzeit keinen Anlass zur Besorgnis. Sogar das Haus meiner Eltern steht noch. Nachdem ich es betreten habe, bemerke ich jedoch langsam, dass das Haus unheimlich still und leer ist, und auch die Räume sind wieder von einem rötlichen Schein erhellt. In heller Panik beginne ich zu schreien und renne verstört wieder zurück auf die Straße. Später sitze ich zusammen mit E. anfangs im Zeichensaal meiner Schule, aber in diese Szene schiebt sich die Kulisse eines Wohnzimmers mit schweren Vorhängen und Ledersesseln. Es gehört meiner ehemaligen Kunstlehrerin, der ich vorschlage, eine Ausstellung mit meinen Zeichnungen zu organisieren. Zu meiner Überraschung findet sie diese Idee nicht völlig abwegig. “Ja, besser jetzt; wer weiß, was du in 10 Jahren noch schaffst.” Sie befürchtet wohl, dass in 10 Jahren meine kreative Energie erlischt, und will mich daher sofort einem Kunstpublikum vorstellen. Mir ist aber auch bewußt, dass ich mit zwei oder drei wirklich guten Zeichnungen keine Ausstellung bestreiten kann und noch eine Menge Arbeit auf mich wartet.

Thema: Träume | Kommentare (0)
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“Es ist zu Ende!”

Sonntag, 18. März 2007 22:09

Heute stieß ich im Internet auf den Artikel eines jüdischen Journalisten, der in einer kleinen Stadt in Niederbayern alte Gefängniszellen der SS unter einer neu erbauten Berufsschule entdeckte. Auf dem Gelände des heutigen Industriegebiets der Stadt befand sich ein geheimer Testflughafen der Messerschmitt-Werke, auf dem während des Krieges jüdische Häftlinge als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Im Ort traf er überall auf eine Mauer des Schweigens, der Vertuschung und des Vergessens. Als er der Lehrerin, die ihn in die Katakomben der Schule führte, vorschlug, doch die Geschichte dieser Räume zu dokumentieren und diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, erwiderte sie scharf: “Es ist zu Ende!”, wobei sie den Kopf schüttelte. Und wenig später: “Ja, wir sind alle Söhne und Töchter von Nationalsozialisten, aber wir brauchen einen Neuanfang. Die Bürger der Stadt wissen nicht, was hier passiert ist. Die Ereignisse sind wie ein Schatten. Aber jetzt ist es endgültig vorbei.” Die Lehrerin war – meine Mutter. Im Übrigen sind die Kellerräume, wie der Journalist bemerkt, erstaunlich gut erhalten und in einem weit besseren Zustand als viele andere historische Gedächtnisstätten des NS-Terrors. Auf einem der Bilder steht an der Wand der Gefängniszelle in Frakturschrift “Gut Holz”. Das waren die letzten Worte, die die Häftlinge lasen, bevor sie in dieser Zelle hingerichtet wurden.

Thema: Mediales | Kommentare (4)
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