Isolation

Es gibt keine Familie, die ich an den Osterfeiertagen besuchen könnte. Es gibt auch keine Freunde, die mich zu gemeinsamen Unternehmungen einladen würden. Das Thema Partnerschaft will ich hier gar nicht anschneiden – natürlich, es fehlt etwas, aber nur von außen betrachtet. Denn mein Wunsch nach einer Beziehung ist erloschen und erscheint mir außerdem unrealistisch (nein, nicht wegen der Ansprüche, die ich an andere, sondern wegen der Ansprüche, die ich an mich selbst stelle). Es blieb mir heute nur das Abfahren einer langen Strecke, die außer Leere und körperlicher Müdigkeit keine anderen Eindrücke bei mir hinterließ. Ich bin verzweifelt, verkrampft, verbissen und kann keine Spur von spielerischer Kreativität mehr an mir entdecken. Manchmal frage ich mich, ob ich mein Leben nicht verpfuscht habe und ob es richtig war, so viele Brücken hinter mir verbrennen. Aber immer, wenn ich vor der Alternative stehe, mir durch meine Zustimmung den Fortbestand einer wie auch immer gearteten Beziehung zu erkaufen oder doch unabhängig zu bleiben und meiner inneren Wahrheit die Treue zu halten, auch wenn das den offenen Bruch bedeutet, entscheide ich mich für die letzte Möglichkeit.

5 Gedanken zu „Isolation

  1. Lieber Gipfelstürmer,

    dann wird es Zeit, die innere Wahrheit zu überprüfen.

    Ich gebe es zu – auch ich bin schon diverse Male auf die Schnauze gefallen in punkto Freundschaft, Vertrauen und Beziehungen. Doch der Preis, um den es letztlich geht, war all diesen Kummer wert.

    Ich habe – einige wenige – Freunde, die mit mir durch Dick und Dünn gehen würden und ich habe die Donna, mit der ich im August seit zehn Jahren verheiratet bin und die mein Leben zu einem funkelnden Juwel gemacht hat.

    Was scheren mich da noch die Tränen, die ich auf dem Weg hierher vergießen musste?

    Spring über Deinen Schatten und riskiere Schmerz und Verletzungen. Denn nur wer Schmerz zulässt, kann auch Glück und Freude empfinden.

  2. Vertrauen ist wohl der Schlüssel zu allem. Und ich verliere es zu schnell und ziehe mich zu schnell in mein Schneckenhaus zurück. Aber es bringt auch wenig, sich ständig darüber zu beklagen, und eigentlich wollte ich diesen Eintrag wieder löschen. Du bist mir mit deinem Kommentar zuvorgekommen – und ich lösche nie Einträge, die bereits kommentiert wurden. Ich lasse ihn jetzt einfach so stehen. – Ich habe keine andere Bezeichnung als „innere Wahrheit“, um zu verdeutlichen, was ich meine. Ich gebe zu, ich habe hier ein Kommunikationsproblem. Wenn mir jemand einen Ausflug zu einem Ziel vorschlagen würde, das ich eigentlich nicht besuchen will, ist für mich die direkte Äußerung meiner Unlust die letzte der in Betracht kommenden Möglichkeiten. Wahrscheinlicher ist es, dass ich die Achseln zucke und dem anderen zuliebe Stunden auf einem Ausflug verbringe, der mir nicht zusagt. Und dieses Muster ändert sich auch dann nicht, wenn Entscheidungen von größerer Tragweite anstehen. Ich kann kein klares Bewußtsein davon entwickeln, was ich will, wenn andere zugegen sind. Ich sehe ganz klar, dass sie mich in eine bestimmte Richtung drängen wollen, und habe dem nichts entgegenzusetzen. Dann zucke ich halt wieder die Achseln. Der innere Frust staut sich natürlich trotzdem auf und es bedarf oft nur eines kleinen Tropfens, um die gesammelten Vorwürfe auf das Gegenüber losbrechen zu lassen. Wenn das Porzellan erst einmal zerschlagen ist, gibt es natürlich auch kein Zurück mehr. Oder ich stelle einfach die Kommunikation ein, wende mich ab und verschwinde buchstäblich aus dem Leben des anderen, ohne meine Gründe mitzuteilen. Beziehungsförderlich ist das natürlich nicht gerade, und dass ich den anderen über meinen Standpunkt rätseln lasse, macht es auch nicht einfacher.

  3. Das macht es natürlich wirklich sehr schwierig.

    Ich habe das Glück, dass es mir noch nie Schwierigkeiten gemacht hat, Anderen mitzuteilen, dass ich mich an dieser oder jener Aktivität nicht beteiligen mag und dieses auch zu begründen.

    Das liegt aber vermutlich auch daran, dass ich bei der Teilnahme an Ausflügen, auf dire ich eigentlich keine Lust habe, schon kurz nach Antritt von einer derartigen Unlust geplagt werde, dass mir von dieser schlechten Laune die Fortsetzung schier unmöglich gemacht wird. Vermutlich wieder mein Freihitsdrang, der auch dazu geführt hat, dass mir Gruppenzwang und Cliquenwirtschaft von jeher zuwider waren.

    Das hat mein Freundeskreis mittlerweile auch akzeptiert und niemand versucht mehr, zu insistieren, wenn ich sage: Nö, keine Lust.

    Andererseits wissen sie aber auch, dass ich wirklich mit ganzem Herzen dabei bin, wenn wir etwas gemeinsam unternehmen.

    Ich vermute allerdings, dass einem dies Konsequenz in die wiege gelegt worden sein muss. Drum bin ich auch sehr dankbar, dass meine genetische Programmierung diese Software enthält.

    Ich wünsche Dir aber, dass Du es irgendwann dennoch schaffst, Deiner Umwelt Deine Wünsche klar zu machen.

  4. Ich wage es mal, DonParrot zu widersprechen. Ich denke nicht, dass einem die Konsequenz mit in die Wiege gelegt sein muss. Man kann das auch lernen – oder sollte ich besser sagen, ich konnte sie lernen. Ich war wie Du (und bin es oft genug immer noch), aber einmal geriet ich in eine Situation, in der das Schweigen und Hinnehmen für mich einfach nicht mehr tragbar war. Und als ich merkte, wie erleichternd und hilfreich das anschließende Lospoltern für mich war, war der Damm gebrochen.
    Das Zurückziehen und Schweigen ist vielleicht eine eher typisch männliche Verhaltensweise und ich persönlich empfinde sie als sehr verletztend, weil für den anderen eben so viele Fragen offen bleiben. Ich bin mir trotzdem sicher, dass eines Tages das Herz für Dich entscheiden wird …
    Schöne Grüße
    Kiumara

  5. Es ist schon ein Unterschied, mit welcher Absicht ich lospoltere: will ich nur meinen Frust loswerden oder liegt ein endgültiger Bruch in der Luft? Und die stillschweigende Annahme, der andere könne mich per se nicht verstehen, macht es nicht besser. Aber ich will die Dinge nicht weiter verkomplizieren. Manchmal gerate ich ins Abseits, ohne es zu wollen, und benötige eine ganze Weile, um wieder Anschluss zu finden. Und jetzt sieht es schon wieder sehr viel besser aus mit mir und meiner Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen oder sie überhaupt zuzulassen.

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