Verhältnisse

Mein ganzes gegenwärtiges Übel liegt vielleicht darin begründet, dass ich dramatisch weniger Verhältnisse hatte als der Durchschnitt meiner Vergleichsgruppe. (Für Frauen bin ich diesbezüglich wahrscheinlich ein Analphabet.) Nur ein Beispiel aus meinem unerschöpflichen Fundus: ich betete eine Kommilitonin an (deren sprichwörtlich bildhübsches Konterfei immer noch über Google abrufbar ist), aber unternahm keinen einzigen Versuch, das ihr gegenüber in Ton und Farbe und live auszudrücken. Hie und da ein schüchternes Erröten und mittlere Panikzustände, wenn ich sie alleine traf. Sie war nicht nur schön anzusehen, sondern hatte tatsächlich was auf dem Kasten, und ich fand mich in ihrer Gegenwart so bedrückend langweilig, unoriginell und tumb, dass es kaum auszuhalten war. Ab und zu durfte ich schweigend neben ihr einen Kaffee schlürfen. Gut, die Lektüre von Hesses Steppenwolf im zarten Alter von 14 Jahren hatte mich bis ins Mark verdorben – er deutete an, es gebe die Möglichkeit, im magischen Theater alle diese Liebschaften nachzuholen. Gut gebrüllt, Löwe. Und unter welcher Adresse finde ich das jetzt genau?

13 Gedanken zu „Verhältnisse

  1. So, findest du? Ich habe da begründete Zweifel. Ehrlich jetzt. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich mein Schüchternheit abgelegt habe. Naja, ganz wird sie wohl nie verschwinden. Aber zumindest teilweise. LG, WilderKaiser

  2. Verhältnisse? Was ist das denn? Du meinst so eine schnelle Bettgeschichte? So ein Weibchen, das sich Dir zur Verfügung hält oder Du Dich dem Weibchen? Auwei. Oder meinst Du gar so eine „richtige“ Beziehung, die länger als die obligat ersten drei Monate funktioniert? Ich steig da grade nicht durch, weil Du da mMn gerade zwei Dinge gewaltig durcheinander wirfst.

    Und übrigens: nichts mit Gerechtigkeit. Wilder einfach in Deiner Liga, dann wird’s auch was.

  3. Gut, es ist ja nicht nur die Schüchternheit allein. Als etwas, das dem Glück schon verdammt ähnlich sieht, stellte ich mir immer vor, alle diese Hemmungen würden sich eines Tages in Luft auflösen, und ich würde dem Leben mit der gleichen spielerischen und sonnigen Leichtigkeit begegnen, die anderen so selbstverständlich war. Aber selbst wenn ich es versuchte, blieb ich immer wie ein dicker Brummer am Boden kleben. Kein Wunder, dass ich mich auf dem Steppenwolf stürzte. Das ist ja sozusagen die Bibel aller Nichtleichtnehmer. Die Frage, was zuerst da war, meine Konstitution oder der Roman, ist wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Oder so ähnlich.

  4. Jetzt mal im Ernst. Du kannst zum Ersten nicht alles auf ein Buch schieben, das Du als 14jähriger gelesen hast. Das ist 19 Jahre her. Und zum Zweiten muss hier jeder seinen Arsch in die Höhe kriegen, jeder. Du bist nicht der einzige, der hadert. Die anderen kämpfen aber wenigstens und setzen sich nicht jammernd in die Ecke vom Sandkasten, weil keiner mit ihnen spielen will. Manchmal muss man eben mit dem Fischförmchen ein paar schöne Sandfische bauen, bevor die Anderen Dich mit dem Eimer und den Sieb spielen lassen. Sprich: es hängt nicht von den anderen ab. Und wenn Du das als Deine Entschuldigung missbrauchst, ist Dir einfach nicht zu helfen.

    Diese Verhältnis-Beziehungs-Sache hast Du allerdings nicht geklärt. Was genau willst Du denn von den Frauen? Oder von der einen Frau?

  5. @Jules: Vielleicht bin ich naiv, aber gibt es nur die schnelle Bettgeschichte oder die ernsthafte Beziehung? Ich meine, gut, das kann man alles ganz nüchtern sehen, von Gefühlen kann keiner runterbeißen und die sind halt auch ein wenig unstet, aber so ein bißchen Verliebtheit ab und an ist doch auch ganz schön, oder? Ob es im Bett aufhört oder erst beginnt, ist meiner Meinung nach sekundär. Ohne Gefühle wird´s eh nie was (außer Leistungssport). Und zweite Frage: was ist meine Liga? Ich glaube nicht an solche Klassifizierungen, und ich gehe damit auch nicht d´accord.

  6. Ich glaube, dass das Augenzwinkern beim Verfassen meines Textes nicht so ganz durchdringt. Daran muss ich arbeiten…*lach*…ja genau, ab und zu schleudere ich mein Sandförmchen in die Ecke und heule ungehemmt los. Laut, deutlich und vollkommen narzisstisch, selbstbezogen, ungerecht und egoistisch. Muss auch mal sein. Und ich verliebe mich in Menschen (!), die das dann ernst nehmen. Dass du wütend wirst, weil ich mir das ohne einen inneren Kritiker selbst erlaube und mir gegenüber scheinbar die Zügel der Selbstdisziplin schleifen lasse, dafür kann ich nun wahrlich nichts.

  7. zum ersten: es gibt alles. nicht nur bettgeschichte und liebe bis ans lebensende. aber für mich klang dein beitrag so, als wolltest du es auf genau das reduzieren – bettgeschichte, oder wie du es nanntest, verhältnisse. da frag ich, wieso, weshalb, wohin des weges, und du pröttkerst dir einen seelenschaden zusammen, der böse hesse ist schuld. ja klar. ach so, verliebtheit? klar. die auch. das würd jetzt aber mal zu weit führen.

    zum zweiten: deine liga? das kann ich nicht beurteilen, wie auch, ich kenn nur deine gedankenverschwurbelten einträge, denen man eben keine ironie ansieht, sondern nur die krampfhaften versuche, irgendeinen stil zu kopieren, der möglichst dramatisch klingt. hört sich gut an, aber wenn man versucht, mal dahinter zu gucken, kommt da irgendwie nur noch mehr „verdreh-den-gedanken“ ohne wirklich position zu beziehen. vll legst du es auch drauf an, jemanden zu locken und herauszufordern und zu genau solchen kommentaren zu reizen. erstens bist du dann wieder das arme hascherl, das von allen bedauert wird und zweitens ziehst du dich dann mit freuden auf die position zurück, dass dich ja auch gar niemand verstehen kann. ist ja einfacher.

    ach so, ich und angriffslustig? nö, find ich gar nicht mal. nur weil man eine meinung hat und diese auch aktiv formulieren und vertreten kann (ohne *schwurbel*), muss das nicht heißen, dass man angriffslustig ist.

  8. da stand vorher noch ein kommentar mehr und außerdem hast du den davor (nummer 7) editiert und um den wut-aspekt ergänzt. wenn du schon diskutieren willst, dann tu es fair.

  9. Liebe Jules, wenn dir mein Blog nicht gefällt und meine Einträge so grottenschlecht sind, geh bitte woanders lesen und kommentieren. Auf deine Belehrungen kann ich wirklich verzichten. Ich führe nämlich mein Blog, wie es mir passt, und durch anmaßende Mitblogger, die mir vorschreiben wollen, wie, wann und was ich wo zu bloggen hätte, lasse ich mir den Spaß nicht verderben. Schließlich zahle ich ja den Platz auf dem Server und die Domain. Und das sage ich jetzt in aller wünschenswerten Klarheit, ohne Verschwurbelung.

  10. …ich find‘ die ironie im text kommt sehr gut raus…und auch eine ganz gehoerige portion an souveraenitaet…ist doch alles paletti…was wird hier denn so rumgemeckert? *kratzt sich am kopf*

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