Beiträge vom Juni 2007

Beethoven und die Romantik

Donnerstag, 7. Juni 2007 0:35

Beethoven und Schiller zeigen auffällige Parallelen: beide sind dramatische Gestalter ihres Stoffs, den sie in Sichtweite antiker Tragödien ansiedeln. Die Form, der sie Leben einhauchen, verlangt ihnen äußerste Konzentration ab. Daraus entspringt ihre gemeinsame Vorliebe für das Wuchtige, Kantige (nicht Grobe) und Effektvolle. “Dem Schicksal in den Rachen greifen”: das ist die Überwindung der menschlichen Bedingtheit in der Unbedingtheit der Idee und der Meisterung der Form. Dennoch erscheinen sie im Spiegel der Romantik seltsam blass und unbedeutend. Sie werden oft an den Stellen als pathetisch missgedeutet, an denen sie die schmerzlich empfundene Differenz zwischen dem Ideal und der Wirklichkeit zur Verknappung der künstlerischen Mittel und zur bloßen Andeutung einer Utopie zwingt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Romantik als erste geistige Bewegung die Authentizität der subjektiven Existenz einforderte. Es genügte nicht, sich an Maßstäben zu messen, die man bei sich selbst einklagte – sie mußten ihre Verwurzelung in der Person haben und aus dieser resultieren. Mit dieser Sprachwerdung und Veräußerlichung intimer und intimster Geheimnisse beginnt das moderne Drama des Menschen. Deswegen finden wir sofort Zugang zu Chopin, Schubert, Liszt, Wagner. Beethoven entzieht sich während des Hörens, er wird immer ungreifbarer und labyrinthischer. Man spürt, dass er beim Prozess des Komponierens seine Sprache intellektualisiert und ein Verweissystem schafft, das den Hörer gezielt überfordert. Der Ansatz, den Beethoven verfolgt, ist ein aristotelischer: die Musik soll den Zuhörer von seinen zerstörerischen Leidenschaften befreien. Dafür muss er sich ihr aber geistig mit allen zur Verfügung stehenden Kräften widmen. (In der Romantik wird dieser Ansatz noch auf die Spitze getrieben, indem sich die Musik zum alternativen Lebensmodell aufschwingt.) Ganz anders verhält es sich bei Bach: aus extrem präzisen, mathematischen Konstruktionen springt einen die reinste Sinnlichkeit und Emotionalität an, aus den verwirrenden Details der Themenführung webt er eine strahlende Klarheit in Dur oder Moll.

Thema: Ansichten und Einsichten | Kommentare (8)

Gequälte Töne aus dem Laptop

Sonntag, 3. Juni 2007 1:58

Mein gutes Teil zeigt erste Ermüdungserscheinungen und hat den jahrelangen Funkenflug der Tastatur nicht besonders gut überstanden. Große Sorgen macht mir die Soundausgabe: die Lautsprecher knistern und gleichzeitig wird die Musik verzerrt abgespielt. Virenscan und eine komplette Neuinstallation des Betriebssystems und des Audiotreibers zeigten keine Wirkung; mein Laptop besteht etwas bockig auf seinem Recht auf fortschreitende, schrittweise Hardwareausfälle. Was kommt als Nächstes? Festplattendefekte? Systematische Bluescreens beim Arbeiten an Präsentationen und Word-Dokumenten? Irgendwie sind diese Maschinen ja dafür konzipiert worden, ihre Besitzer schnurstracks mit dem Wahnsinn und der Nervenheilanstalt bekannt zu machen. Vielleicht kann ich ja mit dem Einbau eines üppigen Speicherriegels das Schlimmste abwenden. Wenn das nichts hilft, mache ich im November tabula rasa. Gnadenlos und ohne mit der Wimper zu zucken.

Thema: Zeitlinien | Kommentare (0)
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