Bloggen – die wahre Geschichte

Orlacs HändeImmer wieder habt ihr diese megaendgeilen Seiten angeklickt, immer wieder mal laut gelacht, geweint, zaghaft die ersten Kommentare geschrieben („Hallo! Ich bin auch daha!“) und irgendwann war euch klar: ihr wolltet so richtig mit dabei sein! Aber – oh Schock! – ihr hattet nicht damit gerechnet, dass es euch so schwerfallen würde, öffentlich vor Tante Krethi und Plethi kundzutun: „Ich bin ein Kleinbloggersdorfer!“ Ihr platzt geradezu vor Begeisterung und natürlich radikalisiert sich eure Euphorie so sehr, dass ihr euch ein T-Shirt mit der Aufschrift eurer Domain drucken lasst. Ich warne euch – die nächste kalte Dusche kommt bestimmt. Spätestens dann, wenn eine der oben genannten Tanten triefäugig und mit einer überladenen Kuchengabel in der Hand in sich hineinmurmelt: „Blogn? Was´n das?“ Achja, *seufz*, euer Coming-out sollte eigentlich ganz anders ablaufen.

Pfff. Damals hörte man direkt die Luft, die aus dem angepieksten Luftballon der tollsten Idee seit dem Urknall herausströmte. Ihr hättet doch BWL studieren sollen, anstatt nächtelang den Reload-Button zu betätigen und den ersten Kommentar mit „Hosianna!“-Rufen zu quittieren („Hallo! Ich bin auch daha!“). Nein, alles Leugnen hilft nichts: ihr seid besessen. Große Geister machen auch große Fehler. Ihr habt eine Vision – „Weg mit Bildblog! Jetzt komme ich!“ – ihr habt die Mittel, ihr habt die Zeit, ihr habt alle Freiheiten. Ihr sammelt Stöckchen, nehmt am Karneval (so etwas wie ein CSD für Blogger) teil und netzwerkt euch in eurer Nische ein. Krethi und Plethi haben die monatliche Unterstützung gestrichen, seit sie erfahren haben, dass ihr eine eigene Meinung habt. Recht so. Die haben sowieso NIE kommentiert. Yummie, rasch noch ein Plugin installiert.

Spätestens wenn ihr nach dem Aufstehen den PC einschaltet und völlig gedankenlos die eigene Blogadresse eintippt, merkt ihr, dass in eurem Leben verdammt viel schief gelaufen ist. In der Küche stapelt sich das schmutzige Geschirr und der Gerichtsvollzieher läßt sich auch mit den Worten: „Geh heim, du DAU!“ nicht vertreiben, während ihr stundenlang gewissenhaft durch alle Kommentare scrollt, die euch eine üble Spambotattacke ins Blog gespült hat. Technorati listet euch auf Platz 5.000.000 – Nirvana („Hallo! Ich bin auch daha!“), das Bildblog erweckt ob seiner mediengeilen Dauerpräsenz unkontrollierbare Neidsymptome und der letzte Anruf eines menschlichen Echtzeitwesens liegt gefühlte 10 Jahre zurück. Irgendwie ist der Zug abgefahren. Die Sonne brennt heiß hernieder. Aber eure Hand liegt immer noch lässig auf dem Colt.

„Datenbank WIRKLICH löschen?“ DELETE!!!

Ihr seid frei.

Angeregt durch diese Aktion:
Blogtipps

6 Gedanken zu „Bloggen – die wahre Geschichte

  1. Pingback: UPLOAD » Blogtipps für Einsteiger - Teil 3

  2. Ja, das war schon sehr ätzend. Aber mir war gerade danach. Ich hätte Kabarettist werden sollen, da kann man seine schlechte Laune unter die Leute bringen und wird dafür bezahlt. Hähä.

  3. Pingback: dhaunsch

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