Beiträge vom Juli 2007

Lieber Wolfgang!

Mittwoch, 11. Juli 2007 19:30

Die klassische Form der Win-win-Situation lautet: egal, wie eine bestimmte Entscheidung ausfällt, es gewinnen alle. So ist es auch bei der derzeitigen Situation: wenn wenig oder nichts passiert, das auf einen terroristischen Akt hindeutet, kannst du das auf der Haben-Seite der verstärkten Prävention verbuchen. Und wenn doch ein Sprengsatz explodiert, hast du schon immer vor Anschlägen gewarnt. Aber das Parlament, das Volk oder wahlweise auch die Medien haben dich nicht ernst genommen und die notwendigen Schritte verschleppt oder zerredet.

Es gewinnen alle? Naja, du vertrittst ja als Regierungsmitglied den politischen Willen der Mehrheit der Bevölkerung. So funktioniert Demokratie. Das heißt, das Volk will, dass die ultimative Karte der Freiheiten im Kampf gegen den Terrorismus mehr Gewicht haben muss als das engstirnige Beharren auf den Freiheitsrechten der Verfassung, die sie jedem einzelnen Bürger zubilligt. Du verlangst nicht mehr und nicht weniger als die Mobilmachung des Staates im Inneren – natürlich nur mit legitimen Mitteln. Das geht so weit, dass Studenten andere Verdächtige denunzieren sollen. Denn es dient ja der Sicherheit, wenn man auf dem Campus keinem Bärtigen mehr begegnen wird. Jedenfalls der gefühlten.

Wirft man einen Blick über den großen Teich, so drängt sich einem der Vergleich mit der McCarthy-Ära auf. McCarthy glaubte auch, er müsse ohne direkte demokratische Legitimation eine Hetzjagd gegen Kommunisten anzetteln, um sein Heimatland zu schützen, und trat dabei alle denkbaren Bürgerrechte mit Füßen. Ich persönlich finde es ja nicht schlecht, wenn man sich ab und zu mit Fachkollegen austauscht. Nur glaube ich nicht, dass der Heimatschutzminister der USA, Chertoff, einen objektiven Blick auf die Realität hat. Wie wir wissen, kann auch der Teufel an der Wand eine Massenhysterie auslösen.

Wieviele “echte” Kommunisten wurden eigentlich während der McCarthy-Ära entdeckt? 10? 100? Dass es eine reale Bedrohung gibt, ist sicher kein Schauermärchen kriegswütiger Falken; die Anschlagsserie der letzten Jahre in Europa ist allein schon ein Beweis dafür. Aber über das Ausmaß kann man vortrefflich streiten. Und selbst das BKA ist sicher nicht so glänzend besetzt, dass auch bei bester Vernetzung mit anderen Diensten eine Überwachung von 85 Millionen Einwohnern lückenlos möglich wäre. So bleibt wohl nur eines übrig: du musst das Internet abschalten und den Mobilfunk verbieten. Das könnte Angela nur recht sein, bleibt sie doch dann von deinen aufdringlichen SMS verschont. Eine klassische Win-win-Situation.

Thema: Zeitkritik | Kommentare (4)
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Frage

Dienstag, 10. Juli 2007 23:41

Die Frage aller Fragen: “Was würde ich tun, wenn ich wüßte, dass ich nur noch einen Tag zu leben habe”, ist für mich sehr schnell beantwortet. Ich würde nach Rom fliegen, auf der Piazza Navona einen Espresso trinken und die Kuppel des Petersdoms ein zweites Mal besteigen. Am Abend würde ich ans Meer fahren und die Nacht hindurch dem Rauschen der Wellen zuhören.

Thema: Zeitlinien | Kommentare (5)
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Liebe Spambots!

Freitag, 6. Juli 2007 19:53

Dank eurer aufopferungsvollen Mithilfe leide ich nie Mangel an Kommentaren. Und wenn ich mich mal einsam fühlen sollte, heitern mich eure genialen Links wieder auf. Ihr wißt: ich halte immer ein Plätzchen für euch frei, wenn der Rest der Blogwelt schon dem Captcha-Wahn erlegen ist. Denn andere Anmerkungen gibt´s hier eh nicht. Amen.

Thema: Hausmitteilungen | Kommentare (11)
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Sterbebildchen

Donnerstag, 5. Juli 2007 19:29

Ich gelange in einen merkwürdigen Raum mit einem verglasten Erker, in dem eine Badewanne und eine Dusche installiert sind. Auch mehrere auffällig glitzernde und überladene Kronleuchter hängen im Erker zum Teil auf Kopfhöhe. Auf mich wirkt das wie ein überflüssiger, ja beinahe ärgerlicher Luxus. Davor steht ein Tisch, auf dem eine Karte liegt. Die Karte wurde auf den Innenseiten mit einer mir unbekannten Schrift mit Goldfarbe vollgeschrieben. Ich versuche zwar, den Text zu lesen, finde das aber plötzlich indiskret und höre abrupt auf, weiterzulesen. Als ich die Karte umklappe, sehe ich den schwarzen Trauerrand und begreife allmählich, dass die Mutter einer guten Freundin verstorben ist und ich ihr Sterbebildchen in der Hand halte. An der Seite befinden sich neben einem schwarzen auch Register in anderen Farben, sogar fröhliche Blümchen sind am Rand abgedruckt. Ich schlage zufällig eines dieser Register auf und entdecke die Noten eines bekannten Kirchenliedes, das immer bei Beerdigungen gesungen wird. Meine Freundin hat jedoch einen anderen Text in derselben Goldfarbe wie auf den Innenseiten unter die Notenlinien geschrieben. Sind das jetzt Anmerkungen zum Kirchenlied oder zur Beerdigung? Jedenfalls hebt sich die Schrift plastisch vom Hintergrund der Karte ab, und ich glaube, einen schwachen Nachhall ihres Gesangs zu hören.

Thema: Träume | Kommentare (0)
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Matrix

Montag, 2. Juli 2007 21:26

Follow the white rabbit -
du, ein Clown, der künstlich
lachende Allesgewinner, das Ohr
am fremden Puls, ein Star…

und auf die einsamen Tage
am Strand folgen die noch
einsameren Nächte. Folgen die
noch einsameren Gespenster.
Schwer wiegt die Verdichtung:
rot oder grün.

Du kennst es.
Déjà vu.

Thema: Die blaue Blume | Kommentare (0)
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Bilder des Tages

Sonntag, 1. Juli 2007 22:04

Schlossuhr Verblühter Mohn

Thema: Visuelles | Kommentare (0)
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