Seltsames Spiel

Ich habe viele Stunden mit ihr zusammen verbracht, Tee getrunken, philosophiert, gechattet und geblödelt: Aus. Essig war´s. Interessant ist ja vor allem, dass ich jetzt, nachdem sie geheiratet hat und in eine andere Stadt gezogen ist, große Lust darauf hätte, ihrer lockenden, sanften und unermüdlichen Verführung nachzugeben. Nun stehe ich vor verschlossenen Türen, und von dem jahrelangen Werben bleibt nichts als eine blasse, schmeichelhafte Erinnerung und meine eigene, ganz reale Feigheit. Ich war nie besonders mutig, sobald Gefühle ins Spiel kamen, und öffnete mich nur, wenn das Risiko überschaubar war. Zur Not blieb ich einfach unsichtbar. Es ist auch schon vorgekommen, dass die geladenen Gäste meinen Geburtstag ohne mich feierten.

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