Je confesse

Ja, ich habe mich schuldig gemacht. Zwei Wochenenden hintereinander trug ich ganze Wälder in Papierform durch meinen Stadtteil und steckte sie in Postkästen, deren Besitzer sie in der Regel ohne Umschweife in der – hoffentlich! – Papiertonne entsorgten. “Tip”, “real” und “Bayernpark” hießen die bunt bedruckten Pamphlete, die ahnungslose, unbescholtene Bürger zum Konsum von Waren und Dienstleistungen animieren, ja regelrecht aufpeitschen sollten, von deren Vorhandensein sie bis dato keine Ahnung hatten. Ach, hätte ich doch Trinkgelder entgegennehmen dürfen…aber nein, ich habe mich entschieden. Damit ist jetzt Schluss. Den vielfältigen sich bietenden Konsummöglichkeiten stand dann doch ein durchschnittlicher Stundenlohn von wenig mehr als 3 (in Worten: drei) Euro etwas hinderlich im Wege…

Da fällt mir ein: ich wollte schon immer mal aufschreiben, was ich alles verbrochen habe, um Geld zu verdienen. Also frisch ans Werk: Nachhilfelehrer, Finanzmanager, Museumswärter, Schauspieler, Musiker, Bildhauer, Krankenpflegehelfer, Reinigungskraft, Dekorateur, Tankwart, Stromzählerableser, Einkäufer, Administrator, Verkehrszähler, Fließbandarbeiter, Lagerarbeiter, Lastwagenbefüller, Erdbeerverkäufer und, zu guter Letzt, Qualitätsmanager. Ich glaube, am erfolgreichsten war ich als Tankwart. Das ist auch einer dieser aussterbenden Berufe, die so personalintensiv (iiih!) sind. Irgendwann wird es nur noch Tankstellen geben, an denen man am Automaten mit EC-Karte zahlt, und ein Roboter haut einen Eimer Wasser auf die Windschutzscheibe und zerkratzt sie beim Putzen. Aber gratis, bitteschön.

Datum: Dienstag, 14. August 2007 22:27
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3 Kommentare

  1. 1

    Ach du bist das immer. Ich hätte nicht gedacht, dass du in deinem verantwortungsvollen Job als Qualitätsmanager so schlecht verdienst. ;o)

  2. 2

    Nööö, mir ist nur langweilig…;-) “Und billig ist er auch noch”, hob mein Chef heute lobend hervor. Haha. Übrigens nahm ich diesen Prospektverteilungsjob nur deswegen an, um darüber eine Reportage schreiben zu können. “WilderKaiser ganz unten” soll sie heißen. Ja, ich weiß, der Titel…aber mir fällt schon noch etwas Besseres ein. PS: Ich kann es nicht gewesen sein. Damit ich nach Berlin fahre und dort Prospekte verteile, hätten sie schon eine ganze Schippe drauflegen müssen. So nicht. Nein, nein.

  3. 3

    Welcome to the Club der verschämten Werbezettelboten. ‘REAL’, genau … Ihr Beitrag ließ mich daran denken :-)

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