Glück

Manchmal finde ich, dass es gar nicht so schwer ist, die Frage nach dem, was Glück ist oder was es auszeichnet, zu beantworten. Aber ich könnte nie sagen, was es bedeutet, zu sagen: Glück ist das Lächeln des Augenblicks. Im Gegensatz zu: Glücklich wäre ich, wenn ich alleine auf der Welt wäre. Früher wurde ich oft mit den Worten ermahnt: “Du bist nicht alleine auf der Welt!”, was meine Bedürfnisse im Vergleich zu den Bedürfnissen von Milliarden anderer Menschen auf ein lächerliches Nichts schrumpfen ließ. Es war eine Gleichung, gegen die ich nicht ankonnte. Aber das wirklich Entscheidende wäre doch: es gäbe keine Außen mehr, wenn ich alleine auf der Welt wäre. Es entfiele jede Beeinflussung, jede Manipulation, jeder Überzeugungsversuch. Ich wäre da, und das wäre alles, und es wäre gut so. Niemand könnte sagen: “Mir gefällt es nicht, wie du dein Essen zubereitest. Oh Gott, was trägst du bloß für eine Brille? Ich finde, du hast in letzter Zeit etwas zugenommen. Findest du es in Ordnung, dir keine Gedanken über dieses oder jene schlimme Übel zu machen?” Ich weiß nicht, ob es diesen Punkt je in meinem Leben gab, an dem die perfekte Übereinstimmung mit der Welt, die tiefe Befriedigung des Gewollt-Seins, in mir wohnte und nicht bloß um den Preis der Selbstverleugnung erkauft war. Und wenn es ihn tatsächlich gegeben hat, ob ich jemals dorthin zurückfinden könnte. Es ist eine Schwäche, sich nicht abgrenzen zu können und wie ein Medium jeden Gedanken seines Gegenübers aufzusaugen. Es ist eine Schwäche, für die es keine neutralisierende Stärke gibt. Ich glaube übrigens nicht, dass ich alleine auf der Welt Glück empfinden würde; diese Vorstellung ist eben nur als Utopie erträglich und erscheint in dieser Form wie das reinste Paradies.

Datum: Montag, 20. August 2007 22:41
Themengebiet: Ansichten und Einsichten Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren
Meine Tags:

5 Kommentare

  1. 1

    So ganz ohne Kommunikation?
    Keine Bücher?
    Grauenhafte Vorstellung.

  2. 2

    Lieber Don, also von Büchern war nicht die Rede. Es würden nur keine neuen mehr geschrieben werden, außer von mir selbst. Aber das ist ja nur ein Traum. Und jedesmal, wenn ich darüber nachdenke, frage ich mich, ob ich ohne elektrische Energie leben könnte oder ob eine meiner ersten Handlungen die Suche nach einem Generator wäre. Aber wozu? Um fernzusehen? Mittlerweile habe ich in der Spur meines Beitrags noch weitergedacht und weißt jetzt auch ganz deutlich und klar, woher dieser Wunsch stammt. LG, WilderKaiser

  3. 3

    Achso – ich dachte, auf einer Welt, auf der es außer Dir niemanden gab, gibt und geben wird.

    Gut – wenn man auf sämtliche existierende Literatur, Filme, Musik etc. zurückgreifen kann und vielleicht noch ein paar intelligente Haustiere hat, mag das durchaus erträglich sein.

    Oder man freundet sich mit Delphinen an – da kann man sich sogar intelligent unterhalten. *g*

  4. 4

    Macht´s gut und danke für den Fisch! *gg*

  5. 5

    *lol*
    Genau!

Kommentar abgeben



*

Anti-spam image