Beiträge vom August 2007

Ein einfacher Plot

Sonntag, 12. August 2007 0:46

Ich beschäftige mich heute bereits den ganzen Tag über gedanklich mit einem Plot für eine Geschichte, der in Grundzügen etwa so aussehen könnte: ein naiver, junger Student erliegt dem dämonischen Charisma eines Kommilitonen, der zusammen mit anderen Mitstudenten, die ihm verfallen sind, in einer Art Wohngemeinschaft lebt. Nach anfänglich recht harmlosen Prüfungen wird er in die Gemeinschaft aufgenommen, muss aber dafür alle Brücken zu seiner Vergangenheit abbrechen. Im Rausch der ersten Euphorie stellt er jeden Kontakt zu seinen alten Freunden und zu seiner Familie ein und begründet dies mit der fast schon ideologisch geprägten Verachtung alles Konventionellen, Weltlichen und Materiellen. Er passt sich an, soweit es möglich ist, und wird so lange gedemütigt, bis er jedes Selbstwertgefühl verloren hat und nur noch Befehle ausführt, die ihm sein Kommilitone diktiert. Unglücklicherweise verliebt er sich in dessen Freundin und denkt schließlich darüber nach, entweder ihn oder sich selbst umzubringen. Er besorgt sich zwar eine Waffe, verliert aber den geplanten Mord wieder aus den Augen. Zudem gerät er psychisch immer weiter unter Druck und ist einem Nervenzusammenbruch nahe. Nachdem er sein gesamtes Geld auf seinen Kommilitonen überschrieben und außerdem mehrere Lebensversicherungen zu seinen Gunsten abgeschlossen hat, wird er eines Tages tot im Park aufgefunden. Ein Schuss in den Kopf beendete sein Leben, aber es bleibt in der Schwebe, ob es Mord oder Selbstmord war. – Der Plot sollte mit der Entdeckung der Leiche im Park beginnen. Ich glaube, es wäre für den Charakter des Plots äußerst wichtig, dass er nicht in das Schema der üblichen, reißerischen “Skulls & Bones” – Stories abrutscht, die sich im Umfeld der amerikanischen Colleges bewegen. Sehr gut herausstellen könnte man die Anonymität der Massenuni, das klaustrophobische Element der Wohngemeinschaft und das psychische Pendeln zwischen Euphorie und Depression. Die Erzählung sollte bis zum Ende ein zügiges Tempo beibehalten und kriminalistische Elemente beinhalten, aber die klassische Frage nach dem Täter offen lassen, um den besten Effekt zu erzielen. Der eigentliche Träger der Handlung wären die Dialoge.

Thema: Die blaue Blume | Kommentare (3)
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Ja hallo!

Mittwoch, 8. August 2007 21:11

So wurde ich heute beim Betreten eines italienischen Cafes lautstark von einer Bedienung begrüßt (markantes Profil, Neapolitanerin, blondgefärbte, lange Haare). Sämtliche Gäste drehten sich zu mir um und sahen mich an wie ein Fabeltier mit giftgrünen Federn. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Etwas verlegen nuschelte ich “Hallo!” zurück, durchquerte das Cafe und hielt tapfer weiter Ausschau nach meinem langjährigen Trinkhallenbuddy, den ich ungnädigerweise versetzt hatte. Ein paar Minuten später kehrte ich in das Cafe zurück, um einen Espresso zu trinken – übrigend das einzige in der Innenstadt, das einen Lavazza in vernünftiger Qualität anbietet: der Espresso scheint nur aus Crema zu bestehen. Und die Bedienung kümmerte sich rührend um mich. Irgendwie hat das meinen Tag gerettet. Danke, schöne Unbekannte…

Thema: Zeitlinien | Kommentare (6)
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Seltsames Spiel

Mittwoch, 8. August 2007 20:19

Ich habe viele Stunden mit ihr zusammen verbracht, Tee getrunken, philosophiert, gechattet und geblödelt: Aus. Essig war´s. Interessant ist ja vor allem, dass ich jetzt, nachdem sie geheiratet hat und in eine andere Stadt gezogen ist, große Lust darauf hätte, ihrer lockenden, sanften und unermüdlichen Verführung nachzugeben. Nun stehe ich vor verschlossenen Türen, und von dem jahrelangen Werben bleibt nichts als eine blasse, schmeichelhafte Erinnerung und meine eigene, ganz reale Feigheit. Ich war nie besonders mutig, sobald Gefühle ins Spiel kamen, und öffnete mich nur, wenn das Risiko überschaubar war. Zur Not blieb ich einfach unsichtbar. Es ist auch schon vorgekommen, dass die geladenen Gäste meinen Geburtstag ohne mich feierten.

Thema: Zeitlinien | Kommentare (0)
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Der Staat

Freitag, 3. August 2007 1:26

LeviathanDer Staat war schon immer ein metaphysisches Gegengewicht (also auch: letzte Hoffnung und Erlöser) für bürgerliche Karrieren. Durch die Schaffung von persönlichem Wohlstand wollte man auch für das Gemeinwohl sorgen, doch erst der Staat bot sich als potenter Organisator dieser Aufgabe an. Die traditionelle Trinität aus Gottvater, Sohn und heiliger Geist wurde zur weltlichen Trinität aus Exekutive, Legislative und Judikative. Die Freiheit, die der Staat dem Bürgertum versprach, zeichnete sich durch ein ausgeklügeltes Repertoire von Regeln aus, die den sozialen Verband auf Kosten des Individuums stärkten.

Illustration: Titelbild “Leviathan” von Thomas Hobbes

Thema: Ansichten und Einsichten | Kommentare (3)
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Nachtrag

Freitag, 3. August 2007 0:44

Die im vorherigen Beitrag gezeigten Skulpturen stammen, wie ich nach ein wenig Recherche herausgefunden habe, allesamt aus der Werkstatt von Ernst Hingerl aus Pettenreuth, der in seinem Leben schon viele verschiedene Dinge professionell angepackt hat.  Wer Lust hat, kann bei ihm auch einen Kettensägenkurs belegen. Ich finde ja das Bearbeiten von Holz generell sehr spannend.

Thema: Hausmitteilungen | Kommentare (2)
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Bilder des Tages

Donnerstag, 2. August 2007 14:31

Fischgräten Glasscherben

Thema: Visuelles | Kommentare (4)
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