Beiträge vom September 2007

Brainstorming

Montag, 10. September 2007 22:41

  • Früher hatte ich mehr Zeit.
  • Im Rahmen der Aktion “Ehrlich währt am längsten” teilte ich einer Kollegin heute mit, dass ich zu Opern keinen rechten Bezug hätte. Zur Strafe durfte ich heute 3 Stunden lang “Turandot” aus dem Nebenzimmer lauschen. Das IST Mobbing, du!
  • Wenn man aus einem popeligen Verein austritt, sieht einem keiner der Vereinsmitglieder mehr in die Augen. Jaja, ihr mich auch.
  • Nach 17.00 Uhr trifft man die nettesten Menschen.
  • Mein ungewolltes Engagement als Technik- und EDV-Referent ist der Blödheit meines Vorgängers zu verdanken.
  • Gebügelte Streifenhemden schinden mehr Eindruck als ungebügelte.
  • Die größten Erfolge erziele ich in meiner Freizeit. Ergo benötige ich eindeutig mehr davon. (Äh, von beidem.)
  • Ich wichtle gern und viel. Herum. (Jeder hat seine Schwächen.)

Thema: Zeitlinien | Kommentare (27)
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Pause

Sonntag, 9. September 2007 1:12

Ich weiß nicht, wie lange die Pause dauern wird. Aber ich habe gerade das Gefühl, dass mich die reale Welt weit dringender braucht als die virtuelle. Der Spassfaktor beim Bloggen geht schon seit geraumer Zeit gegen null, und der Aufwand, den ich dafür treibe, raubt mir einfach zu viel Zeit. Ich glaube, ich bin nun endgültig wieder beim Tagebuch angekommen; für mich alleine schreiben kann ich auch dort. Von einem tiefer gehenden Austausch und stundenlangen Gesprächen über Gott und die Welt bin ich hier wie dort meilenweit entfernt. Nun gut, das habe ich mir selbst zuzuschreiben. Bleiben nur die Zeilen von Rilke: “Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, / wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben, / und wird in den Alleen hin und her / unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. “

Thema: Hausmitteilungen | Kommentare (3)
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Am Neckar

Samstag, 8. September 2007 11:27

Tübingen Im Schloss wohnen
die Repliken,
in den Gassen
Mondstein, fette Kater.

Durch den Hades murmeln
Pastapomeranzen. Schräg
verdunstet Licht im Graben.

Dunkle Villen
kauern drohend
auf den Hügeln.

Fachwerk frisst
die Bindungsglorie.

Thema: Die blaue Blume | Kommentare (0)
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Morgens, mittags, abends…

Samstag, 8. September 2007 10:45

…sitzt er auf seinem Rucksack, raucht und schweigt. Er beobachtet uns, als wären wir interessante Wesen, über die er nur den Kopf schütteln und lachen, die er aber nicht begreifen kann. Und ja, er starrt vor Schmutz, seine Haare sind verfilzt, sein Gesicht ist eine Kraterlandschaft. Einige gehen nur in einem weiten Bogen an ihm vorbei, denn er hat noch einen weiteren Makel, der ihn in den Augen seiner Mitmenschen entstellt: einen großen, zweiten Kopf, der ihm an der Halswirbelsäule angewachsen ist und sich auf seinen Schultern ausruht. An all das hat er sich langsam und schmerzhaft gewöhnt, als müßte er sich in sein Dasein und seinen Körper wie in einen zu engen Anzug zwängen, den er nach einer Weile nicht mehr spürt. Aber sein Leben ist nicht ohne Licht, nicht ganz elend, nicht ohne Hoffnung, und vielleicht würde er, wenn ihm jemand anböte, das Geld für die Entfernung seines zweiten Kopfes zu zahlen, antworten: “Aber dann kann ich ja nicht mehr denken!” und den Menschenfreund mit seinen blauen Augen listig anfunkeln. Im Sommer übernachtete er im gläsernen Vorbau der Jakobskirche unter den abgasbefreiten, romanischen Sandsteinreliefs des Nordportals. Jetzt sitzt er, die einzig wahre Traditionsgaststätte am Ort bewachend, vor ihren bunten Fenstern auf dem Bürgersteig. Und raucht und schweigt.

Thema: Stadtgekritzel | Kommentare (4)
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Tübingen

Montag, 3. September 2007 21:45

“WLAN kostet 7,50 EUR pro Tag. Brauchen Sie´s dringend?” “Ach, eigentlich nicht.” “Ist es Ihnen zu teuer?” “Ja.” “Wissen Sie was, ich schenk´s Ihnen. Hier ist der Schlüssel und der Name des Netzwerks. Viel Spaß.” Und so komme ich durch meine kalte Gleichgültigkeit doch noch dazu, in Tübingen von meinem Hotelzimmer aus bloggen zu können. Wenn es eine Stadt gäbe, in der ich auch wohnen könnte, wäre es Tübingen. Tübingen ist so klein, verwinkelt, romantisch und urdeutsch, dass ich mir vorstellen könnte, mich hier regelrecht einzuigeln und den Rest der Welt einfach zu vergessen. Beim Verlassen des Hotels muss ich immer darauf achten, mich nicht mit dem Kopf an den niedrigen Decken zu stossen. Einen Steinwurf entfernt liegt das Schloss Hohentübingen, dessen Mauern und Gärten über den Fachwerkgiebeln der Innenstadt zu schweben scheinen. Hesse hat hier, neben einigen anderen Geistesgrößen, natürlich auch gelebt, und seine literarischen Schilderungen von Fluchten aus der bürgerliche Enge atmen viel von der Tübinger Luft. Den eigentlichen Zweck meiner Reise kann ich selbst beim besten Willen nicht in Worte fassen. Da meine Fahrt nach Tübingen offiziell als Dienstreise deklariert ist, muss ich natürlich eine Antwort auf diese Frage parat haben, und so setzte ich meine Verschwörermiene auf und ließ den Fragenden während des Mittagessens einen vermeintlich intimen Blick in die Schlangengrube der Intrigen werfen, die meine Arbeit als Hintergrundmusik begleiten. Erst als wir gegen Mittag den Standort talabwärts wechselten und ich mit einem ausgewiesenen SAP-Experten ungestört fachsimpeln durfte, wurde mir etwas freier ums Herz. Wir verabschiedeten uns nach unserem Gespräch herzlich, aber der blöde Satz “Mir schin die, die wo Weltmeischter werde wellet” ging mir die ganze Zeit nicht mehr aus dem Kopf. Die gestrige Reise mit der Bahn nach Tübingen entwickelte sich etwa ab Stuttgart zum Desaster. Kaum hatten wir Bad Canstatt erreicht, stand unser Zug und wollte sich keinen Millimeter mehr voranbewegen. Nach einer knappen halben Stunde wurden die ersten Reisegäste unruhig und der Lokführer nuschelte etwas von einer Signalstörung und einer Weiterfahrt, die sich um unbestimmte Zeit verzögert, in den Lautsprecher. Als die Türen geöffnet wurden, entlud sich der geballte Unmut der Reisenden über dem armen Lokführer und den Zugbegleiter. Eineinhalb Stunden später gelang es mir, eine alternative Route nach Tübingen in Erfahrung zu bringen, die schließlich auch meinen Mitreisenden über Lautsprecherdurchsage mitgeteilt wurde, und so durchquerte ich Stuttgart mit der S1, lernte ein nettes Rentnerehepaar kennen, die ihre Verwandte vom Bahnhof abgeholt hatten, und landete schließlich in Herrenberg. “Herrenberg hat eine Kirche mit einem wuchtigen Steinturm, der fast die Stadt darunter erschlägt. Da, können Sie ihn sehen?” Hier hätte ich noch fünfzig Minuten auf die Regionalbahn nach Tübingen warten müssen, aber das war mir nach der anstrengen Fahrt zuviel, und so organisierte ich eine Viererfahrt mit dem Taxi nach Tübingen. 7,50 EUR für ein Taxi, die werde ich Hr. Mehdorn in Rechnung stellen. Mit Wasserzeichen, Stempel, Unterschrift und schamanischen Verwünschungen, wenn´s denn sein muss. Leider muss ich die Bebilderung meines Ausflugs so lange aufschieben, bis sich wieder ein Sonnenstrahl hierher verirrt.

Thema: Zeitlinien | Kommentare (1)
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