Photographs and memories

MemoriesAuf dem Foto links veröffentliche ich auf die Anregung von Jules hin ein wüstes Potpourri meiner Erinnerungsstücke, die ich noch aufbewahrt habe. Zu allen Briefe- und Postkartenschreibern habe ich heute keinen Kontakt mehr. Ich finde das eigentlich ziemlich merkwürdig, aber die Zeit bringt so etwas einfach mit sich – man verliert sich aus den Augen und kennt nur noch die Person, mit der man eine kleines Stück des Weges zurückgelegt hat, während einem über die Person, die einem nach Jahren vielleicht wieder begegnet, so gut wie gar nichts bekannt ist.

Ganz links ist abgeschnitten noch das Wort Dagebüll zu erkennen. Das ist die Karte für die Fähre, die mich von der Insel Föhr nach einem einwöchigen Urlaub zurück aufs Festland brachte. Damals schwor ich mir, zu einer besseren Zeit und unter glücklicheren Umständen wieder zurückzukommen, und bis heute ist nichts daraus geworden.

Schließlich noch die grüne Eintrittskarte für die Ausstellung von Picassos Zeichnungen im Amberger Congress Centrum (ACC), die ich zusammen mit einer Kommilitonin am 09.08.1997 besuchte. Es war eine schwierige, komplizierte Beziehung, in der wir meinem Gefühl nach nie über etwas Wesentliches sprachen, sondern uns mit Kunst und Kultur ablenkten. Dass ich mich nach einer langen Periode von mehr oder weniger regelmäßigen Cafebesuchen einfach nicht mehr bei ihr meldete, macht die Sache auch nicht besser.

Darunter liegen drei Briefe von Doris, die nach vielen Irrungen und Wirrungen ihren Wunschpartner gefunden hat und gemeinsam mit ihm ein Kind großzieht. Nachdem wir das Ambrosius in Regensburg als Hauptquartier für unsere abendlichen Ausflüge in Beschlag genommen hatten, begann sich ein Karrussell aus Alkohol, Drogen und wilden Affären zu drehen, das weder sie noch ich stoppen konnten. Ich steckte damals im Hauptstudium fest und hatte große Probleme, mich angemessen auf meine Seminare vorzubereiten und mich auf den unterrichteten Stoff zu konzentrieren.

Über den Postkarten steckt noch ein Brief von Masu, die ich über den GMX-Chat kennen gelernt hatte. Sie war 10 Jahre älter als ich und lebte in Hamburg. Unsere Bekanntschaft gelangte nie über den virtuellen Raum hinaus, aber wir kamen uns trotz dieser Distanz sehr nahe. Damals saß ich noch vor einem billigen 15-Zöller und bediente den ersten PC, den ich mir selbst gekauft hatte. Der Chat reichte natürlich nicht – wir telefonierten auch noch und schlugen uns so, telefonierend und tippend, einige Nächte um die Ohren – zusammen, aber irgendwie auch einsam.

Die Postkarte mit dem Ausschnitt eines blauen Himmels zeigt die Kirche von Assisi, wohin sich A. in einem Anfall von Verzweiflung im Sommer zusammen mit einer Reisegruppe geflüchtet hatte, was sie – der Postkarte nach zu urteilen – schon auf der Fahrt dorthin bitter bereute. Ich zitiere: „Gruppendynamik ist, wenn 12 über die 13. Person lästern! Seit wir dauernd lästern, ist der Urlaub wieder erholsam, aber nächstes Mal keine Gruppe mehr!!“

Dahinter die Grüße vom Höllsteinsee aus dem Bayerischen Wald, die mir mein Bruder von seiner Wanderung vom Arber bis Zwiesel geschickt hatte. Ich durfte während dieser Zeit seine Dachwohnung in Kleinprüfening hüten und die Zimmerpflanzen mit Wasser versorgen. Am meisten zog mich das elektrische Klavier an, das im Zimmer stand und auf dem ich die immergleichen melancholischen Stücke spielte.

Die gelbe Postkarte zeigte eine gelbe Rosenblüte in Großaufnahme. Auf der anderen Seite schrieb mir die angehende Architektin: „Let me be your valentine!“ Wahrscheinlich sitzt sie heute in einem Architekturbüro über Pläne gebeugt oder treibt sich in gelben Gummistiefeln auf irgendwelchen Baustellen herum.

Das kleine Büchlein über mein Sternzeichen „Stier“ schenkte mir eine liebe Person zum Geburtstag. Anfangs war ich wirklich blind für den Wert dieses Geschenks, aber nach und nach wurde es immer wichtiger für mich – als Geste und als Symbol.

2 Gedanken zu „Photographs and memories

  1. (verspricht mir das einen sonnigen Tag? Spamwort: Sonne.) Im Übrigen finde ich es schön, was hier so ausgebreitet liegt, ich hätte vermutlich Ähnliches beizusteuern, obwohl ich vermutlich nicht halb so lang wie Du eine von den Suchenden war. Im Gegenteil. Kurz aber intensiv war die Phase bei mir, und dann für immer vorbei. Ich habe vieles aufgehoben, ebenso vieles weggeschmissen. Manches ist halt irgendwann vorbei.

    LG, Jules

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