Traumbilder

Ich sitze, in die Arbeit vertieft, neben B. am Bildschirm, als plötzlich ein beiger Vogel wie auf einem Laufsteg an der Tischkante entlangläuft und nur für uns kleine, drollige Einlagen vollführt. Er scheint ein plüschiges Fell zu tragen, so dass ich nach ihm greife, um das Fell zu betasten. Er beginnt, auf dem Tisch wie verrückt nach nicht vorhandenen Körnern zu picken. Als ich ihn in der Hand halte, hackt er mit seinem spitzen, starken Schnabel in meine Hand und windet sich unter meinem Zugriff; B. wirft dem Vogel und mir einen kurzen, spöttischen Seitenblick zu und sagt zu mir: „Pass auf, sonst verletzt er dich noch!“ Ich lasse ihn los, woraufhin er durch das offene Fenster in die dunkle Nacht verschwindet. – Ein älterer, weißhaariger, fast körperloser Mann versieht mich wie einen Paladin aus Diablo II mit magischen und hochpotenten Ausrüstungsgegenständen, wie etwa einer ledernen Rüstung, einem Helm und zwei äußerst scharfen Klingen, die wie Hörner eines Nashorn nach oben von meinen zusammengeballten Fäusten abstehen. Wir stehen vor einer weißen Wand, als der alte Mann plötzlich eine Tür aufstößt und mir warnend zuflüstert: „Pass auf, du wirst dich gewaltig erschrecken…aber du wirst Erfolg haben.“ Ich bebe innerlich vor dem, was ich gleich zu Gesicht bekommen werde. Zunächst entferne ich mich von der offenen Pforte, um später wieder auf sie zuzugehen. Es ist mir wichtig, die Gefahr vor mir und nicht in meinem Rücken zu haben.

Nietzsche

Die reinen, alten Flüsterworte:
die drosch ein Kutscher auf das Pferd,
die sang ein Tristan hinterdrein.

Was war und ist, wird sein,
und aus der Hülle steigt empor
die wahrste Wahrheit. Pures Dein.

Der Spiegel hallt, du siehst nichts mehr,
auf Gipfeln träumst du dich zur Ruh,
du wirst gehalten, warst ein Du,
und fliehst als leblos matter Schein.

Im Untergrund

Ich folge einer Treppe in den Keller, in dem ich vertraute Räume wiederzuerkennen glaube. Um meine Annahme zu bestätigen, öffne ich eine angelehnte Türe, und tatsächlich verbirgt sich dahinter ein Badezimmer. Seit meinem letzten Besuch hat es sich aber sehr verändert: es ist plötzlich weiß gefliest und strahlt eine große Sauberkeit aus. Als ich die Türe jedoch ganz öffne, entdecke ich die zerprungene Toilettenschüssel, die in der Ecke steht. Ganz im Gegensatz zum perfekten Weiß des übrigen Raums ist sie zerbrochen und schmutzig, und daneben sprießt Unkraut aus dem unreinen, schlammigen Morast. Ein stechender, fauliger Geruch fährt mir in die Nase. Die Renovierung ist wohl komplett mißlungen, wenn die weißen Fliesen nur das eigentliche Problem übertünchen sollen. Als ich den Gang im Keller weiter entlanggehe, treffe ich auf einen Treppenaufgang, der rötlich erleuchtet ist. Befindet sich hier nicht irgendwo ein Bordell in der Nähe? Mißtrauisch beobachte ich die Menschen, die sich auf den Treppenstufen versammeln. Aber nein, denke ich und muss über mich selbst schmunzeln, es ist nur ein Tanzstudio, in dem sich die Paare im scharzen Frack und weißen Kleidern zum Rhythmus des Tango in den reihum aufgehängten Spiegeln reflektieren. Ich stehe etwas abseits und sehe, anonym in der Menge der Zuschauer stehend, den Tänzern voller Vergnügen zu. Wenig später stürmt S. außer Atem in das Studio, begleitet von mehreren Freundinnen. Als sie mich sieht, steuert sie sofort auf mich zu und boxt ihren Handrücken neben meinem Kopf in die Wand. „Na, das ist ja auch eine Form der Begrüßung“, sage ich zu ihr. Sie lächelt ihr schönstes Raubtierlächeln und zieht mich mit sich auf die Tanzfläche. Es ist sehr angenehm an, so von ihr begehrt zu werden und sich völlig in dieses Begehren fallen lassen zu können. Ihre Augen sprühen und funkeln vor Lust. Während wir leicht und mühelos Körper an Körper tanzen und jede Bewegung ein elektrisches Knistern auslöst, nimmt S. mehr und mehr die Färbung meiner Persönlichkeit an, als fände zwischen uns eine magische Übertragung statt.