Fastenschwindler

Ich komme gerade von einem sehr entspannten, genussvollen und gelungenen Abend nach Hause, und ich bin richtig glücklich darüber, diese Chance genutzt zu haben, um wieder einmal unter Leute zu kommen. Nachdem ich heute nachmittag bei einem kleinen Symposium mit dem störungsfreien Einsatz der Medien betraut war, fuhren wir vom Organisationsteam zusammen mit dem Referenten anschließend ins „Mirabelle“ in der Innenstadt, in dem ich noch nie vorher war; das Essen sollte eine kleine Belohnung für unseren Einsatz darstellen. Das „Mirabelle“ ist ein kleines französisches Restaurant direkt gegenüber vom Stadttheater in der Drei-Mohren-Straße, der Durchgangspassage von der Ludwigstraße zum Bismarckplatz. Als Vorspeise gab es Auberginenröllchen mit Schafskäse, als Hauptgang gefüllte Maispoularde und zum Dessert die – ohne Übertreibung – beste Mousse au Chocolat, die ich bis dato gegessen hatte. Flankiert wurde dieses Mahl von einem samtweichen Merlot, Espresso und einem Cognac. Das Gespräch verlief unterhaltsam und floss ungezwungen dahin, ohne dass ich, wie so oft, das Gefühl hatte, krampfhaft nach einem Gesprächsthema fahnden zu müssen. Und dabei beabsichtigte ich doch tatsächlich heute morgen noch, direkt nach dem Symposium wieder nach Hause zu fahren. Aber dann dachte ich mir: „Ach, wann passiert es mir schon mal, dass ich zum Essen eingeladen werde…“ – der richtige Gedanke, wie sich später herausstellte. Der Fastenschwindler des Abends war natürlich der Organisator der Veranstaltung selbst, der steif und fest behauptete, Espresso sei gar kein richtiger Kaffee.

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