Beiträge vom Juli 2008

An der Tankstelle

Sonntag, 13. Juli 2008 10:51

Traum in Schwarzweiss: Ich gehe auf ein Kaufhaus zu, in dessen Erdgeschoß eine Tankstelle untergebracht ist. Es könnte von der Lage her die neue Wache am Neupfarrplatz sein, aber die Häuser ähneln nur entfernt den Gebäuden, die am Neupfarrplatz anzutreffen sind. Auch hier gibt es jedoch einen großen, glatt und gleichmäßig gepflasterten Platz mitten in der Stadt, an den der Shop der Tankstelle unmittelbar angrenzt. Irgendein Plastikschild, das aussieht wie ein Stück Holz, liegt umgedreht auf dem Boden, so dass ich seine Beschriftung nicht lesen kann. Ich nehme mir vor, es später aufzusammeln. Meine Schicht hat bereits begonnen, und einige Kunden warten schon. Ich stürme an die Kasse hinter der Theke und bediene einen besonders ungeduldigen Kunden, der mir seufzend, als sei ich ein Vollidiot, seine Kundenkarte zur Bezahlung reicht. Als der erste Ansturm vorüber ist, kann ich mich um die Sauberkeit im Shop kümmern und die Vorräte auffüllen. Ich reiße eine Packung Milka Naps auf und schütte sie in eine Schachtel neben der Kasse. Diese Naps sind nur für das Personal gedacht. Offensichtlich besucht mich gerade ein Kollege oder der Chef, denn irgendjemand steht neben mir und äußert sich anerkennend darüber, dass ich auch die Milka Naps im Blick habe. Ich kontrolliere anschließend die im hinteren Teil des Gebäudes gelegenen Lagerräume und entdecke einen Raum mit einer großen, weißen Wanne, die auch als Dusche genutzt werden kann. Dieser Raum ist bis unter die Decke weiß gefliest und erinnert mich an einen Schlachtraum beim Metzger – an den Wänden hängen Wasserschläuche und große Plastikschürzen. Erst jetzt bemerke ich eine Schlange schwitzender Männer in Badehose, die alle duschen wollen. Ich bin so erbost darüber, dass ich zu ihnen sage: “Das ist hygienisch äußerst bedenklich. Ich werde euch alle anzeigen.” Die Männer, die ich anspreche, laufen zwar sehr schnell an mir vorbei und trocknen sich im Hinauslaufen ab, aber die Schlange reißt nicht ab. Es kommen immer noch Männer, die in der Wanne duschen wollen. Irgendwann stehe ich wieder auf dem Platz vor dem Shop und sammle herumliegende Papierfetzen ein, die den Platz verschmutzen könnten, und ich wundere mich, dass an der Tankstelle und im Shop kein Betrieb herrscht, obwohl beide mitten in der Stadt liegen. Wie auf ein Stichwort versuche ich, für einen Kunden in der Straßenbahn ein Ticket zu lösen, und fahre über mehrere Stationen aus der Stadt hinaus. Mein Chef wird zwar toben, dass ich während meiner Schicht die Tankstelle im Stich lasse, aber an der Endstation öffnet sich ein gewaltiges Panorama: nur wenige hundert Meter entfernt und zum Greifen nah erblicke ich eine mehrere Kilometer lange, massive Felswand, die steil in die Höhe ragt. Dahinter sind die ersten schneebedeckten Gipfel des Hochgebirges zu erahnen. Ich kann von hier aus, als würde ich durch ein Fernglas sehen, sogar einen Pfad erkennen, auf dem sich einige Wanderer abmühen. Aber dieser erste, überwältigende Eindruck hält nicht lange an, da tiefliegende Wolken einen Teil der Felswand und die Berge wieder verhüllen. Ich bin berauscht von dieser Weite und kann mich gar nicht an ihr sattsehen. Und dennoch sage ich mir, es wäre an der Zeit, wieder in die Stadt zurückzukehren.

Thema: Träume | Kommentare (1)
Meine Tags:

3 Worte

Donnerstag, 10. Juli 2008 22:02

Heute ist der Tag der Beiträge, deren Überschrift jeweils aus 3 Worten besteht: 1. Raus, raus, raus…. (der Flaneur), 2. Beute-Beute-Beute! (Jules) und 3. Sale Sale Sale (Hith), und in ihnen geht es jeweils darum, wie man Bestände auf der einen Seite reduziert und auf der anderen Seite (Achtung, jetzt kommt´s!) augmentiert. Ich gebe zu, ich war gestern auch noch in der Stadt und habe mir zwei neue Poloshirts zugelegt. Die Festplatte habe ich aber schon länger nicht mehr inspiziert.

Thema: Anderswo, Mediales | Kommentare (0)
Meine Tags:

Schieflage

Donnerstag, 10. Juli 2008 21:16

Wenn andere viel zu tun haben, dann gestatten sie sich mir gegenüber, sich unter Druck zu fühlen und gestresst zu sein, und das mit dem Brustton der Überzeugung und im vollen Recht. Auch eine patzige oder mürrische Antwort nehme ich unter diesen Umständen ohne große Worte hin, selbst wenn ich ihre Hilfe aus irgendwelchen Gründen gerade dringend bräuchte. Wenn ich viel zu tun habe, habe ich aus Sicht der anderen nicht gelernt, nein zu sagen. Und wenn ich, derart provoziert, dann tatsächlich nein sage, habe ich nicht gelernt, mir meine Zeit richtig einzuteilen. Oder ich verrate die Freundschaft, die nur ein Synonym für geschickt getarnte Ausbeutung ist. Fazit: Das Problem meiner Arbeitsbelastung ist immer nur ein psychologisches, kein “wirkliches” Problem. Die übervollen to-do-Listen sind nur faule Ausreden. “Achja, und schicken Sie mir das Protokoll doch bitte noch bis morgen zu.” Freie Zeit? Gar zum Sich-Erholen? Jaja, wichtig, bitte gerne doch. “Überstunden abbauen!!!!!!”, klebt das gelbe, höchstrichterliche Post-it auf der Stundenabrechnung. Und jetzt? Ausschlafen? Ein Eis essen? Schwimmen gehen? In der Sonne braten? Haha. Weit gefehlt. “Übrigens: könntest du nicht nächste Woche die Hecke schneiden? Du hast doch Urlaub?” Wer keine Beschäftigung hat (oder so wirkt, als hätte er welche), bekommt eine – verpasst. Ich darf mich schon dem Müßiggang ergeben, es darf nur niemand dabei zusehen. Das ist wie das Parkbank-Dilemma: kaum sitze ich auf einer, will auch schon ein anderer auf derselben Bank Platz nehmen. Was tun? Die Sache aussitzen? Aufstehen? Den Mitsitzer böse anstarren? (Das habe ich alles schon probiert; es interessiert den nach der Parkbank geifernden, spontan erholungsbedürftigen Menschen nicht die Bohne.) Mein Protest, dass ich jetzt doch bitte allein sein wolle, es gäbe noch genügend andere freie Parkbänke, zerschellt am debilen Dauergrinsen oder den unglaublichen Ausfällen meines Gegenübers. “Ist hier noch frei?” “Nein, ich will hier alleine sitzen.” “Das ist doch eine absolute Frechheit. So etwas lasse ich mir nicht bieten. Nein, gerade jetzt setze ich mich zu Ihnen.” Sprach´s, wuchtete sich in den Korbsessel und verschränkte die Arme, während ich, 20 Zentimeter von besagter Dame entfernt beinahe Ellenbogen an Ellebogen sitzend, mit vor Wut glühendem Kopf meinen Eisbecher verschlang. Ja, wäre sie doch nur 30 Jahre jünger gewesen. Aber sie war sich wohl damals schon treu bis zur Selbstaufgabe. Nun ja, wie gesagt: meine Reaktion war auch nicht gerade souverän. Da gibt es noch großen Nachholbedarf, der aber leicht aufzuholen sein düfte: ich bin ja Single und habe wirklich sehr, sehr viel Zeit.

Thema: Zeitlinien | Kommentare (0)
Meine Tags: