An der Tankstelle

Traum in Schwarzweiss: Ich gehe auf ein Kaufhaus zu, in dessen Erdgeschoß eine Tankstelle untergebracht ist. Es könnte von der Lage her die neue Wache am Neupfarrplatz sein, aber die Häuser ähneln nur entfernt den Gebäuden, die am Neupfarrplatz anzutreffen sind. Auch hier gibt es jedoch einen großen, glatt und gleichmäßig gepflasterten Platz mitten in der Stadt, an den der Shop der Tankstelle unmittelbar angrenzt. Irgendein Plastikschild, das aussieht wie ein Stück Holz, liegt umgedreht auf dem Boden, so dass ich seine Beschriftung nicht lesen kann. Ich nehme mir vor, es später aufzusammeln. Meine Schicht hat bereits begonnen, und einige Kunden warten schon. Ich stürme an die Kasse hinter der Theke und bediene einen besonders ungeduldigen Kunden, der mir seufzend, als sei ich ein Vollidiot, seine Kundenkarte zur Bezahlung reicht. Als der erste Ansturm vorüber ist, kann ich mich um die Sauberkeit im Shop kümmern und die Vorräte auffüllen. Ich reiße eine Packung Milka Naps auf und schütte sie in eine Schachtel neben der Kasse. Diese Naps sind nur für das Personal gedacht. Offensichtlich besucht mich gerade ein Kollege oder der Chef, denn irgendjemand steht neben mir und äußert sich anerkennend darüber, dass ich auch die Milka Naps im Blick habe. Ich kontrolliere anschließend die im hinteren Teil des Gebäudes gelegenen Lagerräume und entdecke einen Raum mit einer großen, weißen Wanne, die auch als Dusche genutzt werden kann. Dieser Raum ist bis unter die Decke weiß gefliest und erinnert mich an einen Schlachtraum beim Metzger – an den Wänden hängen Wasserschläuche und große Plastikschürzen. Erst jetzt bemerke ich eine Schlange schwitzender Männer in Badehose, die alle duschen wollen. Ich bin so erbost darüber, dass ich zu ihnen sage: „Das ist hygienisch äußerst bedenklich. Ich werde euch alle anzeigen.“ Die Männer, die ich anspreche, laufen zwar sehr schnell an mir vorbei und trocknen sich im Hinauslaufen ab, aber die Schlange reißt nicht ab. Es kommen immer noch Männer, die in der Wanne duschen wollen. Irgendwann stehe ich wieder auf dem Platz vor dem Shop und sammle herumliegende Papierfetzen ein, die den Platz verschmutzen könnten, und ich wundere mich, dass an der Tankstelle und im Shop kein Betrieb herrscht, obwohl beide mitten in der Stadt liegen. Wie auf ein Stichwort versuche ich, für einen Kunden in der Straßenbahn ein Ticket zu lösen, und fahre über mehrere Stationen aus der Stadt hinaus. Mein Chef wird zwar toben, dass ich während meiner Schicht die Tankstelle im Stich lasse, aber an der Endstation öffnet sich ein gewaltiges Panorama: nur wenige hundert Meter entfernt und zum Greifen nah erblicke ich eine mehrere Kilometer lange, massive Felswand, die steil in die Höhe ragt. Dahinter sind die ersten schneebedeckten Gipfel des Hochgebirges zu erahnen. Ich kann von hier aus, als würde ich durch ein Fernglas sehen, sogar einen Pfad erkennen, auf dem sich einige Wanderer abmühen. Aber dieser erste, überwältigende Eindruck hält nicht lange an, da tiefliegende Wolken einen Teil der Felswand und die Berge wieder verhüllen. Ich bin berauscht von dieser Weite und kann mich gar nicht an ihr sattsehen. Und dennoch sage ich mir, es wäre an der Zeit, wieder in die Stadt zurückzukehren.

Ein Gedanke zu „An der Tankstelle

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