Menschenversuche

Ich arbeite als Laborant in einer Forschungsstation, in der als hoch geheimes Projekt die nächste Stufe der menschlichen Evolution experimentell vorbereitet werden soll. Dazu dienen einerseits lebendige oder tote Menschen, deren DNA bestimmte Fehler aufweist, als auch Selbstversuche, die Wissenschaftler an sich selbst durchführen. In mehreren Räumen sind Bestrahlungsapparate untergebracht, die Genmutationen menschlichen Erbmaterials diagnostizieren, therapieren, bei einer Anpassung der Strahlendosis aber auch provozieren können. Um einiges vielversprechender scheint jedoch die Arbeit der Wissenschaftler im hinteren Trakt des Forschungsgebäudes zu sein. Hier sind die Untersuchungen schon so weit fortgeschritten, dass die Mutationen medikamentös ausgelöst werden können. Zufällig sitze ich im Pausenraum einer Versuchsperson, einem Wissenschaftler, gegenüber; seine Augenpartie zeigt ein merkwürdiges, hyperreales Strahlen und einen Silberblick, der mich irritiert. Er trägt einen dünnen,weißen und längs gestreiften Rollkragenpullover, einen weißen Laborkittel und hat eine sehr auffällige Kopfform. „Mit diesem Blick könntest du jemanden in den Wahnsinn treiben.“ Der Wissenschaftler schmunzelt dabei. Als ich hinter ihm stehe und er mir den Kopf zuwendet, sehe ich, dass seine Augen tatsächlich merkwürdig aufgequollen sind, gerade so, als würde er übergroße und sehr dicke Kontaktlinsen tragen. Auf der gesamten Station spüre ich eine fiebrige und intensive Arbeitsatmosphäre wie vor einem Durchbruch oder einer großen Katastrophe. Ich scheue mich, den hinteren Teil zu betreten. Gerüchteweise sollen dort nämlich auch schon Menschen herangezüchtet worden sein, die Gedanken anderer lesen und beeinflussen können.

Wenig später wird die Forschungsstation tatsächlich von Polizei und den Truppen der Regierung gestürmt, die allerdings mit ihren automatischen Schnellfeuergewehren wenig ausrichten können. Sie können zwar die Experimente stoppen und die Räume versiegeln, aber die Evolution, die hier in Gang gesetzt wurde, ist nicht mehr aufhalten. Ich sehe den Einsatzkräften bei ihrer Erstürmung zu. Aus dem oberen Stockwerk des Gebäudes der Foschungsstation kippt jemand pulverartige Sporen in verschiedenen Farben in den darunterliegenden Teich. Dort beginnen sie wild zu schäumen und neue Lebewesen hervorzubringen. Völlig gegen meinen Willen beginne ich plötzlich, die Sporen im Teich zu verteilen. Wenn sie von dort in die Kanalisation gelangten, wäre das der Super-GAU. Ich stehe mitten im Teich und betrachte die braune, schäumende Masse, als in mir plötzlich Übelkeit aufsteigt und ich mich krümmend vor Ekel wieder aus dem Teich winde.

Im dritten Teil meines Traums scheinen sich die Mutationen bereits flächendeckend fortgesetzt zu haben. Ich werde jetzt für Botendienste der Regierung eingesetzt und stehe als ehemaliger Mitarbeiter der Station unter ständiger Beobachtung. Als ich an einem Parkplatz ein Toilettenhäuschen betrete, in der ein Wandschrank steht, sehe ich die Chance, meine unsichtbaren Verfolger abzuschütteln. Ich räume den verglasten Wandschrank aus und verstecke mich selbst darin. Oben kann ich noch durch das Glas hindurch sehen, wer sich im Toilettenraum befindet. Seltsamerweise habe ich aber auch die vorbeifahrenden Fahrzeuge und den Parkplatz im Blick. Als ein Polizeifahrzeug vorbeifährt, hoffe ich, dass sich mein Versteck bewährt. Aber der Vorhang vor dem Glas ist plötzlich viel zu klein, und ich kann mich nicht mehr sicher fühlen. Ich verlasse den Schrank wieder, um nach einem neuen Versteck zu suchen.

Assoziationen: X-Men, eine Sendung von BR-Alpha über Nutrigenomik, Spore (ein neues Spiel von EA-Games), Röntgenabteilung UKR

2 Gedanken zu „Menschenversuche

  1. Ja, das stimmt. Nach den turbulenten letzten Traumtagen, nach denen ich immer wie erschlagen aufgewacht bin, wären mir im Moment aber ganz unspektakuläre Träume und Nächte lieber. LG, WilderKaiser

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