Big in Japan

„Tiefe Liebe besteht darin, die geheime Liebe nicht zu offenbaren, bis man stirbt, und den Geliebten im sterbenden Herzen immer noch zu lieben.“ Tsunetomo Yamamoto: Hagakure

Was in aller Welt hat es zu bedeuten, von einem hochrangigen Manager eines japanischen Industriekonzerns mit einem Tuch beschenkt zu werden? Das Geschenk war noch dazu interessant verpackt: die Faltung war nicht symmetrisch und gerade und langweilig, sondern quer über das Eck. Alles ist in Japan ein Symbol und gleichzeitig ein Rätsel, tiefgründig und faszinierend. Ich hoffe, dass sie mein Feedback und ihre mit der Digitalkamera geschossenen Bilder wirklich für eine Verbesserung ihrer Produkte nutzen und nicht nur an einer bloßen Imitation interessiert sind. Die heutige Präsentation läßt jedoch hoffen.

Überraschend war auch das überwältigende Geschenkefeuerwerk von Mme. Jekylla, das sie mir Ende Oktober per Post zukommen ließ. Schande über mich, dass ich erst jetzt ihren Einsatz würdigen kann. Nicht nur, dass dem Paket eine handgeschriebene Postkarte beilag, nein, auch der Film „Wall-E“, das Buch „Mein fast perfektes Leben“ von Jonathan Tropper („Hackbratenhase“) und last but not least Max, der Bär, waren darin enthalten. Nicht zu vergessen natürlich eine Packung der Müslimischung „Jekylla Tropical“, die ich teils pur, teils mit Milch genossen habe. Max ziert sich zur Zeit ein bißchen und guckt auf allen Fotos, die ich von ihm zu machen versuche, zu Unrecht furchtbar grimmig drein. Dann eben nicht. Aber an dieser Stelle ein ganz, ganz furchtbar großes Dankeschön an die edle Spenderin. Es kam wie immer zum richtigen Zeitpunkt.

Und Max bewacht seither unentwegt mein Sideboard.

Neuigkeiten

Bis auf die Tatsache, dass ich gestern mitten im Schneegestöber mit dem Rad zum Einkaufen fahren musste, zwecks fehlender Scheibenwischer an meinen Brillengläsern den Gehweg küsste, bei dieser Gelegenheit meinen Zimmerschlüssel verlor und nach einem Telefonat mit einem x-beliebigen Aufsperrdienst von zwei russisch-uigurischen Männern besucht wurde, die vorher bei Inkasso Moskau gearbeitet hatten und mir nun gegen ein horrendes Entgelt die Türe öffneten, ist alles grande bei mir. Fast. Denn der Schlüssel blieb gestern und heute trotz intensivster Suche unauffindbar.

Der Besuch der Medica 2008 letzte Woche hat sich jedenfalls für mich persönlich gelohnt. Am Freitag platzte ich in die Planung eines Kongresses und nahm nach einer bühnenreifen Vorstellung huldvoll meine offizielle Ernennung zum Referenten entgegen, der im September 2009 in Köln vor einem Fachpublikum einen Vortrag über Software in Medizinprodukten aus Sicht des Anwenders halten darf. Ich glaube, langsam entwickeln sich die Dinge in die gewünschte Richtung. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie ich diese frohe Botschaft am schonendsten meinem Chef beibringen kann, ohne dass er sich in seiner Eitelkeit gekränkt fühlt.

Nicht ganz auf unfreiwillige Komik verzichtete letzte Woche die Deutsche Bahn, mit der ich wieder einmal stunden- und tagelang unterwegs war. Der Regionalexpress von Bonn nach Emmerich über Düsseldorf war wegen der Messebesucher erwartungsgemäß brechend voll. 1. Ansage des Zugführers: „Der Zug bleibt jetzt so lange stehen, bis die Hälfte der Passagiere ausgestiegen ist.“ 2. Ansage des Zugführers: „Wegen uneinsichtiger Passagiere haben wir aktuell 20 Minuten Verspätung.“ Ja, Frechheit, dass alle mit der Bahn fahren wollen! Wo kommen wir da hin!

Die tausend anderen Kleinigkeiten, die mich zur Zeit beschäftigen, unterschlage ich an dieser Stelle besser. Nur soviel: meine Weiterbildung beginnt mich wegen der Teilnehmer, der Dozenten und der Organisation drumherum richtig zu nerven. Und privat und persönlich so weiß ich momentan auch nicht so recht, wie es weitergehen soll. Also wieder einmal warten. Auf Ergebnisse, Noten, Anstöße. Mit dem Papierwust nebenher könnte ich jetzt schon ein eigenes Sekretariat beschäftigen.