Noch jemand buchlos?

Frau Jules löst einen winzigen Bruchteil ihrer gigantischen Bibliothek* auf, um Platz zu schaffen. Wer also selbst noch in Kürze heimatlose Bücher* bei sich zuhause aufnehmen will, kann dies zu äußerst günstigen Konditionen hier tun. Die Liste ist jedenfalls gespickt voll mit 225 lesenswerten Titeln.

(*Spontane Assoziationen zu Elias Canettis „Die Blendung“ sind völlig unbeabsichtigt.)

Mein Fazit 2008

„Ich drehe den Spieß innerlich um: Nicht ich stehe der Situation zur Verfügung, sondern die gesamte Situation steht ab sofort mir zur Verfügung.“ Olaf Jacobsen

  • Ich habe gelernt, einseitige Beziehungen rasch und kompromisslos zu beenden (ein weiterer Schritt dazu, im entscheidenden Augenblick nein zu sagen). Anderes habe ich dagegen gründlich wieder vergessen.
  • Mein 30-seitiger Beitrag „Medizinprodukterecht aus Sicht des Betreibers – eine Herausforderung für das Qualitätsmanagement (Teil 1)“ wurde im Dezember im Nachschlagewerk „Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen“ der TÜV Media GmbH Köln veröffentlicht.
  • Ich habe das Gefühl, allmählich als Experte anerkannt zu werden. Das kann aber auch einen erheblichen Nachteil bedeuten: nämlich dann, wenn ich dadurch gezwungen bin, meine zeitlichen Ressourcen sinnvoll einzusetzen und abzuarbeitende Dinge streng zu priorisieren. Die wahren Zeitfresser liegen schließlich in der Vor- und Nachbereitung von Projekten. Und am Abend bin ich nach einem Besprechungsmarathon oft so leer, dass ich selbst bei größter Disziplin und Konzentration nur noch fehlerhafte Berichte schreibe.
  • Die Prüfungen für die „Handlungsfeldübergreifende Qualifikation“ als Fachwirt liegen hinter mir. Ich habe alle drei Prüfungsteile bestanden, wenn auch nicht so glanzvoll, wie es andere vorhergesagt hatten. Geprüft wurden: 1. Aspekte der Volks- und Betriebswirtschaft, Recht und Steuern; 2. Unternehmensführung, Controlling und Rechnungswesen; 3. Personalwirtschaft, Informationsmanagement und Kommunikation. Meine Punktzahl verteilt sich wie folgt: 1. 70, 2. 87 und 3. 79 von jeweils 100 Punkten. Ich hätte mehr Zeit in meine persönliche Vorbereitung investieren müssen, um besser abzuschneiden. Kurz vor der Prüfung gab ich jedoch anderen Kursteilnehmern noch Nachhilfeunterricht (in Rechnungswesen, wo sonst! *g*).
  • Hinter einigen persönlichen, aber auch beruflich bedingten Begegnungen steht noch mehr als ein Fragezeichen. Ich bin gespannt, wie sich manche Kontakte, die ich in diesem Jahr geknüpft habe, im nächsten Jahr entwickeln werden.
  • Mein Einzelkämpferdasein fand 2008 definitiv ein Ende. Und die neue Bürogemeinschaft hatte für mich persönlich viele positive Effekte.
  • Ich bekam die gewünschte Unterstützung in Form einer studentischen Hilfskraft. Die Arbeit mit ihr ist aber oft ein Drahtseilakt zwischen Sympathie und Pflicht.

Vielleicht gelingt es mir ja 2009, den oft vermissten, kleinen Glücksmomenten mehr von der Zeit einzuräumen, die sie brauchen, um sich zu entfalten.

Verkauf der Partnerin

Ich haste eine Treppe zu einer Freiterrasse hoch, die sich außen um ein Gebäude schlängelt. Es ist ein modernes, lichtdurchflutetes Gebäude, das im Inneren ein großzügig geschnittenes Restaurant beherbergt. Das Restaurant ist überfüllt und bis auf den letzten Platz mit Leuten besetzt, die ich aus der Arbeit zu kennen scheine. Der Sonnenschutz besteht aus vor den riesigen Glasflächen aufgehängten Lamellen aus hellem Holz. Auch die Bohlen der Freiterrasse, die dort stehenden Tische und Stühle sind aus denselbem Holz gefertigt. Auf der Freiterrasse treffe ich auch zwei elegant in Frack gekleidete Herren mit Zylinder, die eher in das London des 19. Jahrhunderts als hierher zu passen scheinen. Sie wollen mir einen Kredit in Höhe von einer Million Euro anbieten, dessen Konditionen ich nun mit ihnen aushandeln will. Die berufliche Zukunft der anwesenden Menschen hängt davon ab, ob ich diesen Kredit bewilligt bekomme, und sie sind während der Unterhaltung mit halbem Ohr anwesend. Die beiden Herren eröffnen das Gespräch sehr herablassend: „Was wollen Sie denn haben?“ „Eine Million“, antworte ich Ihnen. „Nun, Sie können aber auch weit mehr haben.“ „Gut“, sage ich, „drei Millionen“ und strecke Ihnen meine Hand hin, um das Geschäft zu besiegeln. Einer der beiden schlägt schlaff ein. „Nun zu den Konditionen. Was verlangen Sie?“ Ich stehe noch immer am Tisch und habe mich nicht gesetzt. Ich bin voller Schwung und überschlage im Kopf schon die Kosten für die Zinsen, die ich im nächsten Augenblick erfahren werde. Die beiden Herren zieren sich. „Wir wollen nun, äh, Ihre Partnerin.“ Und nach einer Pause: „Es wäre natürlich sehr hilfreich für uns, wenn die Trennung von Ihnen ausgehen würde.“ „Wie in aller Welt kommen Sie denn darauf, dass Sie sich Ihnen in die Arme wirft, nachdem ich mich von ihr getrennt habe?“ Ich denke fieberhaft darüber nach, ob ich nun tatsächlich meine Partnerin verkauft habe und ob das überhaupt möglich ist, während ich mich mit den beiden Herren unterhalte. An dieser Stelle wache ich auf.

Der Ausflug ins Gebirge

„Ich weiß nicht“, rief ich ohne Klang, „ich weiß ja nicht. Wenn niemand kommt, dann kommt eben niemand. Ich habe niemandem etwas Böses getan, niemand hat mir Böses getan, niemand aber will mir helfen. Lauter Niemand. Aber so ist es doch nicht. Nur dass mir niemand hilft -, sonst wäre lauter Niemand hübsch. Ich würde ganz gern – warum denn nicht – einen Ausflug mit einer Gesellschaft von lauter Niemand machen. Natürlich ins Gebirge, wohin denn sonst? Wie sich diese Niemande aneinanderdrängen, diese vielen quergestreckten und eingehängten Arme, diese vielen Füße, durch winzige Schritte getrennt! Versteht sich, dass alle in Frack sind. Wir gehen so lala, der Wind fährt durch die Lücken, die wir und unsere Gliedmaßen offen lassen. Die Hälse werden im Gebirge frei! Es ist ein Wunder, dass wir nicht singen.“

Franz Kafka

Wichtelio

Da ich an der Wichtelaktion von Herrn Hollemann teilgenommen habe, wird es jetzt langsam höchste Eisenbahn, auch den Wichtelbeitrag eines mir zugelosten Wichtels zu veröffentlichen…nun denn: wilderkaiserblog proudly presents…

Nun ist es wieder so weit
Für die jährliche Weihnachtszeit,
Diesmal sind es Blogger und kein Weihnachtsmann
Und Grüße in Bytes auf der Datenautobahn.

Wer früher eine Karte versandt
Hält heute eine Maus in der Hand.
Doch die Gedanken sind noch gleich
Und man geht ja auch mit der Zeit.

Bevor wir alle werden zu Glas
Hier noch ein letzter, digitaler Spaß:
Mit den besten Wünschen und Gedanken
Ohne Grenzen, ohne Schranken.

Drum dir und allen, die das sehen
Frohe Weihnachten und den besten Bloggersegen.
Auf dass wir bloggen auch in 2009
Und uns auf das nächste Blogwichteln freun.

Ich muss sagen, über die Glaswerdung des Menschen habe ich bisher auch noch nicht so genau nachgedacht. Auf jeden Fall originell…vielen Dank, lieber unbekannter Wichtel. Und ich entschuldige mich dafür, dass es bis zur Veröffentlichung so lange gedauert hat.