Das Hotel und der Schalter

Ich habe in einem ungewöhnlichen Hotel Quartier bezogen, dessen Gänge gewunden und sehr eng sind. In einem matt beleuchteten Gang steht mitten auf dem roten Teppich eine Säule, an der ich mich nur mit größter Mühe und Not vorbeiquetschen kann. Leider muss ich, um zu meinem Trakt zu gelangen, immer diesen Gang benutzen. Ich habe außerdem die Aufgabe, einen Schalter zu betätigen, der in einer kleinen und versteckten Nische in einem Quergang untergebracht ist. Mit dem ersten Schalter kann ich die elektrische Versorgung eines anderen Bauteils an- und wieder ausschalten, während ich mit dem zweiten verschiedene bläuliche Licht – und elektrische Effekte erzeugen kann. Kurz darauf erfahre ich auch, dass diese Effekte in einem museumsähnlichen Saal zu Schau gestellt werden. Der Hotelbesitzer hat einen Vertrag mit einem Werbeunternehmen abgeschlossen, in dessen Werbekonzept ich eine tragende Rolle spiele. Ich soll einige Bekannte einladen und sie, ohne dass sie mich sehen können, in diesen Saal lotsen, in dem sie auf mich warten und die Lichteffekte bestaunen sollen. Gleichzeitig soll ich Ihnen das Gefühl vermitteln, ich befände mich bereits unter ihnen, bis ich leibhaftig vor ihnen erscheine. Diese Sequenz mit der abschließenden Überraschung wird filmisch festgehalten und dient als Grundlage für den Werbetrailer eines Luxusprodukts. Als Gegenleistung darf ich umsonst in diesem Hotel nächtigen. Zweimal hintereinander läuft alles tatsächlich so ab, wie es das arg umständliche Drehbuch vorsieht – meine Bekannten strömen aus einer dunklen, kalten und sehr großen Vorhalle in den Saal, ich betätige die Schalter und laufe dann selbst zum Saal, um sie zu begrüßen. Beim dritten Mal jedoch ist es wie verhext – ich komme viel zu spät zum Schalter. Wie um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, drücke ich ihn zu oft und zu heftig. Das Metallgehäuse, in das der Schalter eingelassen ist, löst sich aus der Wand. Dahinter befinden sich die Kabel und ein beleuchteter Hohlraum mit einem Zettel – ein Vertrag, den der Hotelbesitzer aufgesetzt hat. Mit Bleistift hat er darauf den Betrag festgehalten, mit dem meine Unkosten beglichen werden sollen, nämlich 10 Euro für jede Betätigung des Schalters. Als ich das lese, steigt langsam Wut in mir hoch. Ich wußte nicht, dass ihm meine Mitwirkung so wenig wert ist. Dennoch haste ich zum Saal, um zu retten, was noch zu retten ist. Aus dem Saal strömen mir jedoch schon hustend meine Bekannten entgegen. Eine mir unbekannte, junge Frau sieht mich an und meint: „Geh besser nicht hinein…“

An der Rezeption unterhalte ich mich mit den Empfangsdamen. Die Dame links von mir trägt ein rotes, wadenlanges Kleid, während ihre Kollegin mit einem Top aus denselbem Stoff bekleidet ist. Ihre Oberkörper gleichen sich deswegen bis in die Details – sogar das Dekollete der beiden Damen ist nicht zu unterscheiden. Ich kann mich vom Anblick ihrer Brüste, die sich unter der Kleidung abzeichnen, nicht losreißen und bin sehr verwirrt.

Assoziationen: Milgram-Experiment, atmosphärisch stark an den Film „A beautiful mind“ erinnernd

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