Geburtstagstraum: Der Betrug

Zwei Kollegen bieten mir und meiner Familie Finanzgeschäfte an, die auf den ersten Blick attraktive Renditen versprechen. Ich vertrete dabei meine Familienmitglieder und unterschreibe die Verträge, die mir vorgelegt werden. Die Transaktionen enden jedoch schon nach kurzer Zeit im Totalverlust. Nachdem so das Geld meiner Großmutter und das meiner Mutter verloren gegangen ist, soll ich aus eigener Tasche neues Geld nachschießen, um weitere absehbare Verluste auszugleichen. Dem Kollegen, der mich „betreut“, drohe ich eine Anzeige des zweiten Kollegen an, der im Hintergrund die Strippen zieht, und weigere mich, noch mehr Geld zu investieren. Er wirkt dabei verunsichert und weist mich vage darauf hin, dass der zweite Kollege darüber nicht gerade erfreut sein dürfte. Als ich diesem zweiten Kollegen nach einigen Ausweichmanövern begegne – der im Übrigen dem äußerst zudringlichen und unsympathischen B. ähnelt – und er sich auf mich stürzen will, um eine unnötige Diskussion zu beginnen, schnauze ich ihn mit den Worten an: „Wenn du dich mir nur auf zwei Meter näherst, zeige ich dich wegen Nötigung an.“ Er sieht mich ungläubig an und stammelt dann: „Nein, das tust du ja doch nicht.“ Er ahnt nicht, wie ernst es mir mit meinem Vorhaben ist. Zur Sicherheit lasse ich mir von der Rezeptionistin vor dem Eingang des Hotels, in dem ich gerade übernachte, den Weg zur nächsten Polizeistation beschreiben. Diese ist in einem Zelt untergebracht und liegt nur einige hundert Meter entfernt an einer staubigen Feldstraße, die vom Hoteleingang zur nächsten Ortschaft führt. Auf dem Weg dorthin wird es allmählich stockdunkel. Als ich von außen mit der flachen Hand auf die grüne Zeltplane schlage, um mich bemerkbar zu machen, wird eine Art Eingang von einem Polizisten geöffnet, der mich fragt, was ich denn wolle. Ich höre nur seine Stimme und sehe seine blankgeputzten schwarzen Stiefel auf Augenhöhe, da der Boden des Zelts etwa zwei Meter erhöht ist. „Ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin“, antworte ich und schildere dem Polizisten umständlich mein Problem. Ich habe Angst, man könnte mich wieder heimschicken; schließlich bin ich an den Vorfällen nicht ganz unschuldig. „Nein, hier sind Sie genau richtig, wir haben gerade einen Spezialisten für Betrugsfälle bei uns.“ Ich bin erleichtert und steige eine Holztreppe zum Zelt hoch. Und schon begrüßt mich dieser Spezialist, der vom Nikotin gelb verfärbte Zähne hat, einen zerknitterten Trenchcoat sowie eine schwarze Hornbrille trägt und einen aus dem Mund fließenden Speichelfaden bei sich zu behalten versucht. Er ist äußerst eifrig und geleitet mich zu einem Tisch in der Polizeistation, die im Inneren sehr an ein überfülltes, stickiges Bierzelt erinnert. Plötzlich tanzt ein kleines Mädchen vor mir her und bedeutet mir, mich auf einen bestimmten Platz zu setzen. Als seine Mutter es ermahnt – „Du blockierst ja alles, siehst du denn nicht, dass alle Leute hier vorbeiwollen!“ – verschwindet es wieder, nicht ohne mich darauf hinzuweisen, dass es mich später noch einmal zu sehen wünsche: „Kis-sen! Kis-sen!“ Ich verstehe „Küssen“, was mir sehr peinlich ist. Der Spezialist für Betrugsfälle sitzt schließlich rechts neben mir an der Längsseite des Tischs und mustert mich aufmerksam bei den Abschiedsworten des kleinen Mädchens.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.