Maximale Demotivation
Montag, 14. September 2009 19:30
Wer Führung wirklich ernst nimmt, kommt nicht umhin, sich auch mal an der dunklen Seite der Macht zu berauschen. Da werden Mitarbeiter schon mal blamiert, dass die sich fühlen wie ein angeschossenes Reh auf einer Treibjagd. Oder man erfindet ein besonderes Prozedere der Demütigung, das zwar aussieht wie sanfter Sarkasmus und von keinem noch so sozial eingestellten Betriebsrat der Welt sanktionsfähig wäre, aber auf den Mitarbeiter-Crash-Test-Dummy wirkt wie ein Geschwindigkeitswechsel von 280 auf 0 in einer Sekunde. Auch wenn in schönfrisierten Managementseminaren etwas anderes gelehrt werden sollte: was immer Not tut, ist gutes, altes, tradiertes Herrschaftswissen, in Jahrhunderten gereift wie guter Wein. Das Arbeitstier im Team sollte man schon ab und zu darauf hinweisen, dass seine Arbeit keine besondere intellektuelle Herausforderung darstellt. Der Ehrgeizige bekommt seine Grenzen aufgezeigt, wenn man ihm zu verstehen gibt, dass man ihm im eigenen Bereich leider keine Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bieten könne. Wer glaubt, auch in der Freizeit für seine Firma zur Verfügung stehen zu müssen und sich auch noch erdreistet, den Chef darauf hinzuweisen, dem berichte man stundenlang ohne Punkt und Komma über die eigenen Freizeitnöte als Führungskraft und über die lukrativen Nebentätigkeiten, denen man nachgeht. Die Botschaft muss sein: ich weiß mehr, ich kann mehr, ich bin mehr, ich habe mehr. Damit sie jeder begreift, muss sie dem lernunwilligen Gefolge solange in die Köpfe gehämmert werden, bis dieses schon bei einem seltsamen Blick vor Schmerz aufschreit. Die Objekte der Beweisführung – Auto, Familie, Haus, PC, Kontakte – sind dabei zweitrangig. Wenn nach erfolgreicher Indoktrination die Produktivität im Team endlich abstürzt, kann man sich bestätigt fühlen. Zur maximalen Demotivation genügt es in diesem Moment, sich selbst als Vorbild hinzustellen. Warum nicht ein paar Tage von dem höllischen Stress der Führungsarbeit frei nehmen? Die Arbeit ist schließlich getan. In aller Seelenruhe darf man darauf vertrauen, dass die Hydra der Kreativität besiegt ist und nie mehr ihr häßliches Haupt aus der Masse der Normalität erhebt.
Thema: Desorganisation |
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