Allein und zu zweit

Ich warte in einem belebten Raum – vielleicht eine Art Empfangsbereich in einem Flughafen oder Hotel – zwischen meinen Gepäckstücken auf eine bestimmte Person, die aber nicht oder nie mehr kommt. Meine beiden Begleiter sehen mich mit verstohlenen, mitleidigen Blicken an, so als ob mein Warten etwas gänzlich Sinnloses sei. Ich bin aber von einer Reise viel zu erschöpft, um auf ihre Blicke zu reagieren. Statt dessen schlafe ich auf einer Holzbank ein und erwache mitten in der Nacht wieder. Die Person, auf die ich gewartet habe, ist nicht erschienen, und ich schleppe mich zu einem freien Holztisch in einem sehr großen, halbdunklen Saal, um dort meinen Laptop in Betrieb zu nehmen. Über dem Empfangstresen brennt zwar Licht, das den Saal ein wenig erhellt, aber selbst meine Begleiter sind mittlerweile verschwunden. Ich fühle mich verlassen und hoffnungslos, fast wie ein ausgesetztes Kind.

Wenig später sitze ich mitten im lauten, ohrenbetäubenden Getümmel eines Schulungsraums, den ich während der Pause verlasse. Einige Schritte entfernt wartet eine Frau auf mich, die sich an den Kühler und die Motorhaube eines hellblauen Oldtimers lehnt. Erst jetzt bemerke ich, dass es sich bei der Frau um Zucker handelt. Ich stelle mich zunächst wortlos neben sie, aber ihr Gesicht wirkt auf mich so hinreißend, dass sie küssen muss (Ist es wirklich Zucker? Oder nur eine Animagestalt, die ihre Gesichter nach Belieben wechseln kann? Ich bin etwas verwirrt, aber nur ganz oberflächlich; in einer sehr viel tieferen Schicht meines Wesens erkenne ich in ihr mein Gegenstück. Auch nach unserem Kuss verliere ich sie immer wieder ganz oder teilweise aus meinem Blickfeld, empfinde aber überdeutlich ihre Gegenwart.) Ich ziehe sie stürmisch an mich und greife in ihre blonden Haare. Und obwohl sie zunächst eine Schnute zieht und mir nur die Wange hinhält, als wolle sie mich abweisen, ist es doch nur ein Spiel. Nach kurzer Zeit erwidert sie mit einem innerlichen Lächeln meine leidenschaftlichen Küsse, und ihre Stimme sagt in meinem Kopf: „Endlich ist es so, wie es immer sein sollte, aber bis jetzt nie war.“ Gemeinsam gehen wir wieder in den Schulungsraum zurück, und ich strahle vor Zufriedenheit, weil ich Zucker vorher noch nie so glücklich erlebt habe.

4 Gedanken zu „Allein und zu zweit

  1. Vielleicht war es dein eigener…darauf habe ich mich ja im Traum nicht konzentrieren können, so abgelenkt wie ich war. Aber es war ein schnittiger Sportwagen, das weiß ich noch. *gg*

  2. Ja, so könnte man das sehen…halb zog sie ihn, halb sank er hin…gerade dass ich diesem Impuls nachgeben musste, war ja das Schöne daran. Als würde ein seelischer Knoten platzen.

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