Wind of change

„Überall weht er, nur nicht bei mir…“ Das fiel mir unwillkürlich vor wenigen Wochen ein, als ich in der Nähe von Fulda einen kleinen Abendspaziergang unternahm und die sich drehenden Windräder betrachtete. Knapp zwei Wochen später erhielt ich das Angebot, in eine andere Abteilung zu wechseln. Ich sagte ohne Bedenkzeit sofort zu, meldete mich zur nächsten Stufe meiner berufsbegleitenden Weiterbildung an und reaktivierte einen lange unterbrochenen Kontakt zu einem Menschen, der mir sehr viel bedeutet. Die aufkeimenden Zweifel und das Gefühl, die Tür zu einer vielversprechenden Zukunft aufgestoßen zu haben, verwandelten mein Gefühlsleben in eine Achterbahnfahrt. Ich merke deutlich, dass ich momentan sehr viel Zeit ich für mich selbst brauche, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen und mich an die neuen Perspektiven zu gewöhnen. Ich ziehe mich unbemerkt, aber stetig von anderen zurück, und es gibt derzeit niemanden, dem das auch nur ein bißchen auffallen würde. Es mag zwar jetzt der Samen gelegt worden sein, aber es ist noch nichts entschieden und kaum mehr als eine Möglichkeit. Ich kann selbst fast nichts dafür tun, dass sich die Möglichkeiten in handfeste Realität verwandeln. Mit meinen Verträgen als freiberuflicher Dozent ergeht es mir bei verschiedenen Bildungsträgern ähnlich – die Termine für die Seminare sind bis Ende 2011 fixiert, ich sitze regelmäßig ein paar Stunden über meinen Präsentationen, aber sobald die Veranstaltungen in greifbare Nähe rücken, erhalte ich einen Anruf, dass die Kurse aufgrund einer zu geringen Teilnehmerzahl abgesagt werden müssen. Auf diese Weise bin ich zwar mit umfangreichen Vorbereitungen beschäftigt, sehe aber kein Geld dafür.

Warum tut man eigentlich etwas? Aufgrund des Renomees, um einen bestimmten Status zu erreichen, und sei es der des Vielbeschäftigten, um Geld zu verdienen, um konsumieren zu können, oder – im unwahrscheinlichsten Fall – wegen der Sache selbst und der Menschen, denen man mit seiner Arbeit helfen kann? Mein zukünftiges Aufgabenfeld kommt meinen Fähigkeiten in vielerlei Hinsicht entgegen, es liegt mir, ich freue mich darauf, meine Expertise ist gesucht (an dieser Stelle nur soviel: es hängt sehr eng mit dem Einkauf von Investitionsgütern zusammen). Nur mein derzeitiger Chef weiß nicht, an wen er meine momentanen Aufgaben delegieren soll. Meine Stelle soll seinen Vorstellungen zufolge jedenfalls nicht mehr weitergeführt werden, und schon gar nicht in seiner Abteilung. Es wäre wohl auch problematisch, die Stelle intern oder extern nachzubesetzen, ohne die Vergütung deutlich anzuheben, vom speziellen Wissen, das man dafür benötigt, ganz zu schweigen. Für mich selbst kam es anscheinend überhaupt nicht in Frage, mehr Geld zu erhalten, auch nicht nach dem Abschluss meiner Weiterbildung im Januar – und das, obwohl ich davon ausgegangen bin, dass das mit meinem Chef so vereinbart und kaum mehr als eine Formsache sei. Das Geschrei und die Aufregung sind jetzt natürlich bei allen um so größer. Auch dass ich nach meinem Abschluss nicht stehen bleiben, sondern mich weiterqualifizieren will, wurde ausführlich besprochen. Mich wundert es, dass mein Chef erst jetzt zu bemerken scheint, dass ich mich damit eindeutig in eine kaufmännische Richtung bewege, um so mehr, als er mir diese anschließende Weiterbildung im Mitarbeitergespräch vor vier Monaten ausdrücklich empfohlen hat. Natürlich ist auch sie eine Wette auf die Zukunft, mit ungewissem Ausgang.

Unsicherheit und Angst: so viele Änderungen wollte ich gar nicht. Er kann wieder aufhören zu wehen. Nur werde ich meinen Willen nicht bekommen, ohne Widerstand herauszufordern. Was ich will, weiß ich ganz genau: mein Stück vom Kuchen. Meine Vision ist es nicht, jemandem etwas wegzunehmen oder jemanden zu verletzen. Nur werde ich nicht mehr andere darüber bestimmen lassen, was mir zusteht oder nicht. Ich kann auch kämpfen. Endlich.

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