Quo vadis, SPD?

Blogkarneval kleinVertrauensverlust bei den Wählern, rasanter Mitgliederschwund, wenig profiliertes politisches Personal: keine Frage, die Situation der SPD ist derzeit wenig erfreulich. Selbst von der eher müden Performance des Koalitionspartners und dem Hauen und Stechen bei den Christsozialen kann sie kaum profitieren. Wie auch: die CDU ist immer schon da, wo die SPD erst hinwill und gewinnt immer mehr an sozialer Kompetenz – so wie in der Familienpolitik. Aber was sind die Gründe für die Krise der SPD? Zunächst bleibt festzustellen, dass die Regierungszeit unter Kanzler Schröder der SPD weitaus mehr geschadet hat als sie selbst sich das eingestehen will. Der lange Schatten Schröders legt sich wie Mehltau über alle politischen Projekte der SPD und hemmt die Hoffnungen auf einen Neuanfang. Der Vertrauensbruch mit der klassischen SPD-Klientel, von Schröder aus vielerlei Gründen gesucht und mit aller Härte vollzogen, ist noch lange nicht verziehen und treibt die Wähler in Scharen in die Arme der Protestparteien am linken und rechten Rand. Dass die Verschmelzung der WASG mit der Linkspartei nun so überraschend schnell vonstatten geht, zeigt ganz deutlich, dass in diesem Spektrum noch Potential vorhanden ist und die neue Partei vor Kraft kaum laufen kann. Das Bild vom allgegenwärtigen und fürsorglichen Sozialstaat, das Kohl eindrucksvoll verkörperte und einst ungeheure Anziehungskraft besaß, wurde durch die Ökonomisierung der Politik unter Schröder ins Gegenteil verkehrt. Noch deutlicher: am Ende des Wiedervereinigungsprozesses stand Hartz IV. Weiterlesen

Wattn und Schafkopfen

Beim Wattn gibt es drei Haupttrümpfe: den Max, den Belle und den Soach. Belle ist auch ein anderes Wort für den Kopf: „Baas auf dein´n Belle af!“ heißt soviel wie: „Stoss dich nicht mit dem Kopf!“ – wörtlich: „Pass auf deinen Schädel auf!“. Das Wattn ist, wie richtig vermutet, ein bayerisches Traditionsspiel. Hauptziel ist es, die gegnerische Partei möglichst einfallsreich über den Tisch zu ziehen. Es dient daher in erster Linie zur geselligen Unterhaltung und entgleitet ab und zu in das schenkelklopfende, krachlederne Milieu. Advanced bavarians spielen Schafkopfen und verachten Hauben, Maschinen und Eisenbahner. Wenn also in einem Wirtshaus vier gestandene Mannsbilder schweigend, mit verkniffenen Gesichtern und Karten in der Hand um einen Tisch sitzen, spielen sie meistens Schafkopf. Wenn der Bayer denkt, sagt er nichts. Beim Schafkopfen muss der Bayer viel denken, weil er, ausgehend von seinem Blatt und dem Spiel der anderen, die Karten der Mitspieler richtig vorhersagen muss. Es entsteht dabei eine solche Informationsdichte, dass die Verarbeitungskapazität strukturell bedingt schnell an ihre Grenzen stößt. Dieser Widerspruch zwischen gemeinsamem Tun, nämlich Schafkopfen, und Reduzierung der Kommunikation könnte schlichtere und weniger philosophisch veranlagte Gemüter zum Lachen reizen. Tatsache ist auch, dass sich unter den Schafkopfspielern überproportional viele Männer finden, was logisch sehr leicht nachvollziehbar ist. Zusammen mit ihrem übermäßigem Weißbierkonsum haben diese Männerrunden nämlich eine leicht pittoreske Anmutung.

Am besten

Am besten versehe ich dieses Blog mit einem Passwortschutz und gebe es an niemanden weiter. Am besten stelle ich das Kommentieren bei anderen ein. Am besten schreibe ich keine e-mails mehr. Am besten ziehe ich die Vorhänge zu, schließe die Türe ab und lasse mich vom Pizzaboten beliefern. Vielleicht kann ich dann verhindern, dass andere mein Vorhandensein mitbekommen. Und deswegen gleich laut werden und explodieren. Es kann sein, dass ich manchmal naive, blöde und dumme Ansichten vertrete, aber ICH WILL EUCH NICHTS BÖSES! Ehrlich.

Gequälte Töne aus dem Laptop

Mein gutes Teil zeigt erste Ermüdungserscheinungen und hat den jahrelangen Funkenflug der Tastatur nicht besonders gut überstanden. Große Sorgen macht mir die Soundausgabe: die Lautsprecher knistern und gleichzeitig wird die Musik verzerrt abgespielt. Virenscan und eine komplette Neuinstallation des Betriebssystems und des Audiotreibers zeigten keine Wirkung; mein Laptop besteht etwas bockig auf seinem Recht auf fortschreitende, schrittweise Hardwareausfälle. Was kommt als Nächstes? Festplattendefekte? Systematische Bluescreens beim Arbeiten an Präsentationen und Word-Dokumenten? Irgendwie sind diese Maschinen ja dafür konzipiert worden, ihre Besitzer schnurstracks mit dem Wahnsinn und der Nervenheilanstalt bekannt zu machen. Vielleicht kann ich ja mit dem Einbau eines üppigen Speicherriegels das Schlimmste abwenden. Wenn das nichts hilft, mache ich im November tabula rasa. Gnadenlos und ohne mit der Wimper zu zucken.

Algebra am Vormittag

Eigentlich ist es ja eine ganz einfache Rechnung: wenn ich morgens 90 Cent in einem Automatenschlitz entsorge und mir nachmittags noch ein Luxusheißgetränk für 1,85 Euro leiste, komme ich auf arbeitstägliche Koffeinversorgungskosten von 2,75 Euro. Bei 100 Arbeitstagen im Halbjahr (Krankheit, FZA und Urlaub mit eingerechnet) ergibt das die stolze Summe von 275 Euro. Wenn ich mir jedoch eine eigene Maschine (15 bar) für ca. 50 Euro anschaffe und ich pro Tasse und Kapsel 25 Cent ausgebe, habe ich die Investitionskosten nach genau 22 Tagen wieder hereingeholt. Ab diesem Tag spare ich nämlich (ganze 175,50 Euro auf 100 Tage)  und habe im Vergleich zum Automatenkaffe auch eine deutlich bessere Qualität. Und trotzdem konnte ich mich bis vor kurzem nicht dazu durchringen, eine eigene Maschine für das Büro zu erstehen.

Haschisch

In einem Raum mit rötlich schimmerndem Holz an den Wänden sitze ich auf dem Sofa und breite meine Utensilien zur Vorbereitung eines Joints vor mir auf dem Couchtisch aus. Ich klebe das Papier zusammen und greife in einen losen Haufen Tabak, der auf dem Tisch liegt. Nur das Haschisch, die wichtigste Zutat, fehlt mir. Als ich einen halb angerauchten Joint aufdrösele, entdecke ich kleine, schwarze Kügelchen, deren Menge ausreichend sein könnte. Als ich auch im losen Tabak ein kleines Stück entdecke, ziehe ich es heraus und drehe es im Licht hin und her. Ich bin von seiner seltsam gemusterten Oberfläche und seiner giftgrünen Farbe irritiert. Ich zögere, es zu verwenden und glaube, dass es schon in geringen Mengen ein heftiges Rauscherlebnis auslösen könnte. Andererseits ist es gerade das, was mich daran so fasziniert.

Verhältnisse

Mein ganzes gegenwärtiges Übel liegt vielleicht darin begründet, dass ich dramatisch weniger Verhältnisse hatte als der Durchschnitt meiner Vergleichsgruppe. (Für Frauen bin ich diesbezüglich wahrscheinlich ein Analphabet.) Nur ein Beispiel aus meinem unerschöpflichen Fundus: ich betete eine Kommilitonin an (deren sprichwörtlich bildhübsches Konterfei immer noch über Google abrufbar ist), aber unternahm keinen einzigen Versuch, das ihr gegenüber in Ton und Farbe und live auszudrücken. Hie und da ein schüchternes Erröten und mittlere Panikzustände, wenn ich sie alleine traf. Sie war nicht nur schön anzusehen, sondern hatte tatsächlich was auf dem Kasten, und ich fand mich in ihrer Gegenwart so bedrückend langweilig, unoriginell und tumb, dass es kaum auszuhalten war. Ab und zu durfte ich schweigend neben ihr einen Kaffee schlürfen. Gut, die Lektüre von Hesses Steppenwolf im zarten Alter von 14 Jahren hatte mich bis ins Mark verdorben – er deutete an, es gebe die Möglichkeit, im magischen Theater alle diese Liebschaften nachzuholen. Gut gebrüllt, Löwe. Und unter welcher Adresse finde ich das jetzt genau?