Inception

Chuang Tze, ein chinesischer Philosoph, träumte einmal, er wäre ein Schmetterling. Als er aufwachte, sagte er sich: “Bin ich nun ein Mensch, der träumt, er wäre ein Schmetterling, oder bin ich ein Schmetterling, der denkt: ‘Ich bin Chuang Tze’?”

Trotz seiner atemlosen Handlung und einer Bildsprache, die zeitweise wie bei Emmerich entliehen wirkt, entdeckt man in „Inception“ spirituelle Vorstellungen, die durch die handelnden Personen ausformuliert werden. Ich persönlich glaube nicht, dass es eine lückenlose logische Auflösung des Films geben kann; dazu pulst eine zu starke inszenatorische Energie durch die Handlungsstränge, die wie ein verzerrender Filter wirkt. Als Leitmotiv durchzieht „Inception“ das glückende oder missglückende Erwachen oder, anders formuliert, die Suche nach einem Ausweg aus dem Labyrinth. Die Koordinaten der realen Welt können zwar bis ins Endlose gedehnt oder verschoben werden, aber nie ohne Konsequenzen und nie so, dass eine Ebene fixiert werden könnte. Wenn man alles subtrahiert, bleibt in dieser (ich bin versucht, zu sagen: alptraumhaften) Welt nur das weiße Papier, die leere Fläche, das Nichts des Limbus. Der unter dem horror vacui leidende Mensch beginnt nun zu füllen, was ihm sonst kaum erträglich wäre – mit Räumen, mit Architektur, mit Erinnerungen, mit Projektionen, mit einer idee fixe. Die zentrale emotionale Achse des Films besteht deswegen auch aus Cobbs idee fixe – seiner Frau Mall und der traumatischen Beziehung zu ihr. Sirenenhaft schlägt sie ihm immer wieder vor, bei ihm zu bleiben und die Ebene des Limbus als dauerhafte zu akzeptieren. Das ist der Gedanke, der in Cobb wächst, bis er ihn zum Schluss des Films tatsächlich verwirklicht. Cobb selbst weiß, welchen Weg er gegangen ist, und eventuell sogar, wie er zurückfindet, aber am Ende opfert Cobb die Realität, die der Zuschauer nie zu sehen bekommt, seiner eigenen Wahrheit. Die große Zäsur, der Kick, der laute Ruf des Erwachens, der ironischerweise durch „Je ne regrette rien“ angekündigt wird, dehnt sich bis ins Endlose und ist eng verwoben mit dem Tod, der alles beendet, auch und vor allem den Zustand des Traums. Die süße Utopie eines jahrelangen Lebens in einer selbstgeschaffenen Kulisse, der im Augenblick des Erwachens auf eine Zeitspanne von wenigen Minuten zusammenfällt, wird von Cobb (aber auch vom Zuschauer) mit der harten Währung des Realitätsverlusts bezahlt – der Tod läßt sich nicht überlisten. Wenn Cobb in das eiskalte Wasser des Hier und Jetzt geschmissen wird und verzweifelt nach Luft schnappt, wird das Erwachen durch den plötzlichen Antrieb, sein eigenes Leben zu retten, erst ermöglicht. Es sind die nagenden Traumen, die aus dem Nichts Gespenster schaffen.

Fundstück

Man muss nicht unbedingt lange graben, um in den Weiten des Internets solche Perlen zu finden:

„Nachdem Walt Disney Psycho gesehen hatte, erteilte er Alfred Hitchcock Hausverbot in Disneyland, da Disney den Film abstoßend und widerwärtig fand.“ Quelle: Wikipedia

Das grenzt an magisches Denken: die körperliche Anwesenheit eines anders Denkenden verunreinigt meine eigene Utopie. Noch dazu hat der Adressat dieser Botschaft überhaupt keine Ambitionen, in das eigene „Paradies“ aufgenommen zu werden. (Aber diese Weigerung soll ihm ja erst schlecht bekommen.)

3 Worte

Heute ist der Tag der Beiträge, deren Überschrift jeweils aus 3 Worten besteht: 1. Raus, raus, raus…. (der Flaneur), 2. Beute-Beute-Beute! (Jules) und 3. Sale Sale Sale (Hith), und in ihnen geht es jeweils darum, wie man Bestände auf der einen Seite reduziert und auf der anderen Seite (Achtung, jetzt kommt´s!) augmentiert. Ich gebe zu, ich war gestern auch noch in der Stadt und habe mir zwei neue Poloshirts zugelegt. Die Festplatte habe ich aber schon länger nicht mehr inspiziert.

Der Dalai Lama und der Olympiaboykott

Dass der Dalai Lama angesichts der Eskalation in Tibet weiterhin auf Gewaltlosigkeit und Dialog setzt, erscheint mir nur folgerichtig und konsequent. Und ich glaube auch, dass bereits das Handelsvolumen, das die westlichen Staaten mit China abwickeln, die Hoffnung konterkariert, die chinesische Regierung könnte mit Appellen zum Einlenken bewegt werden. Ein Olympiaboykott wäre in diesen Dimensionen nur ein Nadelstich, und nicht mal ein besonders wirkungsvoller, ganz im Gegenteil: die Chance, auf die Informationspolitik Chinas gezielt Einfluss zu nehmen, wäre endgültig vertan. Würde China beispielsweise nur einen Bruchteil seiner gewaltigen Dollar-Reserven auf den Markt werfen oder in Euro umschichten, wäre eine weltweite Rezession nicht mehr aufzuhalten. Das heißt aber nicht, dass China damit ein Freibrief ausgestellt werden soll. Der Dalai Lama sagte zu einem möglichen Olympiaboykott: „Ich unterstütze die Gastgeberschaft Chinas. China ist ein wichtiges Land, ein mächtiges Land, das verdient hat, Gastgeber der Spiele zu sein…Die Chinesen sollten stolz sein auf dieses Ereignis. Ich befürworte die Gastgeberschaft, weil das chinesische Volk nichts für die dramatische Lage in Tibet kann. Aber die chinesische Führung sollte daran erinnert werden, mehr für die Menschenrechte, aber auch mehr für die Umwelt zu tun.“ (Quelle: SpiegelOnline) Ich plädiere auch für Realpolitik, Diplomatie und freie Berichterstattung aus Tibet.

Ich will mein Posting um einen Aufruf zur Unterzeichnung einer Petition der Aktivisten von Avaaz.org ergänzen, die am kommenden Montag, den 31. März, an chinesische Botschaften und Konsulate übergeben werden wird. Der Wortlaut der Petition lautet: „An den chinesischen Präsidenten Hu Jintao: ‚Als Bürger dieser Welt ersuchen wir Sie, bei der Reaktion auf die Proteste in Tibet, zur Zurückhaltung und zum Respekt der Menschenrechte. Berücksichtigen Sie bitte die Anliegen der Tibeter, indem Sie einen bedeutungsvollen Dialog mit dem Dalai Lama eröffnen. Nur durch Dialog und Reformen kann eine längerfristige Stabilität erreicht werden. Chinas aussichtsvolle Zukunft liegt in harmonischer Entwicklung seiner Beziehung zur Welt durch Dialog und Respekt.‚“ Hier kann man diese Petition unterstützen.

WordPress 2.3: ein oberflächliches Resumee

WordPress upzudaten ist ja immer wieder eine spannende Angelegenheit, und ich hechelte den kurz hintereinander erscheinenden Sicherheitsupdates 2.2.2 und 2.2.3 hinterher, um die entdeckten Lücken im System wieder zu schließen. Dank eines Updatepakets stellte das auch kein größeres Problem dar. Nun aber 2.3 – kein Sicherheitsupdate, kein Paket, neue Datenbanktabellen. Würde sich der Aufwand überhaupt lohnen? Ich blieb skeptisch.

Nach langem Zögern habe ich mich nun endlich dazu entschlossen, auf die Version 2.3 upzudaten, die bereits vor ihrer Veröffentlichung für einige Diskussionen gesorgt hatte. Einer der Kritikpunkte war die Tatsache, dass WordPress den Nutzer nun auch bei Plugin-Updates informiert, dafür jedoch den WordPress-Server kontaktiert und Daten übermittelt – laut Matt Mullenweg, dem WordPress-Chefentwickler, aber lediglich nur die Versionsnummer und eine Liste der Plugins. Um dieses Verhalten abzustellen, bedürfe es jedoch eines weiteren Plugins, das frei im Netz erhältlich sei, so Mullenweg. Kritik fing sich aber vor allem WordPress Deutschland ein, die die erste DE-Version mit dem Plugin eines Werbepartners auslieferten. Nach einigen Protesten aus der Community ist dieses Plugin mittlerweile wieder aus der DE-Version entfernt worden.

Endlich, endlich sollte nun auch Tagging fest im WordPress-Core verankert sein. Was zunächst wie eine positive Überraschung klang, fiel unter Echtzeitbedingungen glatt durch. Es gibt nur extrem beschränkte Möglichkeiten, Tags zu editieren oder das Erscheinungsbild der Tag-Wolke zu variieren; im Grunde ist es ein Gefummel an unzureichenden Parametern der PHP-Funktion. Wer bisher Simple Tagging oder Ultimate Tag Warrior gewohnt war, wird sich bitter enttäuscht sehen. Immerhin bietet WordPress eine Importfunktion für die Tagübernahme aus den alten, unter der neuen Version derzeit nicht mehr funktionierenden Tag-Plugins. Es bleibt zu hoffen, dass WordPress in einem der nächsten Updates die gewohnten Funktionen nachreicht. Bis dahin kann ich jedem, dem der Umweg über MyPHP etwas zu weit erscheint, nur dieses Plugin oder dieses Plugin zur Bearbeitung von Tags empfehlen.

Fazit: Bis auf leichte Verbesserungen (u.a. beim Editor) bietet die Version 2.3 keine herausragenden Features an, die als schlagende Argumente für ein Update gelten könnten. Da aber noch nicht feststeht, ob und gegebenenfalls wie lange WordPress für die alten 2.2.x-Versionen noch Sicherheitsupdates anbieten wird – derzeit wird nur noch 2.0.x und eben die aktuellste Version supportet – blieb mir nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen. Und wenn man sich nicht wie ich aus seinem Blog aussperren will, sollte man beim Updaten folgende Schritte beachten: 1. Komplettes Backup des Blogs, 2. Plugins deaktivieren, 3. Default-Theme aktivieren, 4. Los geht´s!

Habe ich noch etwas vergessen? Achja, ich brauchte für das Update ungefähr zwei Stunden…

Weiterführende Links:

Free Burma

Ob wir bereits morgen oder erst übermorgen wegsehen, ist für manche vielleicht nur ein winziger, für mich selbst aber ein nicht unbedeutender Unterschied. Denn vielleicht gibt dieses kleine Krümelchen Aufmerksamkeit den Kämpfenden genügend Kraft, eine große Veränderung herbeizuführen. Nein, ich stand noch nie vor einer Gewehrmündung, die mein Leben bedrohte, weil ich lautstark meine Meinung äußerte und ich wäre heilfroh, mein Leben ohne diese Erfahrung beenden zu können. Frieden und Freiheit sind nun mal Güter, deren sich der Mensch nicht entledigen kann, ohne an seiner Würde Schaden zu nehmen. Ich glaube, dass uns das erst gestern am Tag der deutschen Einheit wieder einmal exemplarisch vor Augen geführt wurde. Und deswegen:

Free Burma!

Johannes Paul II….

…soll laut einem Dossier der italienischen Anästhesieprofessorin Pavanelli bei seinem Sterben gegen die von ihm selbst verkündeten Wertvorstellungen verstoßen haben. In der Enzyklika „Evangelium Vitae“ schreibt der Vorgänger Benedikts: „Nicht minder schwerwiegende Bedrohungen kommen auch auf die unheilbar Kranken und auf die Sterbenden in einem Sozial- und Kulturgefüge zu, das bei einer sich immer schwieriger gestaltenden Auseinandersetzung mit dem Leiden und seinem Ertragen die Versuchung verstärkt, das Problem des Leidens dadurch zu lösen, daß man es an der Wurzel ausreibt und den Tod in dem Augenblick vorwegnimmt, den man selbst für den geeignetsten hält.“ Nicht die Parkinson-Krankheit, sondern die unterlassene künstliche Ernährung, die erst zwei Tage vor dem Tode Johannes Pauls II. veranlasst wurde, und die daraus folgende Unterernährung wären demnach der Grund für den Tod des Papstes gewesen. Pavanelli kann sich nicht vorstellen, dass der Papst von den behandelnden Ärzten in der Gemelli-Klinik nicht über mögliche Behandlungsmethoden und ihre Konsequenzen in allen Einzelheiten aufgeklärt worden wäre und der Willen des Papstes keine Berücksichtigung gefunden hätte, denn in diesem Fall hätten sie sich strafbar gemacht und schon allein aufgrund des riesigen Medieninteresses mit der Entdeckung und einer Verurteilung rechnen müssen. Damit würde es sich eindeutig um einen Fall von ärztlicher Sterbehilfe handeln. Sollten sich die fundierten Behauptungen Pavanellis bewahrheiten, könnten sie sich zu einem echten Problem für die Heiligsprechung des Papstes entwickeln. „Wojtyla heilig zu sprechen – nach der Dokumentation von Prof. Pavanelli – hieße, die Kirche spricht eine Person heilig, die sich eines Verhaltens schuldig gemacht hat, das die Kirche selbst verdammt“, erläutert Paolo Flores D´Arcais, Philosoph und Herausgeber der Zeitschrift „Micromega“.
Quelle: 3sat Kulturzeit (Reinhold Jaretzky/Aureliana Sorrento)