Das Fußballspiel und der Bischof

Ich nehme an einem Fußballspiel auf einem von Flutlicht übergossenen Platz teil. Auf den Rängen links von mir sehe ich unsere jubelnden Anhänger, die sich auf den raren Plätzen drängen. Unsere Mannschaft hat tapfer gekämpft, aber das Spiel schleppte sich bis zum Schluss unentschieden dahin. Jetzt sollen die Abstöße der Torhüter die Entscheidung bringen. Unser Torhüter legt sich zwei Bälle zurecht und nimmt einen Anlauf. Und tatsächlich donnert er den Ball unhaltbar ins gegnerische Netz. Auch der zweite Ball landet spektakulär im Tor. 2:0 – wir haben gewonnen und sind äußerst zufrieden. Um mich herum erschöpfte, aber lächelnde Gesichter. Als würde ich vom Boden verschluckt, lande ich unvermittelt in einem hölzernen Rondell, an dessen Rundungen hölzerne Sitzbänke angebracht sind. Das Rondell ist teilweise überdacht und mit verglasten Fenstern versehen. Aber am merkwürdigsten ist, dass es sich in luftiger Höhe um einen uralten Baum dreht. Es wundert mich kaum noch, hier auf den Regensburger Bischof zu treffen, der sich entspannt zurücklehnt und eine theologische Gesprächsrunde leitet. Der Bischof trägt ein langes, rotes Gewand und sein rotes Scheitelkäppchen. Obwohl ich diesen Mann in Wirklichkeit nicht ausstehen kann, wirkt er in diesem Kreis so sanft und gewinnend, dass ich überrascht und überrumpelt bin. Allerdings bemerke ich sehr schnell, dass es ihm gefällt, zu reden. Als ich etwas zur Diskussion beisteuern will, beachtet er mich kaum. Und so drehe ich an einer runden Scheibe, die über eine verborgene Mechanik das Rondell beschleunigt, bis die Haare der anderen im Wind flattern und ihnen übel wird.

Anmerkung: Einen ähnlichen Traum vom Fußballspielen hatte ich schon mal. Damals gewann meine Mannschaft allerdings mit einem ungewöhnlich hohen Ergebnis – ich glaube, es lautete 11:0, und die gegnerische Mannschaft weigerte sich, mitzuspielen. Wieder eingefallen sind mir die heutigen Traumbruchstücke beim Lesen dieses Kommentars. Die Erinnerung geht machmal schon verschlungene Wege.

Das Spiel

Ich betrete zusammen mit einem Bekannten, der einem ehemaligen Klassenkameraden ähnelt, das Außengelände der Pinakothek. Ich sehe eine große rechteckige Anlage vor mir, die zunächst größer erscheint und nach und nach auf die Größe eines Fußballfelds zusammenschrumpft. Über das Gelände sind Steinmäler, Stelen und Säulen verteilt, die in ihrer akkuraten Anordnung eher wie Grabsteine auf einem Friedhof wirken. Die Umfassung des Geländes ist eine Mauer aus hellen, würfelförmigen Granitbruchsteinen. Ich sage zu meinem Bekannten: „Das Gelände ist doch hervorragend geeignet für das Spiel, völlig quadratisch, nicht so, wie X. behauptet hat.“ Es ist mir in diesem Moment nicht klar, was X. überhaupt geäußert hat, aber bei dem Spiel handelt es sich um ein Ballspiel, vielleicht Fußball. Im nächsten Augenblick sehen wir das Gelände aus einer anderen Perspektive: direkt vor mir erhebt sich das klassizistische Gebäude der Pinakothek. Neben dem Gebäude ist der Abstand zur Mauer sehr eng und schafft so eine langgezogene, dunkle Flucht. Die Lichtverhältnisse sind ebenso künstlich wie auf einem alten Gemälde, so dass das hell von der Sonne angestrahlte Gebäude der Pinakothek fast in der Luft zu schweben scheint. Für mich ist eine leise Spur der Bedrohung spürbar, die kurz vor dem Umkippen ins Alptraumhafte steht. Später nehmen wir zu zweit an einem Quiz teil, das von einer Buchhandlung veranstaltet und im Fernsehen übertragen wird. Vor der Buchhandlung ist auf der gepflasterten Gasse ein kleiner Stand mit Büchern und einem Projektor aufgebaut. Zwei Buchhändlerinnen bedienen den Projektor und zeigen einen alten Schwarzweißfilm, der sich vor dem Dunkel der Gasse gut sichtbar abhebt. Weiterlesen

Gespräche

In einem sehr weitläufigen Gebäude findet eine große Feier statt. Ich entdecke einige Arbeitskollegen, aber auch Ärzte, Studenten und Offiziere unter den erschienenen Gästen. Das Gebäude ist eine alte, rustikale Scheune, die zu einem Wirtshaus umgebaut wurde. Die Einrichtung ist in warmes, stimmungsvolles Licht getaucht und kommt deswegen um so mehr zur Geltung. Da ich großen Hunger verspüre, laufe ich die Treppe zum ersten Stock hoch, in dem das Buffet aufgebaut ist. Zunächst habe ich Verlangen nach den frischen Weintrauben, die dort appetitlich angerichtet sind. Ich pflücke sie und will sie in eine große Schale legen, die aus einer ausgehöhlten, weintraubenähnlichen Frucht besteht, werde aber ständig angerempelt und gestört. Als die Schale auf den Boden fällt, platzt mir der Kragen, und ich fluche endlos vor mich hin. Einer meiner Arbeitskollegen ruft mir aufgebracht zu: „Was hast du denn?“ Da ich die Weintrauben nicht in Ruhe genießen kann, rühre ich mir aus verschiedenen Zutaten eine riesige Schüssel Schokoladenpudding zusammen. Neben mir taucht ein weiterer Arbeitskollege auf, der mir verschiedene Fragen stellt. Ich zögere mit der Antwort, da ich weiß, dass er mich nur aushorchen will. Weiterlesen

Kartenspiel

Ich sitze in einem Seminarraum im Keller, in den nur ein paar Sonnenstrahlen scheinen, als würde die Sonne von einem Baum oder einem großen Gebäude verdeckt. Er erinnert mich an einen Kellerraum in der Grundschule, die ich besucht habe. Es beginnt gerade ein Meeting mit einer ungewöhnlich großen Anzahl an Teilnehmern, die an den in einem Viereck aufgestellten Tischen Platz nehmen und dort ihre Unterlagen vorbereiten. Neben oder hinter mir sitzt eine mir sehr nahestehende Person – ich weiß allerdings nicht, wer es ist, ich spüre nur, dass ihre Anwesenheit großen Einfluss auf mein Verhalten ausübt. Ich will sie durch mein taktisches Verhandlungsgeschick beeindrucken und darf mir deswegen keine Fehler erlauben. Als die Leiterin der Runde das Meeting eröffnet, werden Skatkarten ausgeteilt, die ich mir dicht vor das Gesicht halte und eingehend studiere. Ich besitze sehr viele kleinere Nummernkarten und bin mir sehr unsicher, ob ich ein gutes Blatt in Händen halte und mit den anderen mithalten kann. Als mich die Leiterin fragt, ob ich mitspielen könne, antworte ich mit einem genuschelten „Noja“, kann aber zwei Karten abwerfen. Das scheint zu genügen. Als sich das Spiel dem Ende zuneigt, sehe ich, wie meine Mitspieler Münzen in kleinen Häufchen vor sich aufgetürmt haben, sie selbst aber teilweise nur noch zwei Karten ausspielen können. Ich habe zwar kein Geld, aber durch meine gesammelten Karten sehr gute Chancen, das Spiel zu gewinnen. Meine Laune bessert sich zusehends. Als ich die Karten auf den Tisch lege, handelt es sich plötzlich um kleine braune, violette und gelbe Reclam-Hefte, die mit einstelligen Ziffern nummeriert sind. Mein Tisch ist zum Schluss vollständig damit bedeckt. Schließlich öffne ich meine braune Aktentasche, um sie wieder einzusammeln, und lache im Gespräch mit meinem Nachbarn, der mir eine interessante Geschichte erzählt.

Im Klassenzimmer

Ich stehe in einem Klassenzimmer, dessen Stuhlreihen nach hinten ansteigen. Vor mir in der ersten Reihe befindet sich mein leerer Platz, und offenbar habe ich gerade an der Tafel eine Aufgabe gelöst, denn ich will mich wieder setzen. Meine Klassenkameraden tragen goldene, starr lächelnde Masken und betrachten mich. Ich bekomme von meiner Lehrerin eine Aufgabe auf den Tisch gelegt, die viel zu schwer ist und die ich nicht lösen kann. Da sie sehr aufgebracht ist, will ich sie nicht auch noch durch meine Gegenrede provozieren. Ich habe das Gefühl, kaum mehr atmen zu können. Plötzlich ist es sehr wichtig, dass ich ein mir sehr gut bekanntes Mädchen der Klasse vorstelle. Ich sehe sie am Eingang stehen, aber sie ist völlig mit einem braunen Stoff umwickelt, wie er für Mäntel verwendet wird, so dass sie niemand sehen kann. Als ich mehrere Schichten des Stoffes entfernt habe, will ich nach ihrem Kopf greifen. Doch der Stoff ist vollkommen leer, und an der Stelle, an der ihr Kopf sein sollte, befindet sich nur Luft und sonst nichts. Kurz bevor mich das Grauenvolle dieser Szene erreicht, wache ich auf.

Betriebsausflug

Ich befinde mit einer Gruppe von Arbeitskollegen auf einem Betriebsausflug, der sich über mehrere Tage erstreckt. Nach einem kleinen Imbiss wollen wir unser Quartier beziehen und werden von einer Frau mit offenen, schwarzen Haaren durch die Räume geführt, als plötzlich über die Sprinkleranlage das ganze Hotel unter Wasser gesetzt wird. Ich stehe dabei mit der Gruppe im Erdgeschoss vor dem Hotel und sehe durch ein Fenster in einen kahlen Raum, in dem die Frau steht und die Augen zusammenpresst, da ihr das Wasser in Strömen über das Gesicht läuft. Ich entferne mich daraufhin von der Gruppe und lasse mich im ersten Schock rückwärts in das grüne Gras fallen. Einige lachen über mich und kommentieren meine etwas übertriebene Reaktion. Schließlich ist klar, dass wir im Freien übernachten werden und richten uns darauf ein, die Nacht auf den Bierbänken und -tischen vor dem Hotel zu verbringen. Meinen Kollegen scheint das nichts auszumachen; es steht ja eine warme Sommernacht bevor. So feiern sie unverdrossen weiter, während meine Unzufriedenheit über die fehlende Übernachtungsmöglichkeit weiter wächst und ich immer verdrossener werde. Ich werfe einen Seitenblick auf meine Kollegin M., die ich hier nicht vermutet hätte und deren Anblick meine Stimmung weiter abfallen läßt. Schließlich reiße ich mich von meinen Kollegen los, und auf die vorwurfsvolle Frage: „Was machen Sie denn jetzt?“ antworte ich gereizt: „Ich weiß nicht, was ihr macht, aber ich suche mir jetzt eine Unterkunft.“ Dabei plagt mich die Sorge, dass mein Geld für 14 Tage nicht reichen könnte, auch wenn ich nur 20 Euro pro Nacht ausgeben muss. Ich überschlage den Betrag und mache mich auf den Weg. Dabei gehe ich mehrere Stufen an einer Mauer entlang nach unten, die einen Fußgängerstreifen von der Straße abtrennt. Ich befinde mich mitten im historischen Ortskern, und vor einem mit warmen Orangetönen dekorierten Reisebüro liegen zwei Gestalten in weißen Laken auf der Mauer. Als ich auf sie zugehe, stehen sie auf und versuchen sich gegenseitig zu erhaschen. Sie spielen, lachen und benehmen sich so völlig ungezwungen, als wäre ich gar nicht vorhanden. Da sie wie blasse Vampire geschminkt sind, bin ich anfangs etwas verwirrt und halte sie für einen Jungen und ein Mädchen. Aber als ich sie aufmerksam studiere, fällt mir auf, dass es zwei Mädchen sind. Eines der beiden Mädchen trägt auffällig rote Haare, während das andere Mädchen zu ihm sagt: „Du hast aber ein komisches Blut!“ Schließlich lande ich in einer leeren Dorfwirtschaft, die ziemlich altmodisch mit dunklen Bänken und Tischen möbliert und einer ausladenden Theke ausgestattet ist. Hinter der Theke steht ein Schankkellner, zapft gerade ein Bier und mustert mich feindselig, als ich die Gastwirtschaft betrete. Hinter einem Tisch taucht der Wuschelkopf eines Arbeitskollegen auf, der sich hier mit einer grell gemusterten und verwaschenen Decke zum Schlafen hingelegt hat. Er begrüßt mich mit einem verschlafenen „Hallo!“ Ansonsten ist der riesige Schankraum des Wirtshauses völlig still, und im Hintergrund läßt sich im Dunkeln ein angrenzender, ebenfalls riesiger Saal erahnen. Plötzlich bemerke ich, dass die Tür des Wirtshauses geschlossen ist und ich zwar das Wirtshaus verlassen, aber nicht mehr zum Schlafen zurückkehren kann. Ich beginne mit dem Wirt, den ich irgendwo in diesen Räumen antreffe, über meinen Wunsch nach einem Bett zu verhandeln. Er bietet mir ein Einzelzimmer an, das ich aber mit dem schmierigen Regisseur einer Theatergruppe teilen muss. Diese Aussicht ist mir äußerst unangenehm, und ich wache auf.

OP-Vorbereitung und der Kampf mit einem Dämon

Ich bereite zusammen mit mehreren Arbeitskollegen einen OP-Tisch vor, auf dem in Kürze eine größere Herz-OP durchgeführt werden soll. Wir decken den Tisch mit grünen Tüchern ab, aber es sind keine glatten Papiertücher, sondern Stofftücher aus rauhem Frottee. Irgendjemand legt das glänzende OP-Besteck zurecht, als ein Kollege mit grünem Kittel, Mundschutz und Haube neben mich tritt und mir ein längliches, flaches Stahlband zeigt, das an einem Ende mit einem Gummischutz versehen ist. Es dient zum Aufspreizen des Brustkorbs. Als er mich fragt, ob er mir das Werkzeug einmal vorführen soll, lehne ich ab. Er nimmt meine Ablehnung amüsiert zur Kenntnis und hebt kurz die Augenbrauen. Dabei bin ich mir durchaus der Tatsache bewußt, dass er der erfahrene Chefoperateur ist und meine Ablehnung als persönliche Kränkung auffassen könnte.

Wenig später befinde ich mich in der dunklen Garage im Haus meiner Eltern. Ich bin mir höchst unsicher, was ich als nächstes tun soll, aber ich bekämpfe einen unsichtbaren Dämon, dem ich immer einen kleinen Schritt voraus bin. Ich fühle eine sehr reale Bedrohung, die mich immer rastloser und gehetzter werden läßt. Als der Dämon ankündigt, nun wirklich Ernst machen zu wollen und das Haus meiner Eltern mit völliger Dunkelheit überzieht, um mir zu schaden, klettere ich auf der Rückseite des Hauses über das Fenster in mein ehemaliges Zimmer. Da ich instinktiv spüre, dass ich beobachtet werde, sprühe ich in alle offenen Schlüssellöcher und Ritzen mit einer Sprühdose schwarzen Lack, der die Löcher verklebt. Der Dämon wird wütend und versucht nun, über die Türe in das Zimmer einzudringen. Aber auch hier gelingt es mir, ihn durch eine Attacke mit der Sprühdose aus dem Zimmer zu drängen. Die Türe verformt sich zwar zu einer Blase, als der Dämon von außen dagegendrückt, aber er kann sie nicht wirklich durchbrechen.

Una notte italiana

Der Traum, der noch kurz vor dem Aufwachen eine zusammenhängende, dramatische Struktur besaß, verflüchtigte sich schon beim Aufwachen wie Spätsommernebel…ich fahre mitten in der Nacht via Bus nach Italien. Im Bus befinden sich viele meiner Arbeitskollegen, aber auch einige andere Personen, die ich überhaupt nicht kenne. Mein Gepäck spielt eine herausragende Rolle, aber ich weiß nicht mehr, welche. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil es unausweichlich ist, eine Nacht in Italien zu verbringen, meine Freunde in Deutschland mich aber noch heute zurückerwarten. Ich verpasse die Station, an der mein Fahrrad abgestellt ist, und steige erst die nächste Station aus. In der Nähe befindet sich eine blau beleuchtete Tankstelle. Sehr viel später stehe ich zwischen zwei fremden Menschen (einem Mann und einer Frau) auf einer steinernen Brücke neben einer Ausfallstraße. Wir erleben gerade einen Sonnenaufgang, der uns einen glühenden Himmel hinzaubert, und mich durchströmt ein unbekanntes Glücksgefühl. Ich kann mich sehr schlecht mit ihnen verständigen, da ich nur äußerst lückenhaft italienisch spreche, meine Gesprächspartner sich aber auch mit Englisch sehr schwer tun. Ich frage sie: „Wo ist denn die Toscana?“, und sie deuten beide mit dem Daumen über ihrer Schulter nach hinten. „Hinten, gleich dort hinten.“ Ich scheine mich irgendwo in der Nähe von Florenz zu befinden. „Und wo ist Umbrien?“ („Where is umbria?“) frage ich erneut, und sie sehen mich erstaunt an. „Naja, das ist wohl auch zu weit entfernt.“ sage ich mehr zu mir selbst und lächle bei meinen Hintergedanken. Später befinde ich mich mit denselben (?) Personen in einem Zimmer. Wir unterhalten uns über eine Gedichtanthologie, die beide veröffentlichen wollen. Plötzlich kommt mir ein Einfall, den ich ihnen sofort mitteilen muss: „Auf jeden Fall sollten Gottfried Benn, Georg Trakl und – wie heißt denn der dritte?-“ Sie nicken stumm. Aber der Name des dritten Dichters fällt mir nicht mehr ein. Kurz darauf wache ich auf, und grüble weiter über den Namen des Dichters, dessen Gedichte mir im Zusammenhang mit denen Benns und Trakls so passend schienen.

Familiäres

Ich fahre mitten in der Nacht auf endlos langen und merkwürdig leeren Straßen mit meinem Vater von einem Fest nach Hause, als mein Vater die Bemerkung fallen läßt, er würde doch gerne meine Freundin näher kennen lernen und sie jetzt besuchen; auf dem Fest habe ich meine Freundin wohl meinen Eltern vorgestellt. Auf meine zögerlichen Einwände, es sei mitten in der Nacht und sie schlafe bestimmt, reagiert mein Vater äußerst beleidigt und meint, ich würde sie ihm vorenthalten. Ich stimme schließlich zu, um ihn nicht weiter zu verärgern. Das Haus meiner Freundin ist groß, geräumig und elegant. Da ich die Schlüssel besitze, öffne ich meinem Vater die Tür. Meine Freundin, die ich als meine Arbeitskollegin R. wiedererkenne, liegt auf ihrem Bett an der den Fenstern gegenüberliegenden Wand nackt unter einem Laken und wirft uns beiden einen verwirrten Blick zu, bevor sie wieder einschläft. Die weißen Seidenschals an den Fenstern bauschen sich leicht im Wind, während mein Vater und ich uns durch die dunklen Gänge zur Küche entlang tasten. Diese ist mit einer dünnen, verschiebbaren Trennwand vom Wohnzimmer abgetrennt. Offensichtlich ist meine Freundin aufgestanden, denn sie erscheint kurz in der hellen Küche und trägt jetzt die Gesichtszüge von D., meiner ersten Freundin; sie freut sich, mich zu sehen, spricht aber kein Wort mit mir. Meine Mutter taucht plötzlich in der Küche auf und beginnt, das schmutzige Geschirr abzuwaschen. Ich will ihr helfen, finde aber kein Geschirrtuch, um das Geschirr abzutrocknen, und finde deswegen die übertriebene Aktivität meiner Mutter reichlich sinnlos. Als könnte sie meine Gedanken lesen, sieht sie mich bedauernd an und zuckt die Achseln. Im Wohnzimmer findet kurz danach eine lautstarke Auseinandersetzung zwischen meiner Freundin und meinem älteren Bruder statt, den ich ebenfalls nicht hier vermutet hätte. Ich hege den Verdacht, dass meine Freundin mich mit meinem älteren Bruder betrogen haben könnte, denn warum sollte er sonst hier sein? Aber im Traum scheint mich das gar nicht weiter zu stören, ja, ich schmunzle sogar bei dieser Vorstellung. Mein Bruder verkraftet diese Tatsache aber anscheinend – im Gegensatz zu mir – überhaupt nicht. Da er sein schlechtes Gewissen mit Lautstärke zu übertönen versucht, wird er beim unvermittelt eskalierenden Streit so laut, dass in der Küche jedes Wort deutlich zu verstehen ist. Die Trennwand ist plötzlich verschwunden, und ich kann die Szene, die sich im Wohnzimmer abspielt, ganz deutlich sehen. Dennoch kann ich nicht zu meinem Bruder gehen und ihn beruhigen. Ich bin wie festgefroren und spüre, dass die Trennwand nur durch eine unsichtbare Glaswand ersetzt wurde. Mein Bruder schreit: „Ich kann nicht mehr! Seit Tagen spüre ich eine zweite Person hinter mir wie einen Schatten!“ und reißt mit einer blitzschnellen Bewegung eine bläulich glänzende Pistole aus seinem Hosenbund, die er auf meine vor ihm knieende Freundin richtet. Ich kann nicht mehr hinsehen und schreie nun selbst, so laut ich kann: „Nein! Nein! Nein!“, bis ich in einer seltsam friedlichen Stimmung aufwache.

Verschlungene Wege

Auf der Freitreppe vor dem Eingang zum wirtschaftswissenschaftlichen Trakt treffe ich unseren weißhaarigen Abteilungsleiter mit seinem typischen gelblich verfärbten weißen Schnauzbart, der außer sich vor Freude ist, mich zu sehen. Er begrüßt mich so überschwänglich, dass ihm sein Zigarillo aus dem Mund fällt: „Hallo Herr T.! Schön, dass ich sie sehe!“ Ich hebe es spontan auf und gebe sie ihm zurück, da ich ihn mir ohne Zigarillo kaum vorstellen kann. Er schüttelt mir voller Begeisterung die Hand. Seine Freude verblüfft mich zwar, ist mir aber auch sehr suspekt, so dass ich immer mißtrauischer werde. Nachdem ich mich von ihm verabschiedet habe, folge ich der abwärtsführenden Treppe in ein extrem niedriges Kellergeschoß, das ich in gebückter Haltung durchquere. Kurz darauf sitze ich zusammen mit einigen Kollegen in der letzten, dunklen Reihe eines Hörsaals. Der Dozent nennt immer wieder meinen Namen, und ich spüre die Mischung aus Bewunderung, Stolz und Neid, die mir meine neben mir sitzenden Kollegen entgegenbringen. Ich bin äußerst vergnügt und folge der Vorlesung nur bruchstückhaft. Nach der Vorlesung gehe ich eine Straße entlang und werde von einem ehemaligen Kollegen angesprochen, der eine geheime Radiostation in einem Kleintransporter betreibt. Er setzt mir einen Kopfhörer mit Mikrofon auf, der mich einengt und mir Kopfschmerzen verursacht, und spielt an den Reglern eines uralten Funkgeräts herum. Es dauert einige Zeit, bis ich begreife, was er mit dem Funkgerät und seinem Piratensender beabsichtigt. Rauschverzerrt höre ich die Stimme einer Schwester aus dem Klinikum, die uns beide um einen rechtlichen Ratschlag bittet. Ich finde es sehr anstrengend, meinem ehemaligen Kollegen zu folgen, der mir ununterbrochen etwas erklärt, und gleichzeitig kaum verständliche Brocken der Stimmen aufzufangen, die durch den Äther rauschen, und sie zu sinnvollen Sätzen zusammenzufügen. Schließlich reiße ich mir den Kopfhörer vom Kopf und verlasse meinen ehemaligen Kollegen wieder. Kurze Zeit später stehe ich vor dem weißen Bedienpanel eines Dialysegerätes und drücke aus Spaß auf einen Knopf. Im grün leuchtenden Display leuchtet daraufhin eine merkwürdige Zeichenfolge aus Schrägstrichen auf, die auf einen Fehler hindeutet. Mein Kollege, der gleichzeitig der Techniker ist, der das Gerät betreut, meint daraufhin zu mir: „Wenn du es jetzt verstellt hast, darfst du dich heute nachmittag hinsetzen und die Bedienungsanleitung lesen!“ Im Traum erscheint mir das gar nicht so schlimm.