Handschuh vergessen?

 Jetzt in der kalten Jahreszeit ist trotz fehlenden Schnees und noch nicht wirklich winterlicher Temperaturen die Ausstattung mit einem vollständigen Paar Handschuhen dringend zu empfehlen. Denn sehr oft läßt man ja irgendwo einen liegen, und diese bedauernswerten Exemplare hängen dann traurig und stumm über einem Geländer und warten auf die Rückkehr ihres Gegenstücks. „Pah, mir doch egal, Hauptsache, der Glühwein wärmt meine Hände.“ Auch diese etwas rohe Einstellung mag ihre Berechtigung haben. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass der Daueraufenthalt auf dem Christkindlmarkt finanzielle und bewusstseinstrübende Nebenwirkungen haben kann. Jennifer Gooch hat sich nun erbarmt und für ihr Kunstprojekt eine Website mit dem Titel one cold hand? eingerichtet, auf der die Besitzer der verlorenen Handschuhe sich über das Schicksal ihres wärmenden Einzelstücks informieren und für eine Zusammenführung sorgen können – zumindest in Pittsburgh. Jennifer sucht übrigens noch nach Mitstreitern in anderen Städten. Ich denke, all jene, die früher schon nur mit einem rechten Schuh Fußball gespielt haben, könnten davon nur profitieren.

Bloggen – die wahre Geschichte

Orlacs HändeImmer wieder habt ihr diese megaendgeilen Seiten angeklickt, immer wieder mal laut gelacht, geweint, zaghaft die ersten Kommentare geschrieben („Hallo! Ich bin auch daha!“) und irgendwann war euch klar: ihr wolltet so richtig mit dabei sein! Aber – oh Schock! – ihr hattet nicht damit gerechnet, dass es euch so schwerfallen würde, öffentlich vor Tante Krethi und Plethi kundzutun: „Ich bin ein Kleinbloggersdorfer!“ Ihr platzt geradezu vor Begeisterung und natürlich radikalisiert sich eure Euphorie so sehr, dass ihr euch ein T-Shirt mit der Aufschrift eurer Domain drucken lasst. Ich warne euch – die nächste kalte Dusche kommt bestimmt. Spätestens dann, wenn eine der oben genannten Tanten triefäugig und mit einer überladenen Kuchengabel in der Hand in sich hineinmurmelt: „Blogn? Was´n das?“ Achja, *seufz*, euer Coming-out sollte eigentlich ganz anders ablaufen.

Pfff. Damals hörte man direkt die Luft, die aus dem angepieksten Luftballon der tollsten Idee seit dem Urknall herausströmte. Ihr hättet doch BWL studieren sollen, anstatt nächtelang den Reload-Button zu betätigen und den ersten Kommentar mit „Hosianna!“-Rufen zu quittieren („Hallo! Ich bin auch daha!“). Nein, alles Leugnen hilft nichts: ihr seid besessen. Große Geister machen auch große Fehler. Ihr habt eine Vision – „Weg mit Bildblog! Jetzt komme ich!“ – ihr habt die Mittel, ihr habt die Zeit, ihr habt alle Freiheiten. Ihr sammelt Stöckchen, nehmt am Karneval (so etwas wie ein CSD für Blogger) teil und netzwerkt euch in eurer Nische ein. Krethi und Plethi haben die monatliche Unterstützung gestrichen, seit sie erfahren haben, dass ihr eine eigene Meinung habt. Recht so. Die haben sowieso NIE kommentiert. Yummie, rasch noch ein Plugin installiert.

Spätestens wenn ihr nach dem Aufstehen den PC einschaltet und völlig gedankenlos die eigene Blogadresse eintippt, merkt ihr, dass in eurem Leben verdammt viel schief gelaufen ist. In der Küche stapelt sich das schmutzige Geschirr und der Gerichtsvollzieher läßt sich auch mit den Worten: „Geh heim, du DAU!“ nicht vertreiben, während ihr stundenlang gewissenhaft durch alle Kommentare scrollt, die euch eine üble Spambotattacke ins Blog gespült hat. Technorati listet euch auf Platz 5.000.000 – Nirvana („Hallo! Ich bin auch daha!“), das Bildblog erweckt ob seiner mediengeilen Dauerpräsenz unkontrollierbare Neidsymptome und der letzte Anruf eines menschlichen Echtzeitwesens liegt gefühlte 10 Jahre zurück. Irgendwie ist der Zug abgefahren. Die Sonne brennt heiß hernieder. Aber eure Hand liegt immer noch lässig auf dem Colt.

„Datenbank WIRKLICH löschen?“ DELETE!!!

Ihr seid frei.

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