Beitrags-Archiv für die Kategorie 'Zeitlinien'

Perpetuum mobile

Donnerstag, 14. September 2006 22:01

Auf der Terrasse des Klinikums, unter freiem Himmel.

Benedetto: Ach Georg, was meinen Sie? Sollten wir sie noch länger warten lassen?

Don Giorgio: *macht eine unbestimmte Geste, als verscheuche er eine Fliege* Mmmhh..

Benedetto: *lacht trocken* Haha, 300000. Das sind höchstens die Hälfte. Daran ist nur dieser Gerhard Ludwig Müller schuld. Vereinbaren Sie einen Termin mit ihm, wenn wir wieder in Rom sind. Ich will ihn zum Rapport einbestellen und ihm die Leviten lesen, dass die Wände wackeln. Bei dem werden sogar eingefleischte Benedetto-Groupies zu Atheisten.

Die Glastüre zur Terrasse öffnet sich. Der wilde Kaiser, gehüllt in feinstes italienisches Garn (sandfarbene
Nadelstreifen), nippt an seinem hyperdypersuperoriginalhallowach Espresso, als wäre es nichts. Don Giorgio schneidet eine mißbilligende Grimasse, als er dessen abgespreizten kleinen Finger und die goldenen Manschettenknöpfe registriert.

Benedetto: *bemerkt den wilden Kaiser ebenfalls* Wickie, wollen Sie nicht Platz nehmen? Die Gespräche mit Ihnen sind immer so angenehm und unterhaltsam.

Don Giorgio: *läuft puterrot an*

Wickie: Ich will ja nicht in ihre theologischen Disputationen platzen…mit Verlaub. *zieht einen Stuhl zu sich und nimmt Platz*

Benedetto: Sagen Sie, Ihr Bruder war doch bei den Domspatzen?

Wickie: Ja, er kannte Georg…

Don Giorgio: Wir sollten jetzt wirklich langsam, heiliger Vater. *schaut geschäftig auf die Uhr*

Benedetto: Alte Spaßbremse. *seufzt, lächelt dem wilden Kaiser zu* Naja, Sie wissen ja, die Pflichten eines
Staatsoberhaupts…

Don Giorgio: *zieht Benedetto am Arm mit sich*

Benedetto: *ruft so laut, dass es alle Umstehenden hören können* Besuchen Sie mich doch im Vatikan! Ich würde mich freuen! Das Flugticket besorgt Ihnen mein Sekretär hier…*lacht, deutet auf den wutschnaubenden Don Giorgio*

Wickie: *winkt Benedetto zu*

…plötzlich wachte ich auf. Ganz groß sah ich auf grauem Umweltpapier mit Kugelschreiber geschriebene Zahlen und erkannte erst nach minutenlanger Verwirrung die Inventurlisten, auf die ich mit dem Kopf geknallt war…

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Turbulente Zeiten

Dienstag, 12. September 2006 20:13

Dass ich nach mehreren Jahren der Stagnation nun plötzlich Veränderungen anziehe wie Honig die Bienen, ist mir auch selbst völlig neu. Ich habe ja nichts gegen Veränderungen, solange sie in einem normalen Rahmen stattfinden. Aber derzeit bricht auf mehreren Gebieten ein Sturm los, der mich völlig unvorbereitet trifft: zum einen freue ich mich auf ein völlig neues Arbeitsgebiet, in das ich hineingestolpert bin und dessen Konturen sich noch nicht so recht zeigen wollen, auch wenn die Vorteile auf der Hand liegen. Eines scheint festzustehen: es wartet eine Menge Arbeit auf mich, während noch nicht einmal ein Arbeitsplatz für mich gefunden wurde. Als nächster Punkt auf der Agenda steht im September ein Umzug in eine neue, größere Wohnung an, der zur Zeit mehr als ungewiss ist und von vielen Voraussetzungen abhängt. Und als wäre das nicht noch genug, helfe ich an den Wochendenden bei einem Hausbau mitten in der abgelegensten Ecke der Oberpfalz. Ich glaube, es ist nicht gerade eine Überraschung, wenn ich nach einer Übernachtung in der Arbeit und der zwölfstündigen Arbeitsschicht wegen des päpstlichen Impacts in Regensburg etwas abgespannt bin und wie ein nasses Handtuch nach dem nächsten Bügel suche, über den ich mich hängen kann. Sogar das Bloggen kommt eindeutig zu kurz…

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Sonntagabend

Sonntag, 3. September 2006 23:40

Nach einem plötzlich hereinbrechenden Katastrophenalarm und einem Husarenritt über mehrere hundert Kilometer stelle ich mir jetzt – wie ich glaube, berechtigt – die Frage, warum mein Leben so überaus kompliziert sein muss. Könnte es nicht so ausssehen: Ich bewohnte eine schnuckelige Mietswohnung in der Provinz mit guter Verkehrsanbindung an die nächstgelegene Großstadt. Mein Job wäre zwar herausfordernd, aber nach Feierabend kein Thema mehr. Wenn mir nach Ausgehen wäre, bräuchte ich nur in den Zug zu steigen, hätte aber ansonsten meine Ruhe. Meine Freunde lebten verstreut in aller Welt. Wenn ich mal Trost oder Rat bräuchte, könnte ich jederzeit jemanden anrufen. Ich hätte keine unangenehmen Verpflichtungen. Ich lebte nur für mich und meine Neigungen. Nein, könnte es nicht. Und jetzt höre ich auch schon auf mit dem Träumen. Ganz einfach.

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Schatten und Schattierungen

Mittwoch, 30. August 2006 22:16

Ich bin zu müde, um noch vollenden zu können, was mir der Tag an Aufgaben beschert hat. Der abendliche Ausgleichssport beschränkt sich auf die Pendelei zwischen Kühlschrank, Schreibtisch und Bett. Das Verlangen meines Körpers nach Ruhe ist das eine, die zum Zerreißen angespannten Nerven sind das andere. Beides ergibt eine explosive Mischung aus unausgeschlafener Reizbarkeit und emotionalen Ausbrüchen. Ich weiß weder, was mit mir los ist, noch kann ich sagen, wo das Ganze hinführen soll. Ich bin erschöpft. Was ich vorfinde, sind Türen, die mir vor der Nase zugeschlagen werden. Oder Streitigkeiten, die sich an winzigen Unregelmäßigkeiten entzünden. Etwas ist mir fast vollkommen aus der Hand geglitten und stört nun die Balance. Was ist es nur?

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Vertrauen

Samstag, 26. August 2006 22:09

Eine der Fragen, die ich im Rahmen dieser Nachbefragung zur bereits 2005 durchgeführten Umfrage “Wie ich blogge?” beantwortete, lautete sinngemäß: “Würde dir einer deiner Blogfreunde spontan 250 Euro leihen, wenn du sie/ihn darum bittest?” Abgesehen davon, dass es sich um eine relativ persönliche Frage handelt, kam ich doch ein wenig ins Grübeln. Ich habe sie damals mit “Nein” beantwortet. Dass diese Skepsis manchmal völlig unbegründet ist, erfuhr ich im dritten Semester meines Studiums. Damals bewohnte ich ein winziges Dachzimmer mit Nachtspeicherofen, und da ich diesen Ofen auch während des Tages laufen ließ, präsentierten mir meine Vermieter eines Tages eine Stromrechnung über mehrere hundert Mark, die ich innerhalb von zwei Wochen bezahlen sollte. Meine Vermieter waren ein älteres Ehepaar, das angesichts der in ihren Augen horrenden Summe völlig niedergeschmettert war. Ich war selbst völlig verzweifelt und fragte eine Kommilitonin, die ich kaum kannte, ob sie mir das Geld leihen würde. Zu meiner Überraschung war sie bereit, mir aus der Patsche zu helfen. Am nächsten Tag besuchten wir die Bank, und sie drückte mir das Geld in die Hand, das sie für ihren Urlaub angespart hatte. “Ich weiß ganz genau, dass ich es von dir wiederbekomme.” Und so war es auch. Es folgten viele Abende, die wir gemeinsam in meinem Zimmer verbrachten. Wir saßen auf dem warmen Ofen, hörten Musik und rauchten Zigaretten.

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