Falling down

Nach dem Kurs ließ es sich vor vier Wochen trotz allem nicht vermeiden, mit ihm zusammenzutreffen; er wartete mit seinem Fahrrad auf mich, während ich, schwer mit Laptop und Ordner bepackt, eine Gelegenheit suchte, ihm aus dem Weg zu gehen. Die nicht bestandenen Nachholprüfungen lasteten wie ein Stein auf ihm, er hatte den Kurs ja staatlicherseits komplett finanziert bekommen, und weit und breit fand sich – im Gegensatz zum vorherigen Jahr – niemand, der sich intensiv mit seinen ganz speziellen Verständnisproblemen und dem Lernstoff auseinandergesetzt hätte. Auch mich hatte er mit seinen wiederholten persönlichen Angriffen vergrault, so dass wir uns im zweiten Jahr unseres Kurses allerlei Scharmützel lieferten. Zuletzt herrschte so etwas wie ein brüchiger Waffenstillstand. Ich suchte mein Heil im Rückzug, um zumindest etwas zu tun, um ein Signal zu setzen, um eine Grenze zu ziehen.

Nachdem er mich aufgehalten hatte, kam er ohne Umschweife zur Sache: „Wir haben doch einen Konflikt, und wir müssen darüber reden. Du kannst ihn nicht totschweigen.“ Ich sagte, wir könnten uns gerne jetzt unterhalten, wenn er das wolle, jetzt hätte ich zufällig Zeit, ich hätte aber eigentlich keine Lust, meinen Standpunkt zu erklären, und würde auch in Zukunft mein Verhalten ihm gegenüber nicht ändern. Alles habe begonnen, als er im August vergangenen Jahres I. im Unterricht völlig grundlos angefahren und sie sich von ihm bedroht gefühlt habe. Zu I.: „Ja, ich habe nur gemerkt, da drängt sich eine Frau zwischen uns.“ und: „Du machst es dir leicht. Nur weil mal jemand was gesagt hat, ziehst du dich sofort zurück.“ Was denn bei unserem Gespräch herauskommen solle, fragte ich ihn. Was erwarte er von mir? Wolle er mich zwingen, mich mit den von ihm so empfundenen Konflikt auseinanderzusetzen? „Vogel, friss oder stirb!“ sagte ich ihm schließlich, drehte mich um und ließ ihn grußlos dort stehen, ohne ihn noch eines weiteren Blickes zu würdigen. Er rief mir nach: „Ja, DU musst ja solche Sätze nicht verdauen…“ Ich wußte: wenn er mich zuvor nicht gehasst hatte, würde er es sicher jetzt tun.

Gestern schmiss er seinen Bergsteigerrucksack an die Wand, unterhielt sich, angespannt und nervös, mit dem Dozenten und tänzelte wie immer, wenn er als Kurssprecher etwas Wichtiges zu verkünden hatte, vor dem Kurs herum. Ja, er wolle etwas sagen. Er gebrauche gerne Bilder vom Bergsteigen, und er habe versucht, drei Fünftausender zu besteigen (damit waren die drei Prüfungen des ersten Jahres gemeint), er habe offene Ziele, man sehe sich immer zweimal im Leben, und er werde schließlich den Kurs verlassen, was nicht bedeute, dass er jetzt aufgeben werde. Kurz davor empfing ich einen Blick von ihm, als sei ich persönlich an seinem Unglück schuld, und als würde er, wenn er die Mittel und die Macht dazu besäße, mich das spüren lassen. Er hatte bei seiner Abschiedsrede einen Kloß im Hals, die Tränen standen ihm in den Augen, er stockte mehrmals, vielleicht hätten wir Kerzen anzünden sollen. Ich saß in der Bank, betroffen, aber gleichzeitig überflutet von gehässigen Gedanken. Es war noch nicht vorbei.

Irgendwann in der Zukunft würde sich jene Szene wiederholen, die sich abgespielt hatte, bevor ich mit dem Kurs begonnen hatte. B. hatte mich bereits in der Infoveranstaltung zu unserem Kurs kennengelernt, und als ich irgendwann mittags mit einem Kollegen die Eingangshalle durchquerte, rief jemand von hinten meinen Namen und legte mir die Hand auf die Schulter.

Es war B. Er grinste.

Experimenteller Beitrag

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Kennt jemand noch das Knarzen des Modems bei der Einwahl? Das war für mich immer elektronische Zwölftonmusik. Falls übrigens jemand gerade ein sicheres Passwort benötigt, darf er sich oben gerne bedienen. Meine derzeit sehr frei fließenden Assoziationen ließen mich gestern für meine Situation das Bild eines Rennfahrers finden, der mit leerem Tank auf der Rennstrecke liegenbleibt, und – schwupps! – strömen mehrere besorgte Teammitglieder herbei, die völlig außer sich um den Rennwagen herumhüpfen und den Fahrer dazu bewegen wollen, dass er weiterfährt. Anstatt dass einer Benzin nachfüllen würde.

Der Dalai Lama und der Olympiaboykott

Dass der Dalai Lama angesichts der Eskalation in Tibet weiterhin auf Gewaltlosigkeit und Dialog setzt, erscheint mir nur folgerichtig und konsequent. Und ich glaube auch, dass bereits das Handelsvolumen, das die westlichen Staaten mit China abwickeln, die Hoffnung konterkariert, die chinesische Regierung könnte mit Appellen zum Einlenken bewegt werden. Ein Olympiaboykott wäre in diesen Dimensionen nur ein Nadelstich, und nicht mal ein besonders wirkungsvoller, ganz im Gegenteil: die Chance, auf die Informationspolitik Chinas gezielt Einfluss zu nehmen, wäre endgültig vertan. Würde China beispielsweise nur einen Bruchteil seiner gewaltigen Dollar-Reserven auf den Markt werfen oder in Euro umschichten, wäre eine weltweite Rezession nicht mehr aufzuhalten. Das heißt aber nicht, dass China damit ein Freibrief ausgestellt werden soll. Der Dalai Lama sagte zu einem möglichen Olympiaboykott: „Ich unterstütze die Gastgeberschaft Chinas. China ist ein wichtiges Land, ein mächtiges Land, das verdient hat, Gastgeber der Spiele zu sein…Die Chinesen sollten stolz sein auf dieses Ereignis. Ich befürworte die Gastgeberschaft, weil das chinesische Volk nichts für die dramatische Lage in Tibet kann. Aber die chinesische Führung sollte daran erinnert werden, mehr für die Menschenrechte, aber auch mehr für die Umwelt zu tun.“ (Quelle: SpiegelOnline) Ich plädiere auch für Realpolitik, Diplomatie und freie Berichterstattung aus Tibet.

Ich will mein Posting um einen Aufruf zur Unterzeichnung einer Petition der Aktivisten von Avaaz.org ergänzen, die am kommenden Montag, den 31. März, an chinesische Botschaften und Konsulate übergeben werden wird. Der Wortlaut der Petition lautet: „An den chinesischen Präsidenten Hu Jintao: ‚Als Bürger dieser Welt ersuchen wir Sie, bei der Reaktion auf die Proteste in Tibet, zur Zurückhaltung und zum Respekt der Menschenrechte. Berücksichtigen Sie bitte die Anliegen der Tibeter, indem Sie einen bedeutungsvollen Dialog mit dem Dalai Lama eröffnen. Nur durch Dialog und Reformen kann eine längerfristige Stabilität erreicht werden. Chinas aussichtsvolle Zukunft liegt in harmonischer Entwicklung seiner Beziehung zur Welt durch Dialog und Respekt.‚“ Hier kann man diese Petition unterstützen.

Achtung, scharf!

Brieföffner Was hier aussieht wie ein zu Tode designtes Logo und als solches für ein Startup mit dem originellen Namen Snakemail Verwendung finden könnte, ist in Wirklichkeit das ultimative Weihnachtsgeschenk für Nerds mit eingebauter Verletzungsgefahr. Da ich für meine Webaffinität bekannt bin, erhielt ich dieses hilfreiche Tool sogar kostenlos. Damit macht dann sogar das Aufschlitzen von Briefen mit Rechnungsinhalt wieder richtig Spaß. Oder, naja, fast.