Beitrags-Archiv für die Kategorie 'Zwischenrufe'

Im Gleichschritt

Donnerstag, 11. Oktober 2007 16:37

Ich glaube, dass es ein Beispiel wahren Mutes ist, auf das Mutterkreuz als Mutter mehrerer Kinder zu spucken und es vor den versammelten NS-Funktionären in den Dreck zu werfen, wie es mir ein Augenzeuge geschildert hat. Alles andere ist Heiti-teiti, tut mir leid.

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Ich wollte,

Dienstag, 25. September 2007 21:02

ich könnte auch etwas schreiben, was nach lustiger Verzweiflung klingt. Kann ich aber nicht. Und warum rege ich mich überhaupt so auf, wenn eigentlich alles im Normalbereich ist. Der normale, dreckige, alltägliche Wahnsinn. Entweder ich mutiere jetzt auf der Stelle zum Arschloch oder ich stürze mich aus dem Fenster. Oder beides. Nein, so macht das keinen Spass mehr. Dafür, dass die Felsblöcke im Sekundentakt auf mich herniederprasseln, fühle ich mich eigentlich ganz lebendig. So lebendig wie der Frosch, der eigentlich ein Prinz war und von einem Auto überfahren wurde. “Jörg!”

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Eigenheiten

Sonntag, 23. September 2007 20:51

Wenn es etwas gibt, das ich so sehr hasse, dass ich darüber zum Mörder werden könnte, dann ist es die ungewollte Zudringlichkeit wildfremder Menschen. Ich habe immer das Gefühl, dass ich mir nie etwas in Ruhe anschauen oder genießen kann, ohne dass auf der Stelle fünf oder sechs Personen auftauchen, die plötzlich genau dasselbe wollen wie ich, mich blöd von der Seite anquatschen, mich antatschen oder sich 5 Zentimeter vor meiner Nase aufbauen. Nur nicht stehen bleiben, nur nichts anfassen, nur nichts schön finden – das ist mittlerweile mein Mantra, wenn ich mich unter Leute begebe. Gut, dass ich normalerweise friedliebend bin und keine Waffen bei mir trage, denn andernfalls säße ich schon längst im Gefängnis.

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Klitzekleine Anmerkung

Donnerstag, 19. Juli 2007 22:19

Um die italienisch-deutsche Kooperation im Postwesen scheint es nicht zum Besten bestellt zu sein. Nur mal so nebenbei.

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Wattn und Schafkopfen

Samstag, 9. Juni 2007 19:03

Beim Wattn gibt es drei Haupttrümpfe: den Max, den Belle und den Soach. Belle ist auch ein anderes Wort für den Kopf: “Baas auf dein´n Belle af!” heißt soviel wie: “Stoss dich nicht mit dem Kopf!” – wörtlich: “Pass auf deinen Schädel auf!”. Das Wattn ist, wie richtig vermutet, ein bayerisches Traditionsspiel. Hauptziel ist es, die gegnerische Partei möglichst einfallsreich über den Tisch zu ziehen. Es dient daher in erster Linie zur geselligen Unterhaltung und entgleitet ab und zu in das schenkelklopfende, krachlederne Milieu. Advanced bavarians spielen Schafkopfen und verachten Hauben, Maschinen und Eisenbahner. Wenn also in einem Wirtshaus vier gestandene Mannsbilder schweigend, mit verkniffenen Gesichtern und Karten in der Hand um einen Tisch sitzen, spielen sie meistens Schafkopf. Wenn der Bayer denkt, sagt er nichts. Beim Schafkopfen muss der Bayer viel denken, weil er, ausgehend von seinem Blatt und dem Spiel der anderen, die Karten der Mitspieler richtig vorhersagen muss. Es entsteht dabei eine solche Informationsdichte, dass die Verarbeitungskapazität strukturell bedingt schnell an ihre Grenzen stößt. Dieser Widerspruch zwischen gemeinsamem Tun, nämlich Schafkopfen, und Reduzierung der Kommunikation könnte schlichtere und weniger philosophisch veranlagte Gemüter zum Lachen reizen. Tatsache ist auch, dass sich unter den Schafkopfspielern überproportional viele Männer finden, was logisch sehr leicht nachvollziehbar ist. Zusammen mit ihrem übermäßigem Weißbierkonsum haben diese Männerrunden nämlich eine leicht pittoreske Anmutung.

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Alle Jahre wieder

Samstag, 12. Mai 2007 19:38

Um es ganz kurz zu machen: der 33. Geburtstag gestern fühlte sich auch nicht anders an wie der 32. oder, beispielsweise, der 31. Das wird langsam zur Routine, und die 5 und die 6 lugen schon mit ihren zahnlosen, grinsenden Mündern um die Ecke. Tempus fugit, wie der Lateinlehrer immer sagte: das Tempo fügt sich.

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Fernöstlicher Exkurs: Feng Shui

Mittwoch, 11. April 2007 18:30

Für alles gibt es eine Erklärung. Für Infektionsanfälligkeit und Morgenmüdigkeit beispielsweise. Es hängt auch viel davon ab, wo man seinen Schreibtisch hinstellt. Zur Verdeutlichung habe ich mich mal an folgende Skizze gewagt, die nicht maßstabsgetreu überraschende Einblicke in die Verhältnisse in meinem Arbeits-, Schlaf- und Wohnzimmer gewährt:

Feng-Shui

Der Schreibtisch ist orange, der Stuhl violett, der Fernseher blau und die Mauern grau dargestellt. Die dünne Linie links neben dem Schreibtisch soll die Fenster symbolisieren. Vorher: Wie es der rote Pfeil schon anzeigt, bleibt das Chi im Raum gefangen und kann nicht sich nicht frei zwischen Tür und Fenster tarzanartig durch den Raum schwingen. Das gefällt dem Chi überhaupt nicht, und darum verursacht es Kopfschmerzen, Verspannungen, Depressionen und sonstige letale Verwicklungen. Merke: Gestautes Chi ist böse! Als mir dieser Zusammenhang klar wurde, stellte ich um drei Uhr morgens den Schreibtisch um. Nachher: Das Chi gibt Ruhe und schwingt leise vor sich hin (s. grüner Pfeil). Einen kleinen Wermutstropfen hat die Sache doch: Da sich der Abstand zwischen Schreibtischkante und Wand dramatisch verringert hat, kann ich nicht einfach meinen Stuhl vor den Fernseher schieben, sondern muss ihn mühevoll über den Schreibtisch hieven. Jetzt meine Frage: Gibt es auch eine Chi-Therapie bei Lumboischialgie? Feng-Shui-Meister vor! PS: Natürlich könnte man einwenden, dass Fernseher sowieso die reinsten Chi-Staubsauger sind, aber das hilft mir jetzt nicht wirklich weiter.

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Global playing

Samstag, 10. März 2007 22:03

Der Chaostheorie zufolge löst der Flügelschlag eines Schmetterlings in Argentinien in China einen Taifun aus. Was ist, wenn, wie es im Sprichwort heißt, in Peking ein rostiges Rad umfällt? Verändert sich dadurch die globale Lage? Ich glaube schon.

Früher war es wirklich schön. Wir segelten in eine unbekannte Welt hinaus und gründeten Kolonien. Wieder zuhause ließen wir uns gemütlich vor dem Kaminfeuer nieder, wenn nicht gerade Krieg war, und träumten beim Genuss exotischer Mitbringsel vom edlen Wilden.

Der erste, dem auffiel, dass das eine trügerische Ruhe war, war Goethe. „Amerika, du hast es besser“, seufzte der alte Geheimrat, der Uneinigkeit Europas überdrüssig. Damit hatte er die wirtschaftliche Dynamik Chinas unterschätzt, wie Analysten heute sagen würden. Aber er besaß auch noch keine Aktien von China Online, wie mein Arbeitskollege (danke für den Tipp, übrigens). Er kannte auch die soziale Errungenschaft der 38,5-Stunden-Woche noch nicht. Denn sonst hätte er geschrieben: „China, du hast es besser.“ weiterlesen

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Pluto – wie es wirklich war

Dienstag, 29. August 2006 18:00

In einem Hinterzimmer der Gaststätte “Zum Astronomen”, das in einer abgelegenen Seitengasse der Stadt Kosmonia lag, traf sich jeden ersten Dienstag im Monat eine seltsame Versammlung alter, ergrauter Männer. Sie berieten darüber, wie man die starre und auf Dauer öde Ordnung des Universums ein wenig durcheinanderwirbeln könnte, natürlich nur auf dem Papier (in Wirklichkeit handelte es sich um eine wiederbeschreibbare Silberfolie mit einem durchschimmernden Wasserzeichen, das die Ringe des Saturn zeigte). In den letzten Jahren hatten sie einige wundervolle Ideen wie die Relativitätstheorie und die Existenz schwarzer Löcher ersonnen, aber im Moment mangelte es ihnen ein wenig an genialen Einfällen. Aus Langeweile malte einer der alten Männer, der mit seinem weißen Bart und seinen Locken aussah wie Gottvater persönlich, mit Kugelschreiber einen dunklen Punkt in sein Bierfilzl (das aus Pappe war. Darauf war eine hübsche kleine Szenerie abgebildet. Das Papamobil kreiste im Weltall und war zu einem Raumschiff umfunktioniert worden. Der Feuerstoß war in kreischend bunten Farben gezeichnet. “Marsbier – don´t drink and fly.”) “Was ist das?” fragte ihn sein Nachbar, ein hagerer Greis im braunen Schlafrock. “Ein schwarzes Loch?” “Nein, nein, der Pluto.” Er sagte nicht “Pluto”, sondern “Bludo”. “Mir war er als Planet noch nie besonders sympathisch. Ein vereister Felsbrocken, der irgendwo da draußen herumschwirrt.” Er strich sich über seinen Bart und nahm einen herzhaften Schluck vom “Marsbier silber”, das etwa unserem “Weizen light” entsprechen dürfte. “Genau wie tausend andere Felsbrocken”, sagte eine Stimme vom Tischende. Alle schwiegen. “Streichen wir doch diesen Pluto.” “Ja, genau. Die Blogger werden uns dankbar sein.” Sie gaben ihre einhellige Meinung dem Wirt bekannt und bestellten eine weitere Runde Marsbier. Und so verschwand der Pluto vom Himmel. Er war jetzt kein Planet mehr, sondern ein vereister Felsbrocken, der irgendwo da draußen herumschwirrte. Viele Väter zeigten in klaren Nächten auf einen leeren Platz im Weltgefüge, bückten sich zu ihren Söhnen hinunter und flüsterten: “Sieh! Dort war einst Pluto, der verschwundene Planet.” Sie sagten nicht “Pluto”, sondern “Bludo”.

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