Weihnachtsgruß 2008
Mittwoch, 24. Dezember 2008 18:28
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Mittwoch, 24. Dezember 2008 18:28
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Montag, 22. Dezember 2008 0:30
Ich haste eine Treppe zu einer Freiterrasse hoch, die sich außen um ein Gebäude schlängelt. Es ist ein modernes, lichtdurchflutetes Gebäude, das im Inneren ein großzügig geschnittenes Restaurant beherbergt. Das Restaurant ist überfüllt und bis auf den letzten Platz mit Leuten besetzt, die ich aus der Arbeit zu kennen scheine. Der Sonnenschutz besteht aus vor den riesigen Glasflächen aufgehängten Lamellen aus hellem Holz. Auch die Bohlen der Freiterrasse, die dort stehenden Tische und Stühle sind aus denselbem Holz gefertigt. Auf der Freiterrasse treffe ich auch zwei elegant in Frack gekleidete Herren mit Zylinder, die eher in das London des 19. Jahrhunderts als hierher zu passen scheinen. Sie wollen mir einen Kredit in Höhe von einer Million Euro anbieten, dessen Konditionen ich nun mit ihnen aushandeln will. Die berufliche Zukunft der anwesenden Menschen hängt davon ab, ob ich diesen Kredit bewilligt bekomme, und sie sind während der Unterhaltung mit halbem Ohr anwesend. Die beiden Herren eröffnen das Gespräch sehr herablassend: “Was wollen Sie denn haben?” “Eine Million”, antworte ich Ihnen. “Nun, Sie können aber auch weit mehr haben.” “Gut”, sage ich, “drei Millionen” und strecke Ihnen meine Hand hin, um das Geschäft zu besiegeln. Einer der beiden schlägt schlaff ein. “Nun zu den Konditionen. Was verlangen Sie?” Ich stehe noch immer am Tisch und habe mich nicht gesetzt. Ich bin voller Schwung und überschlage im Kopf schon die Kosten für die Zinsen, die ich im nächsten Augenblick erfahren werde. Die beiden Herren zieren sich. “Wir wollen nun, äh, Ihre Partnerin.” Und nach einer Pause: “Es wäre natürlich sehr hilfreich für uns, wenn die Trennung von Ihnen ausgehen würde.” “Wie in aller Welt kommen Sie denn darauf, dass Sie sich Ihnen in die Arme wirft, nachdem ich mich von ihr getrennt habe?” Ich denke fieberhaft darüber nach, ob ich nun tatsächlich meine Partnerin verkauft habe und ob das überhaupt möglich ist, während ich mich mit den beiden Herren unterhalte. An dieser Stelle wache ich auf.
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Sonntag, 21. Dezember 2008 23:57
“Ich weiß nicht”, rief ich ohne Klang, “ich weiß ja nicht. Wenn niemand kommt, dann kommt eben niemand. Ich habe niemandem etwas Böses getan, niemand hat mir Böses getan, niemand aber will mir helfen. Lauter Niemand. Aber so ist es doch nicht. Nur dass mir niemand hilft -, sonst wäre lauter Niemand hübsch. Ich würde ganz gern – warum denn nicht – einen Ausflug mit einer Gesellschaft von lauter Niemand machen. Natürlich ins Gebirge, wohin denn sonst? Wie sich diese Niemande aneinanderdrängen, diese vielen quergestreckten und eingehängten Arme, diese vielen Füße, durch winzige Schritte getrennt! Versteht sich, dass alle in Frack sind. Wir gehen so lala, der Wind fährt durch die Lücken, die wir und unsere Gliedmaßen offen lassen. Die Hälse werden im Gebirge frei! Es ist ein Wunder, dass wir nicht singen.”
Franz Kafka
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Sonntag, 21. Dezember 2008 11:39
Da ich an der Wichtelaktion von Herrn Hollemann teilgenommen habe, wird es jetzt langsam höchste Eisenbahn, auch den Wichtelbeitrag eines mir zugelosten Wichtels zu veröffentlichen…nun denn: wilderkaiserblog proudly presents…
Nun ist es wieder so weit
Für die jährliche Weihnachtszeit,
Diesmal sind es Blogger und kein Weihnachtsmann
Und Grüße in Bytes auf der Datenautobahn.
Wer früher eine Karte versandt
Hält heute eine Maus in der Hand.
Doch die Gedanken sind noch gleich
Und man geht ja auch mit der Zeit.
Bevor wir alle werden zu Glas
Hier noch ein letzter, digitaler Spaß:
Mit den besten Wünschen und Gedanken
Ohne Grenzen, ohne Schranken.
Drum dir und allen, die das sehen
Frohe Weihnachten und den besten Bloggersegen.
Auf dass wir bloggen auch in 2009
Und uns auf das nächste Blogwichteln freun.
Ich muss sagen, über die Glaswerdung des Menschen habe ich bisher auch noch nicht so genau nachgedacht. Auf jeden Fall originell…vielen Dank, lieber unbekannter Wichtel. Und ich entschuldige mich dafür, dass es bis zur Veröffentlichung so lange gedauert hat.
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Donnerstag, 27. November 2008 22:18
“Tiefe Liebe besteht darin, die geheime Liebe nicht zu offenbaren, bis man stirbt, und den Geliebten im sterbenden Herzen immer noch zu lieben.” Tsunetomo Yamamoto: Hagakure
Was in aller Welt hat es zu bedeuten, von einem hochrangigen Manager eines japanischen Industriekonzerns mit einem Tuch beschenkt zu werden? Das Geschenk war noch dazu interessant verpackt: die Faltung war nicht symmetrisch und gerade und langweilig, sondern quer über das Eck. Alles ist in Japan ein Symbol und gleichzeitig ein Rätsel, tiefgründig und faszinierend. Ich hoffe, dass sie mein Feedback und ihre mit der Digitalkamera geschossenen Bilder wirklich für eine Verbesserung ihrer Produkte nutzen und nicht nur an einer bloßen Imitation interessiert sind. Die heutige Präsentation läßt jedoch hoffen.
Überraschend war auch das überwältigende Geschenkefeuerwerk von Mme. Jekylla, das sie mir Ende Oktober per Post zukommen ließ. Schande über mich, dass ich erst jetzt ihren Einsatz würdigen kann. Nicht nur, dass dem Paket eine handgeschriebene Postkarte beilag, nein, auch der Film “Wall-E”, das Buch “Mein fast perfektes Leben” von Jonathan Tropper (“Hackbratenhase”) und last but not least Max, der Bär, waren darin enthalten. Nicht zu vergessen natürlich eine Packung der Müslimischung “Jekylla Tropical”, die ich teils pur, teils mit Milch genossen habe. Max ziert sich zur Zeit ein bißchen und guckt auf allen Fotos, die ich von ihm zu machen versuche, zu Unrecht furchtbar grimmig drein. Dann eben nicht. Aber an dieser Stelle ein ganz, ganz furchtbar großes Dankeschön an die edle Spenderin. Es kam wie immer zum richtigen Zeitpunkt.
Und Max bewacht seither unentwegt mein Sideboard.
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Sonntag, 23. November 2008 20:52
Bis auf die Tatsache, dass ich gestern mitten im Schneegestöber mit dem Rad zum Einkaufen fahren musste, zwecks fehlender Scheibenwischer an meinen Brillengläsern den Gehweg küsste, bei dieser Gelegenheit meinen Zimmerschlüssel verlor und nach einem Telefonat mit einem x-beliebigen Aufsperrdienst von zwei russisch-uigurischen Männern besucht wurde, die vorher bei Inkasso Moskau gearbeitet hatten und mir nun gegen ein horrendes Entgelt die Türe öffneten, ist alles grande bei mir. Fast. Denn der Schlüssel blieb gestern und heute trotz intensivster Suche unauffindbar.
Der Besuch der Medica 2008 letzte Woche hat sich jedenfalls für mich persönlich gelohnt. Am Freitag platzte ich in die Planung eines Kongresses und nahm nach einer bühnenreifen Vorstellung huldvoll meine offizielle Ernennung zum Referenten entgegen, der im September 2009 in Köln vor einem Fachpublikum einen Vortrag über Software in Medizinprodukten aus Sicht des Anwenders halten darf. Ich glaube, langsam entwickeln sich die Dinge in die gewünschte Richtung. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie ich diese frohe Botschaft am schonendsten meinem Chef beibringen kann, ohne dass er sich in seiner Eitelkeit gekränkt fühlt.
Nicht ganz auf unfreiwillige Komik verzichtete letzte Woche die Deutsche Bahn, mit der ich wieder einmal stunden- und tagelang unterwegs war. Der Regionalexpress von Bonn nach Emmerich über Düsseldorf war wegen der Messebesucher erwartungsgemäß brechend voll. 1. Ansage des Zugführers: “Der Zug bleibt jetzt so lange stehen, bis die Hälfte der Passagiere ausgestiegen ist.” 2. Ansage des Zugführers: “Wegen uneinsichtiger Passagiere haben wir aktuell 20 Minuten Verspätung.” Ja, Frechheit, dass alle mit der Bahn fahren wollen! Wo kommen wir da hin!
Die tausend anderen Kleinigkeiten, die mich zur Zeit beschäftigen, unterschlage ich an dieser Stelle besser. Nur soviel: meine Weiterbildung beginnt mich wegen der Teilnehmer, der Dozenten und der Organisation drumherum richtig zu nerven. Und privat und persönlich so weiß ich momentan auch nicht so recht, wie es weitergehen soll. Also wieder einmal warten. Auf Ergebnisse, Noten, Anstöße. Mit dem Papierwust nebenher könnte ich jetzt schon ein eigenes Sekretariat beschäftigen.
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Montag, 17. November 2008 19:14
Die Leuchtspur Einsamkeit,
Stein und Balken:
alles ist Heimat,
fernstes Sein
im Knistern der Zweige.
Aus den leeren Himmeln
der Städte ergießen sich
weltlose Schatten
in Gassen,
bestäubt von Asche.
Und zwischen den
todesheiseren Schlachten
formt sich im Mund
die klirrende Stille
zu einer Bitte.
Zu einem Abgott.
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Sonntag, 19. Oktober 2008 18:18
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Samstag, 11. Oktober 2008 0:15
Ich gebe es zu: mein Leben ist eine Prokrastinationswüste. Mein Blog liegt brach, meine Steuererklärung liegt brach, meine Projekte liegen brach, mein Leben liegt brach. Die Hoffnung, dass sich diese Wüste nach dem alles entscheidenden Datum 15. Oktober 2008 noch in eine blühende Landschaft verwandeln könnte, ist momentan nur wenig mehr als ein schmaler Silberstreif am Horizont. Und so konzentriere ich mich darauf, das in alle Himmelsrichtungen zerstreute Wissen beharrlich zusammenzukratzen und einen winzigen Teil davon zu behalten. Meine Festplattenkapazität ist sehr begrenzt, wie ich in den letzten Tagen mit ungläubigem Staunen immer wieder feststellen durfte. “Staub bist du, Mensch, und Staub wirst du wieder…” – heißt konkret: es is eh alles wurscht. Wer fragt schon nach der Note, wenn die Prüfung bestanden wurde? Wenigstens freue ich mich darauf, gemeinsam mit den anderen, die gerade ebenfalls die Grenze zum Wahnsinn austesten, nach dieser unvermeidlichen Schreibfolter das erste Jahr des Kurses zu begießen. “Kleinhirn an Großhirn…” Nein, das ist KEIN Buchungssatz.
PS: Freie Assoziation, aber: ich finde schon allein den Titel “Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin” toll. Ich werde mir das Buch auf jeden Fall zulegen. Endlich fühle ich mich nämlich entlarvt, und ich kann einfach ohne Verzögerungstaktiken drauflosarbeiten.
PS2: Unbedingt auch diese Seite besuchen…wenn ihr mal wieder was aufschieben wollt oder so.
PS3: Trotzdem: das hilft mir jetzt nur bedingt weiter.
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Mittwoch, 1. Oktober 2008 23:10
Im hellen Passionsduft der Mondsicheln
erglüht das Meer würziger Gräser,
blutet hin im schmelzenden Garten
der ruhende Ton der Laute.
Blaue Vogelstimmen weben
dem Müden ein hüllendes Tuch,
während vom schwarzen Tau aufglänzt
ein Haar. Dem braunen Corpus
entschweben die schimmernden Fäden
der Saiten mit dem Atem,
der leisesten Musik.
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