Wind of change

Sonntag, 11. April 2010 1:04

“Überall weht er, nur nicht bei mir…” Das fiel mir unwillkürlich vor wenigen Wochen ein, als ich in der Nähe von Fulda einen kleinen Abendspaziergang unternahm und die sich drehenden Windräder betrachtete. Knapp zwei Wochen später erhielt ich das Angebot, in eine andere Abteilung zu wechseln. Ich sagte ohne Bedenkzeit sofort zu, meldete mich zur nächsten Stufe meiner berufsbegleitenden Weiterbildung an und reaktivierte einen lange unterbrochenen Kontakt zu einem Menschen, der mir sehr viel bedeutet. Die aufkeimenden Zweifel und das Gefühl, die Tür zu einer vielversprechenden Zukunft aufgestoßen zu haben, verwandelten mein Gefühlsleben in eine Achterbahnfahrt. Ich merke deutlich, dass ich momentan sehr viel Zeit ich für mich selbst brauche, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen und mich an die neuen Perspektiven zu gewöhnen. Ich ziehe mich unbemerkt, aber stetig von anderen zurück, und es gibt derzeit niemanden, dem das auch nur ein bißchen auffallen würde. Es mag zwar jetzt der Samen gelegt worden sein, aber es ist noch nichts entschieden und kaum mehr als eine Möglichkeit. Ich kann selbst fast nichts dafür tun, dass sich die Möglichkeiten in handfeste Realität verwandeln. Mit meinen Verträgen als freiberuflicher Dozent ergeht es mir bei verschiedenen Bildungsträgern ähnlich – die Termine für die Seminare sind bis Ende 2011 fixiert, ich sitze regelmäßig ein paar Stunden über meinen Präsentationen, aber sobald die Veranstaltungen in greifbare Nähe rücken, erhalte ich einen Anruf, dass die Kurse aufgrund einer zu geringen Teilnehmerzahl abgesagt werden müssen. Auf diese Weise bin ich zwar mit umfangreichen Vorbereitungen beschäftigt, sehe aber kein Geld dafür.

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Sturm

Donnerstag, 11. Februar 2010 22:20

Ich erwache wie von einem Donnerschlag und stehe sofort auf, da ich ein schlimmes Ereignis befürchte, das unmittelbar bevorsteht. Ich blicke aus dem Fenster und bin für einen Augenblick ziemlich verwirrt: ich blicke wie von einem sehr hohen Punkt aus auf das südliche Tal hinter dem Universitätsklinikum hinab und stehe doch nur an der mir bekannten Fensterfront vor den Kursräumen im rückwärtigen Teil des Klinikums; zudem bin bin überrascht darüber, dass ich vor einem der Kursräume mein Lager aufgeschlagen habe. Über dem Tal türmt sich ein kompakter, gewaltiger Hexenkessel aus pechschwarzen Wolken auf, in dem einzelne Blitze zucken. Er dreht sich in einer rasenden Geschwindigkeit und bildet schließlich einen Tornado, der ganze Häuser wie Streichhölzer in der Mitte auseinanderbricht und wegfegt. Ich bin erleichtert, als ich bemerke, wie sich das Auge des Sturms langsam von den Gebäuden des Klinikums wegzubewegen scheint. In der sich lösenden Anspannung kommt mir plötzlich auch meine grelle Panik zu Bewusstsein.

Nach einem kurzen Schwenk nach links durch die Glastüren, die zur Kinderklinik führen, sehe ich meinen Kollegen M. an einem Patientenmonitor herumhantieren. Er steht etwas weiter weg in einem der rundum verglasten Aufenthaltsbereiche am Ende der C4-Spange und überprüft dort die Netzwerkeinstellungen der Monitore. Ich bin froh, dass er bei uns im Haus arbeitet, da er der einzige ist, der das eben zusammengebrochene Netzwerk wieder instandsetzen kann. Ich bin ihm geistig so nahe, dass es mir irgendwie gelingt, mittels Gedankenübertragung Kontakt zu ihm aufzunehmen. Aber er scheint nur am Rande von mir Notiz zu nehmen, und als ich ihn nach seiner Funknummer frage, antwortet er gedehnt: “Ich habe den 0050-er.” Er ist auf das Problem mit dem Netzwerk fokussiert, während ich voller Unruhe auf seine Person fokussiert bin und an seinen Lippen hänge. Er allein kann momentan noch die Krise abwenden.

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Maximale Demotivation

Montag, 14. September 2009 19:30

Wer Führung wirklich ernst nimmt, kommt nicht umhin, sich auch mal an der dunklen Seite der Macht zu berauschen. Da werden Mitarbeiter schon mal blamiert, dass die sich fühlen wie ein angeschossenes Reh auf einer Treibjagd. Oder man erfindet ein besonderes Prozedere der Demütigung, das zwar aussieht wie sanfter Sarkasmus und von keinem noch so sozial eingestellten Betriebsrat der Welt sanktionsfähig wäre, aber auf den Mitarbeiter-Crash-Test-Dummy wirkt wie ein Geschwindigkeitswechsel von 280 auf 0 in einer Sekunde. Auch wenn in schönfrisierten Managementseminaren etwas anderes gelehrt werden sollte: was immer Not tut, ist gutes, altes, tradiertes Herrschaftswissen, in Jahrhunderten gereift wie guter Wein. Das Arbeitstier im Team sollte man schon ab und zu darauf hinweisen, dass seine Arbeit keine besondere intellektuelle Herausforderung darstellt. Der Ehrgeizige bekommt seine Grenzen aufgezeigt, wenn man ihm zu verstehen gibt, dass man ihm im eigenen Bereich leider keine Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bieten könne. Wer glaubt, auch in der Freizeit für seine Firma zur Verfügung stehen zu müssen und sich auch noch erdreistet, den Chef darauf hinzuweisen, dem berichte man stundenlang ohne Punkt und Komma über die eigenen Freizeitnöte als Führungskraft und über die lukrativen Nebentätigkeiten, denen man nachgeht. Die Botschaft muss sein: ich weiß mehr, ich kann mehr, ich bin mehr, ich habe mehr. Damit sie jeder begreift, muss sie dem lernunwilligen Gefolge solange in die Köpfe gehämmert werden, bis dieses schon bei einem seltsamen Blick vor Schmerz aufschreit. Die Objekte der Beweisführung – Auto, Familie, Haus, PC, Kontakte – sind dabei zweitrangig. Wenn nach erfolgreicher Indoktrination die Produktivität im Team endlich abstürzt, kann man sich bestätigt fühlen. Zur maximalen Demotivation genügt es in diesem Moment, sich selbst als Vorbild hinzustellen. Warum nicht ein paar Tage von dem höllischen Stress der Führungsarbeit frei nehmen? Die Arbeit ist schließlich getan. In aller Seelenruhe darf man darauf vertrauen, dass die Hydra der Kreativität besiegt ist und nie mehr ihr häßliches Haupt aus der Masse der Normalität erhebt.

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Ich wünsch mir was. Teil 1: Der ideale Job

Dienstag, 11. August 2009 23:09

Heute habe ich zufällig den Rat aufgeschnappt, man solle seine Wünsche so präzise und deutlich wie möglich niederschreiben, damit man ihnen eine Chance zur Verwirklichung gibt. Diesen einen Rat will ich ausnahmsweise mal befolgen, und daher phantasiere ich mir ganz verantwortungslos und egoistisch gleich mal meinen idealen Job zusammen:

  • Ich fahre jeden Tag ausgeschlafen in die Arbeit. Das bedingt aber auch, dass ich erst später als bisher mit dem Arbeiten beginne und auch später wieder aufhöre. Am besten wäre eine regelmäßige Arbeitszeit zwischen 10.00 und 18.00 Uhr.
  • Wenn ich untertags eine Pause brauche und keine wichtigen Besprechungstermine anstehen, kann ich mir eine Auszeit nehmen. Es gibt niemanden, dem ich dafür Rechenschaft ablegen muss.
  • Meine Agenda hat eine gewisse Gültigkeit, das heißt, wenn ich in einem wichtigen Projekt stecke und dafür meine komplette Arbeitszeit benötige, wird das beachtet und respektiert. Ich werde nicht mit tausend anderen zu erledigenden Aufgaben nebenher zugeschüttet und kann mich voll und ganz auf eine Aufgabe konzentrieren.
  • Das Gehalt ist meiner Tätigkeit angemessen. Ich habe nicht das Gefühl, laufend übervorteilt und als billiger Arbeitssklave missbraucht zu werden. Es reicht, um die laufenden Ausgaben zu decken und einen guten Anteil nebenher sparen zu können.
  • Ich arbeite in einem kleinen Team aus Spezialisten, die etwas von ihrer Sache, die nicht meine Sache ist, verstehen. Das Arbeitsklima ist freundlich und aufgeschlossen, aber meistens aufgabenorientiert.
  • Mein Vorgesetzter gibt mir klare Zielvorgaben und klare Rückmeldungen. Ich weiß immer, woran ich mit ihm bin. Ansonsten läßt er mir weitgehend freie Hand und traut mir selbständiges Arbeiten zu. Wenn er mich um einen Rat bittet, hört er mir zu und läßt mich im Gegenzug an seinen eigenen Gedanken und Ideen teilhaben. Er vertraut meiner Expertise.
  • Ich arbeite in einem Großraumbüro, habe aber die Möglichkeit, auch tageweise ein Einzelbüro nutzen zu können, je nach Lust und Laune.
  • Mein Hauptaufgabengebiet ist Kommunikation, Wissen und Begegnung. Ich bringe Menschen zusammen, moderiere und kann im Hintergrund kreativ gestalten.
  • Ich habe einen inoffiziellen Sparringspartner, mit dem ich die verrücktesten Ideen durchspielen kann. Ab und zu trinken wir mal ein Bier zusammen.
  • Der Besuch von Weiterbildungen, Seminaren und Schulungen wird in jeder Hinsicht gefordert und gefördert.
  • In Verhandlungen oder bei Treffen mit externen Geschäftspartnern werde ich, wenn es mein Aufgabengebiet betrifft, einbezogen und um Stellungnahme gebeten.
  • Das Umfeld ist professionell, aber keinesfalls steif.
  • Es gibt feste Jahrestermine. Einen gewissen Teil des Jahres verbringe ich auf Reisen.
  • Es gibt zumindest eine zuverlässige und fleißige Person, an die ich einen Teil meiner Arbeit delegieren kann.

Ja, all das, in den buntesten Farben ausgeschmückt, wünsche ich mir. Mal sehen, ob es mit der Beschreibung der idealen Beziehung auch so leicht wird.

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Gequakel

Donnerstag, 4. September 2008 22:09

Ich habe bestimmt nichts gegen kommunikative Menschen. Aber die Dauerbeschallung der letzten Monate ging an mir nicht spurlos vorüber. Immer, wenn ich im Büro sitze und ich den stundenlangen, lautstarken Ausführungen meiner Zellengenossin am Telefon oder mit hereinschneienden Menschen unterschiedlichster Coleur folgen muss, schaltet mein Gehirn in einen Stand-by-Modus, der gierig auf die nächste Chance zur Konzentration wartet. Das geht so weit, dass ich einen Vorgang vom Stapel nehme und seufzend wieder zurücklege, weil ich mich momentan nicht damit beschäftigen kann. Ich habe den starken Verdacht, dass meine Arbeitsleistung im Vergleich zu früher stark nachgelassen hat. Heute benötigte ich für ein simples Anschreiben mehrere Anläufe, um es dann nach zwei Stunden verschicken zu können; ich weiß nicht, ob daraus für den Leser klar hervorgeht, was ich eigentlich will. Die Tür unseres Büros steht den ganzen Tag über weit offen, und jede der zig Personen, die täglich daran vorbeigehen, könnte der nächste potentielle Gesprächspartner werden. Sicherlich willkommene Abwechslung, ja, aber doch erst nach einigen Stunden konzentrierter Arbeit. Wenn meine Zellengenossin wahllos jede Chance zur Ablenkung und Zerstreuung ergreift, ist an eine wirkliche Erledigung meiner dringendsten Arbeiten kaum zu denken. Und ich hasse es, im Laufe meines Beruflslebens immer wieder in die ungeliebte Rolle des Spaßverderbers gedrängt zu werden, wenn ich ein so offensichtliches Thema anspreche. Ein Ausweichen auf andere Arbeitszeiten ist kaum möglich, denn dazu müßte ich sehr viel früher ins Büro kommen. Abends bleibt meine Kollegin bis zur absoluten Grenze des Gleitzeitrahmens, um Stunden aufzubauen – aber auch hier bleibt bis knapp vor Sonnenuntergang das wasserfallartige Mundwerk Trumpf. Ich bin kaum zwei Wochen da und nähere mich schon wieder dem Zustand vor meinem Urlaub an, den ich vor ein paar Wochen als abartig schlimm empfunden habe. Es gäbe soviel zu tun, aber ich habe keine Gelegenheit dazu. Über allem ergießt sich die Sauce eines ungestillten Mitteilungshungers, der jeden klaren Gedanken unmöglich macht. Ich atme auf, wenn sie aufsteht, ihre Sachen zusammenpackt und einen Besprechungstermin andernorts ankündigt. Und dabei verstehen wir uns eigentlich noch ganz gut.

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Schieflage

Donnerstag, 10. Juli 2008 21:16

Wenn andere viel zu tun haben, dann gestatten sie sich mir gegenüber, sich unter Druck zu fühlen und gestresst zu sein, und das mit dem Brustton der Überzeugung und im vollen Recht. Auch eine patzige oder mürrische Antwort nehme ich unter diesen Umständen ohne große Worte hin, selbst wenn ich ihre Hilfe aus irgendwelchen Gründen gerade dringend bräuchte. Wenn ich viel zu tun habe, habe ich aus Sicht der anderen nicht gelernt, nein zu sagen. Und wenn ich, derart provoziert, dann tatsächlich nein sage, habe ich nicht gelernt, mir meine Zeit richtig einzuteilen. Oder ich verrate die Freundschaft, die nur ein Synonym für geschickt getarnte Ausbeutung ist. Fazit: Das Problem meiner Arbeitsbelastung ist immer nur ein psychologisches, kein “wirkliches” Problem. Die übervollen to-do-Listen sind nur faule Ausreden. “Achja, und schicken Sie mir das Protokoll doch bitte noch bis morgen zu.” Freie Zeit? Gar zum Sich-Erholen? Jaja, wichtig, bitte gerne doch. “Überstunden abbauen!!!!!!”, klebt das gelbe, höchstrichterliche Post-it auf der Stundenabrechnung. Und jetzt? Ausschlafen? Ein Eis essen? Schwimmen gehen? In der Sonne braten? Haha. Weit gefehlt. “Übrigens: könntest du nicht nächste Woche die Hecke schneiden? Du hast doch Urlaub?” Wer keine Beschäftigung hat (oder so wirkt, als hätte er welche), bekommt eine – verpasst. Ich darf mich schon dem Müßiggang ergeben, es darf nur niemand dabei zusehen. Das ist wie das Parkbank-Dilemma: kaum sitze ich auf einer, will auch schon ein anderer auf derselben Bank Platz nehmen. Was tun? Die Sache aussitzen? Aufstehen? Den Mitsitzer böse anstarren? (Das habe ich alles schon probiert; es interessiert den nach der Parkbank geifernden, spontan erholungsbedürftigen Menschen nicht die Bohne.) Mein Protest, dass ich jetzt doch bitte allein sein wolle, es gäbe noch genügend andere freie Parkbänke, zerschellt am debilen Dauergrinsen oder den unglaublichen Ausfällen meines Gegenübers. “Ist hier noch frei?” “Nein, ich will hier alleine sitzen.” “Das ist doch eine absolute Frechheit. So etwas lasse ich mir nicht bieten. Nein, gerade jetzt setze ich mich zu Ihnen.” Sprach´s, wuchtete sich in den Korbsessel und verschränkte die Arme, während ich, 20 Zentimeter von besagter Dame entfernt beinahe Ellenbogen an Ellebogen sitzend, mit vor Wut glühendem Kopf meinen Eisbecher verschlang. Ja, wäre sie doch nur 30 Jahre jünger gewesen. Aber sie war sich wohl damals schon treu bis zur Selbstaufgabe. Nun ja, wie gesagt: meine Reaktion war auch nicht gerade souverän. Da gibt es noch großen Nachholbedarf, der aber leicht aufzuholen sein düfte: ich bin ja Single und habe wirklich sehr, sehr viel Zeit.

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Vielerlei…

Sonntag, 9. März 2008 23:16

…ist hier während meines einwöchigen Urlaubs liegengeblieben. Einiges habe ich lustlos in Angriff genommen und danach halbfertig auf den inneren, geistigen Stapel gelegt, einiges blieb völlig unbearbeitet. Heute begleitete mich mal wieder das Gefühl der Ausweglosigkeit und Ohnmacht durch den Tag – meine Gedanken waren nicht hier, sondern beim morgigen Tag und bei der neuen Woche. Ich spüre nur, dass sich hinter dieser hauchdünnen Wand von wenigen Stunden die Konflikte auftürmen und ich morgen völlig präsent sein muss, um nicht in diesen negativen, auf mich gerichteten Energien unterzugehen. Schließlich habe ich wieder alle Hände damit zu tun, die Spielbälle, die auf meine Hälfte des Feldes gedroschen werden, zurückzuschlagen. Ein erfolgreicher Tag ist, um im Bild zu bleiben, einer, an dem ich schweißüberströmt und mit Muskelkrämpfen von einer leeren Spielhälfte schleiche. Das bedeutet aber nicht, dass ich etwas Produktives getan hätte, und dieser Überhang wird mir immer mehr zum Verhängnis. Ich schiebe die längerfristigen Verpflichtungen und Projekte nur noch vor mir her. Mehr kann ich nicht tun, im Moment. Auch privat bewegt sich wenig. Ich zögere. Warum? Will ich wirklich warten, bis das sattsam bekannte Ablehnungsschreiben im Postkasten liegt? Habe ich wirklich die Chancen, die ich mir ausmale? Ich hoffe es natürlich. – Wenn mein Chef nicht mal mehr meine emails liest und mir dann in einem Telefonat während meines Urlaubs mit einem aggressiven Unterton vorhält, er sei nicht informiert worden und ein bestimmtes Schreiben komme für ihn völlig überraschend, habe ich ausreichende Gründe, um auf der Hut zu sein. Er will mich loswerden, und ich will nicht mehr unter ihm arbeiten. Der Informationsfluss und die Kommunikation sind ein Desaster. Nimmt man noch die neue räumliche Nähe durch meinen Umzug mit dazu, ergibt sich eine explosive Konstellation.

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Nestflucht

Freitag, 29. Februar 2008 21:18

Ich habe ja schon seit langem den ausführlich begründeten Verdacht, dass das Gros der Männer nur deswegen freiwillig in die Arbeit geht, um sich vor den zuhause lauernden Ehefrauen in Sicherheit zu bringen. Bleibt die Frage, wer davon wie profitiert.

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Rollercoaster, life is a

Dienstag, 12. Februar 2008 20:53

Nachdem mich die letzten Wochen mit genügend Stoff für drei Lehrbücher über planloses Management und seine dramatischen Folgen versorgt haben, scheint mein Chef urplötzlich von einem guten Geist einer kompletten Gehirnwäsche unterzogen worden zu sein. Die Symptome sind vor diesem Hintergrund extrem besorgniserregend und schwer deutbar: nicht nur, dass er mir aus freien Stücken eine Gehaltserhöhung anbietet, ich soll auch dauerhafte Unterstützung in meinem Aufgabengebiet bekommen. Zudem ergatterte ich in der heutigen Teambesprechung aufgrund seiner Entscheidung einen Platz im neu entstehenden Büro – ja, das mit den schicken neuen Möbeln – und werde dort zusammen mit einer alten Bekannten sitzen, mit der ich mich bis jetzt blendend verstehe. Wenn das so weitergeht, finde ich bald keinen Grund zum Meckern mehr. Jetzt muss sich nur noch das Tor zu einer anderen lukrativen Option öffnen, und ich wäre restlos bedient – denn dann wüßte ich wirklich nicht mehr weiter. Hilfe, kann ich da nur sagen…das härteste Los für den Pessimisten bleibt doch immer all das Positive, das ihm zustößt. Wenn mich nun noch ein weibliches Wesen sanft vom Rechner wegziehen würde, wäre für diesen Augenblick wirklich alles perfekt. Aber es ist bestimmt besser, nicht gleich zu übertreiben.

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Ober sticht Unter

Freitag, 8. Februar 2008 22:27

Das wird sich auch nie ändern: das nervöse Hin- und Herflattern, der chaotische, unter unzähligen Blättern begrabene Schreibtisch, die Kaffeeflecken, die Unfähigkeit, zu Ende zu sprechen, geschweige denn irgendetwas zu organisieren, der konstante Jammerton, die fünf Piepser wie Orden am Kittel. Von wem spreche ich wohl? Richtig, vom Stand der Mediziner. Noch genauer: der Krankenhausärzte. Als es mir heute aufgrund von lange angestautem Frust einfach zu bunt wurde, schrieb ich einem dieser Exemplare eine geharnischte email. Punkt für mich: er hat sich richtig geärgert, konnte mir das aber nicht offen zeigen. Punkt für ihn: Ober sticht Unter. Oder Oberstudienratsgehalt schlägt TV-L Entgeltgruppe 6. Hoffentlich überreichen sie mir endlich meine Kündigung mit einem rosa Schleifchen dran. Vielleicht mache ich es auch umgekehrt. Vielleicht gründen wir auch gemeinsam die Selbsthilfegruppe der durchgeknallten Schlaflosen*. Mal sehen.

(*Gibt´s eigentlich schon, ich weiß.)

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