De gustibus

„De gustibus non est disputandum“ – über Geschmack läßt sich nicht streiten, das ist eine altbekannte Tatsache. Aber wer legt dann fest, was „guten Geschmack“ auszeichnet? Hier sind mehrere Möglichkeiten denkbar: 1. es gibt eine „von oben“ verordnete Geschmacksdiktatur, 2. es gibt einen Geschmacksterror „von unten“ und 3. es gibt eine kleine, elitäre Gruppe, die sich mit ihrer Definition des „guten Geschmacks“ vom Rest abheben will; über Nachahmer verfestigt sich diese Definition ganz allmählich, bis sie zum Allgemeingut wird. Wir ahnen es bereits – der „gute Geschmack“ ist ein Problem der Abgrenzung und der Ränder. Was dem einen kaum ein Achselzucken abringt, ist für den anderen ein himmelschreiender Skandal. Das ist unter anderem auch eine Frage der Frustrationstoleranz, wie man sehr schön hineinpsychologisieren könnte. Schon allein deswegen können wir es nicht lassen, uns mit Geschmacksfragen auseinanderzusetzen. Wenn These und Antithese aufeinanderprallen und sich unauflösbar ineinander verhaken, fühlt man sich unweigerlich an den Merksatz des Königsbergers erinnert, dass sich viele Widersprüche mit den Mitteln der Vernunft nicht auflösen lassen, sondern eben immer auch der Anschauung bedürfen. Die Frage: „Welchen konkreten, anschaulichen Inhalt hat unser Gespräch eigentlich?“ wirkt manchmal Wunder. Das klingt arg realistisch und ist es wohl auch. Weiterlesen