Vielerlei…

Sonntag, 9. März 2008 23:16

…ist hier während meines einwöchigen Urlaubs liegengeblieben. Einiges habe ich lustlos in Angriff genommen und danach halbfertig auf den inneren, geistigen Stapel gelegt, einiges blieb völlig unbearbeitet. Heute begleitete mich mal wieder das Gefühl der Ausweglosigkeit und Ohnmacht durch den Tag – meine Gedanken waren nicht hier, sondern beim morgigen Tag und bei der neuen Woche. Ich spüre nur, dass sich hinter dieser hauchdünnen Wand von wenigen Stunden die Konflikte auftürmen und ich morgen völlig präsent sein muss, um nicht in diesen negativen, auf mich gerichteten Energien unterzugehen. Schließlich habe ich wieder alle Hände damit zu tun, die Spielbälle, die auf meine Hälfte des Feldes gedroschen werden, zurückzuschlagen. Ein erfolgreicher Tag ist, um im Bild zu bleiben, einer, an dem ich schweißüberströmt und mit Muskelkrämpfen von einer leeren Spielhälfte schleiche. Das bedeutet aber nicht, dass ich etwas Produktives getan hätte, und dieser Überhang wird mir immer mehr zum Verhängnis. Ich schiebe die längerfristigen Verpflichtungen und Projekte nur noch vor mir her. Mehr kann ich nicht tun, im Moment. Auch privat bewegt sich wenig. Ich zögere. Warum? Will ich wirklich warten, bis das sattsam bekannte Ablehnungsschreiben im Postkasten liegt? Habe ich wirklich die Chancen, die ich mir ausmale? Ich hoffe es natürlich. – Wenn mein Chef nicht mal mehr meine emails liest und mir dann in einem Telefonat während meines Urlaubs mit einem aggressiven Unterton vorhält, er sei nicht informiert worden und ein bestimmtes Schreiben komme für ihn völlig überraschend, habe ich ausreichende Gründe, um auf der Hut zu sein. Er will mich loswerden, und ich will nicht mehr unter ihm arbeiten. Der Informationsfluss und die Kommunikation sind ein Desaster. Nimmt man noch die neue räumliche Nähe durch meinen Umzug mit dazu, ergibt sich eine explosive Konstellation.

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Rollercoaster, life is a

Dienstag, 12. Februar 2008 20:53

Nachdem mich die letzten Wochen mit genügend Stoff für drei Lehrbücher über planloses Management und seine dramatischen Folgen versorgt haben, scheint mein Chef urplötzlich von einem guten Geist einer kompletten Gehirnwäsche unterzogen worden zu sein. Die Symptome sind vor diesem Hintergrund extrem besorgniserregend und schwer deutbar: nicht nur, dass er mir aus freien Stücken eine Gehaltserhöhung anbietet, ich soll auch dauerhafte Unterstützung in meinem Aufgabengebiet bekommen. Zudem ergatterte ich in der heutigen Teambesprechung aufgrund seiner Entscheidung einen Platz im neu entstehenden Büro – ja, das mit den schicken neuen Möbeln – und werde dort zusammen mit einer alten Bekannten sitzen, mit der ich mich bis jetzt blendend verstehe. Wenn das so weitergeht, finde ich bald keinen Grund zum Meckern mehr. Jetzt muss sich nur noch das Tor zu einer anderen lukrativen Option öffnen, und ich wäre restlos bedient – denn dann wüßte ich wirklich nicht mehr weiter. Hilfe, kann ich da nur sagen…das härteste Los für den Pessimisten bleibt doch immer all das Positive, das ihm zustößt. Wenn mich nun noch ein weibliches Wesen sanft vom Rechner wegziehen würde, wäre für diesen Augenblick wirklich alles perfekt. Aber es ist bestimmt besser, nicht gleich zu übertreiben.

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Gemischte Gefühle

Sonntag, 15. April 2007 23:30

Warum kippt ausgerechnet dieses sonnige Frühlingswochenende? Warum ist mir nicht ein kleines Quantum Stabilität gegönnt, das ich brauche, um mich sicher zu fühlen? Ein, zwei Jahre würden als Verschnaufpause durchaus reichen. Könnte es nicht einmal so einfach sein wie bei anderen? Statt dessen beschleunigt jetzt auch noch die defekte Waschmaschine den freien Fall meines Kontostands nach unten, von rot nach tiefrot. Und schon wieder tritt diese Belanglosigkeit eine Welle los, die das Potential hat, mir auch noch die letzte Freude am Leben zu vergällen. Ich bin das gegenseitige Aufrechnen von Schuldgefühlen so leid, weil das Ergebnis ja schon feststeht und sich nicht ändert. Ich hoffe, dass ich morgen wenigstens meinen Chef in genießbarer Stimmung antreffe. Aber wenn sich diese Tendenz so fortsetzt, kommt er morgen entweder überhaupt nicht oder fertigt mich in zwei Minuten brutal ab. Ich sehe der Woche also durchaus mit gemischten Gefühlen entgegen.

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Abschiede

Donnerstag, 29. März 2007 19:09

Heute erfuhr ich endlich die Wahrheit über die mysteriöse, nun schon Wochen andauernde Krankheit meines Chefs: er hat einen Tumor, und zwar eine besonders aggressive Variante. Er ist jetzt 10 Jahre älter als ich. Gegenüber meiner Kollegin äußerte er, er gebe sich selbst als Arzt noch maximal 5 Jahre. Dazu passt, dass während seiner krankheitsbedingten Abwesenheit auf Vorstandsebene gerüchteweise Überlegungen angestellt wurden, die halbe Abteilung aufzulösen. Und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die jahrelange Arbeit von mindestens zwei sehr engagierten Kollegen schlicht und einfach umsonst war. Noch sehe ich dem relativ gelassen entgegen. Aber die Neuigkeiten über den Gesundheitszustand meines Chefs haben mich in eine sehr nachdenkliche Stimmung versetzt. Hat er sich so sehr unter Druck gesetzt oder setzen lassen, dass alles andere – Gefühle, Freizeit, Entspannung, Innehalten – auf der Strecke blieb? Das Pensum, das mein Chef sich beruflich und privat aufgeladen hat, entspräche jedenfalls ziemlich genau meiner Vorstellung eines alptraumhaften Lebens. Und am Ende bleibt nicht viel davon übrig, nicht einmal das Gefühl, etwas vom eigenen Leben mitbekommen zu haben. Erst erblickt man das Nichts, das am Ende der persönlichen Bilanz steht, und dann kommt der Tod mit seiner besonderen Form von Gnade. Ich möchte aber auch nicht ausschließen, dass meine Gedanken völlig unangemessen sind, und ich kann mir kein Urteil anmaßen, wenn ich nicht mindestens eine Woche in seinen Mokassins gelaufen bin, um bei einem indianischen Sprichwort zu bleiben. Ich sollte mein Mitgefühl sprechen lassen.

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