Politische Diskussion

Samstag, 7. April 2007 12:14

Ich nehme an einer Betriebsversammlung teil, in der verschiedene Standpunkte referiert werden. Der Referent steht dabei vor den versammelten Kollegen, die wie in einer Schulklasse hinter geschlossenen Bankreihen Platz genommen haben und sich Notizen machen. Die Stimmung ist erhitzt, und die Diskussion wird nicht nur mit dem Referenten, sondern auch unter den Kollegen mit großer Schärfe geführt. Besonders fällt dabei eine Frau aus der letzten Reihe auf, die unwidersprochen nationalistisches und rassistisches Gedankengut von sich gibt. Das betretene Schweigen unter den Kollegen ist Ausdruck davon, wie peinlich ihnen die Situation ist. Ich ringe mit mir selbst, ob ich mich zu Wort melden soll. Der Leiter der Veranstaltung erteilt mir indirekt das Wort, indem er meinen Namen nennt. “Sehen Sie”, sage ich, indem ich mich umdrehe und direkt an die Frau wende, “wenn ich in ein fremdes Land komme, erwarte ich auch Sicherheit, Gastfreundschaft und Entgegenkommen. Ebenso sollten wir die Menschen, die zu uns ins Land kommen, empfangen.” Ich bin heiser, und das Sprechen bereitet mir Schmerzen; je mehr ich mich anstrenge, um so mehr verwandelt sich meine Stimme in ein Zischen. Aber dem Standpunkt der Frau zu widersprechen, ist mir zu wichtig, und ich spüre, wie mir der Zorn die Röte auf die Wangen treibt. Ich stehe auf und ernte für meine Rede Beifall und Zustimmung. Einige klatschen sogar. Später, als die Frau ihr Referat hält, verwickeln wir uns erneut in ein Streitgespräch. Ich weiß nicht, wie wir plötzlich dazu kommen, die Lage in Marseille mit der Lage im Irak zu vergleichen. “Marseille ist nicht Irak!”, bringe ich mit meiner heiseren Stimme vor. “Oh, beim nächsten Mal bringe ich Ihnen Statistiken mit, die belegen, wie hoch die Kriminalitätsrate in Marseille ist. Sie würden sich wundern.” Diese Sturheit und Unnachgiebigkeit ärgern mich, und ich entgegne ihr: “Ich sehe schon, Sie haben Ihre Meinung, und ich habe meine Meinung. Unsere Standpunkte sind eben nicht vereinbar.” Daraufhin springt sie auf, als hätte ich sie in ihrer Ehre angegriffen. Ich sehe, dass sie rote, schwarze und weiße Strähnen in ihren dunklen und langen Haaren trägt, die die Farben der Reichskriegsflagge symbolisieren sollen. Mit einem lauten Knall schlägt sie die Tür zur Toilette hinter sich zu. Der Leiter der Veranstaltung grinst und scheucht sie mit einer Geste der Hand aus dem Raum.

PS: Einige Elemente des Traums lassen sich zum einen mit dem Film “Der neunte Tag” erklären, den ich gestern auf Arte sah, und zum anderen mit einem Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeit, in dem die französischen Präsidentschaftskandidaten vorgestellt werden (“Zeigt her eure Fahnen” von Michael Mönninger). Es wird deutlich, dass die Besinnung auf Nationalsymbole im Wahlkampf immer wichtiger wird. Unter anderem gehört dazu natürlich auch das Absingen der Marseillaise und die Trikolore.

Thema: Träume | Kommentare (0)
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