Die wunderbare Welt des Double-Bind…

…in der alles wahr ist, auch das Gegenteil. Das Double-Bind funktioniert nicht nur als „positive“ Handlungsaufforderung, sondern auch als Aufforderung zur Bestätigung eines Bildes, das sich ein Gegenüber zurechtgeschustert hat. In diesem Fall könnte die Botschaft lauten: „Du bist ein Versager und kommst nicht mit dem Leben zurecht“, die verbal oder nonverbal übermittelt wird. Dem Adressaten eröffnen sich nun scheinbar mehrere Alternativen, wie er darauf reagieren kann: 1. Er geht in die Offensive und widerspricht dieser These. Das Gegenüber kann diesen Widerspruch vollkommen oder teilweise entwerten, indem er Dritten oder auch dem Adressaten gegenüber mutmaßt, dass der Adressat sich wohl durchschaut fühle und deswegen so heftig reagiere. 2. Der Adressat schweigt. Schweigen kann vom Gegenüber als stille Zustimmung gewertet werden. 3. Er bestätigt die Botschaft. Seltsamerweise ist das die am häufigsten gewählte Strategie, weil der Adressat hofft, dadurch aus der potentiellen Double-Bind-Situation entlassen zu werden. Das Gegenüber wird diese Selbstbezichtigung aber als schweres Vergehen bewerten: der Adressat weiß um seinen desolaten Zustand, zeigt aber keinen Willen zur Änderung. (Humor oder Ironie könnten die Situation zur Komik oder Erkenntnis hin durchbrechen. Aber das Welt- und Selbstbild des Gegenübers hängt in ungleich stärkerem Maße als beim Adressaten davon ab, dass seine Botschaft bestätigt wird.) Sehr häufig kommt dann die als Frage getarnte Aufforderung: „Und warum unternimmst du nichts dagegen?“ Der Adressat gerät so in die Verlegenheit, seine Minderwertigkeit zu heucheln. Sehr viel öfter wird er sich aber mit dem von außen aufgezwungenen Selbstbild eines Versagers identifizieren und depressiv werden, um das Bild Wirklichkeit werden zu lassen. Welche Handlungen der Adressat auch immer unternimmt, er kann das Bild nur bestätigen; natürlich immer unter der Voraussetzung, dass er die Situation aus irgendwelchen Gründen nicht verlassen kann.