Geschlaucht

In dieser Woche fand ich kaum Zeit für meinen Blog. Hinzu kamen zwei Tage Internetentzug, nach denen ich mir die Frage stelle, welchen zusätzlichen Nutzen eine zweite, virtuelle Realität haben könnte beziehungsweise welche Dinge sie nicht nur abbildet. Ja, Netzwerke, ich weiß. Haha. Egal. Ich besuchte am Dienstag und Mittwoch einen Medizintechnikkongress in Würzburg und musste meine bisherige Ansicht, dass in technischen Berufen eitle Selbstdarsteller weniger stark vertreten sind als in anderen Tätigkeitsfeldern, leider revidieren. Ich konnte aber wirklich gute Gespräche führen und neue Kontakte knüpfen. Ein mir bisher nur dem Namen nach bekannter Techniker eines anderen Krankenhauses in R. begleitete mich auf der Rückfahrt und gab mir einen wertvollen Tipp. Leider hatte ich viel zu wenig Zeit und Lust, um Würzburg ein bißchen besser kennenzulernen, und so schleppte mich am Mittwoch in der nachmittäglichen Affenhitze durch den Hofgarten der Residenz und die Altstadt, um wenigstens ein paar kümmerliche Beweise meiner Anwesenheit auf die Speicherkarte meiner Kamera zu bannen. Am Donnerstag improvisierte ich eine Schulung für ein kleines Grüppchen neuer Pflegekräfte, die aber gerade wegen der mangelhaften Vorbereitung sehr gut, harmonisch und rund wurde – bis auf die Tatsache, dass mitten in meiner Schulung ein Patientenmonitor ausstieg, dessen Akkukapazität gerade mal für zwanzig Minuten reichte. Ich will nicht verschweigen, dass das bei überwachungspflichtigen Patienten für die begleitenden Pfleger oder Schwestern nicht gerade prickelnd ist. Heute hingegen war mir alles zuviel: Menschen, Wetter, Arbeit, Vergnügen. Darf das? Ja, darf. Ich bin ja kein Perpetuum Mobile. Darum sitze ich jetzt hier bei Kerzenschein, höre Norah Jones und beobachte das heraufziehende Gewitter.

Schatten und Schattierungen

Ich bin zu müde, um noch vollenden zu können, was mir der Tag an Aufgaben beschert hat. Der abendliche Ausgleichssport beschränkt sich auf die Pendelei zwischen Kühlschrank, Schreibtisch und Bett. Das Verlangen meines Körpers nach Ruhe ist das eine, die zum Zerreißen angespannten Nerven sind das andere. Beides ergibt eine explosive Mischung aus unausgeschlafener Reizbarkeit und emotionalen Ausbrüchen. Ich weiß weder, was mit mir los ist, noch kann ich sagen, wo das Ganze hinführen soll. Ich bin erschöpft. Was ich vorfinde, sind Türen, die mir vor der Nase zugeschlagen werden. Oder Streitigkeiten, die sich an winzigen Unregelmäßigkeiten entzünden. Etwas ist mir fast vollkommen aus der Hand geglitten und stört nun die Balance. Was ist es nur?